Ex-US-Botschafter Roebuck empfahl schon 2006 Kurden als Vorhut gegen Assad - heute besucht er YPG

Ex-US-Botschafter Roebuck empfahl schon 2006 Kurden als Vorhut gegen Assad - heute besucht er YPG
Eine Delegation der USA hat am Donnerstag unautorisiert die nordsyrische Stadt Manbidsch besucht, wo kurdische und US-Truppen zusammen stationiert sind. Damit schickten die USA eine deutliche konfrontative Botschaft an die syrische und türkische Regierung.

In erster Linie stellt der Besuch eine direkte Herausforderung für Ankara dar, das nun auch eine Militäroperation gegen YPG-nahe Milizen in und um Manbidsch gestartet hatte und damit die US-unterstützten YPG vollständig auf das östliche Ufer des Euphrat-Flusses zurückdrängen möchte.

Ziel des Besuchs ist es, die Bewohner von Manbidsch zu unterstützen und zu versprechen, dass ihr Schicksal nicht jenem von Afrin ähneln wird", sagte ein Mitglied des Gemeinderats von Manbidsch gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa).

Das Mitglied bemerkte weiter, die US-Delegation wäre bereit, die Stadt gegen jeden Angriff zu verteidigen, der die Sicherheit und Stabilität der Region erschüttern könnte.

Die US-Delegation haben der ehemalige US-Botschafter zu Damaskus und gegenwärtige Gesandte der Koalitionsstreitkräfte, William Roebuck, und der Generalmajor Jamie Jarrard angeführt. Die Person Roebuck ist mit Blick auf die Anfänge des Syrien-Konflikts 2011 auch für die Regierung in Damaskus von Interesse.

Am Donnerstag veröffentlichte das kurdische Nachrichtenportal ANHA ein Video aus Manbidsch, das die US-Delegation zeigt, wie sie YPG-nahe Verwaltungsstrukturen besuchte.

Außerdem tauchten in den sozialen Medien Bilder von einem Basar-Besuch auf.

USA planten Regime-Change schon Jahre im Voraus

Geleakte geheime Dokumente aus der US-Botschaft in Damaskus machen deutlich, dass Pläne zur Destabilisierung Syriens und Unterminierung der Autorität der syrischen Regierung schon lange vor dem Beginn des aktuellen Konflikts diskutiert wurden. Demnach heißt es in einem Dokument des heutigen Gesandten der Koalitionsstreitkräfte:

13. Dezember 2006

Beeinflussung der SARG [syrische Regierung] Ende 2006

William Roebuck, Chargé d’affaires, US Botschaft, Damaskus

Wir glauben, dass die Schwäche Baschars darin liegt, wie er sich in gefährlichen Situationen verhält. Dazu gehören empfundene und tatsächliche Konfliktsituationen, Konflikte infolge wirtschaftlicher Reformen (aber nur begrenzt), Auseinandersetzungen über die Korruption, die Kurdenfrage und die potenzielle Bedrohung für das Regime durch die zunehmende Präsenz islamistischer Extremisten. Dies fasst unsere Einschätzung der Schwachstellen zusammen und legt nahe, die Wahrscheinlichkeit des Entstehens solcher Ereignisse durch entsprechendes Handeln, Aussagen und Signale zu fördern.

[...] Im Folgenden finden Sie eine Übersicht möglicher Schwachstellen und Mittel, die Sie anwenden können...

Der Besuch in Manbidsch folgte auf Äußerungen türkischer Autoritäten, darunter des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, dass die von Ankara unterstützten Oppositionskräfte gegen die YPG-Miliz auf Manbidsch, Ayn al-Arab, Tel Abyad, Ras al-Ain und Kamischli vorrücken werden. Ankara betonte, dass es seinen Krieg fortführen werde, bis der YPG-Korridor entlang der syrischen Grenzregion zur Türkei vollständig "beseitigt" sei.

2006 machte Roebuck laut WikiLeaks die Kurden als ideale Protestbewegung in Syrien aus, um die syrische Regierung in Damaskus zu schwächen:

Die am besten organisierte und willigste politische Opposition sowie zivilgesellschaftliche Gruppe gehört zur ethnischen Minderheit der Kurden, die sich im Nordosten Syriens sowie in den Gemeinden in Damaskus und Aleppo befinden. Diese Gruppe ist bereit, in ihrem Heimatland heftig zu protestieren, während andere dies nicht wagen würden. Es gibt nur wenige Bedrohungen, die für Baschar größer sind als Unruhen unter den Kurden.

Das Pentagon plant, im Jahr 2019 insgesamt 162,5 Millionen US-Dollar für Waffen, Munition und andere Ausrüstung auszugeben, um syrische Kämpfer zu bewaffnen, die, wie die offizielle Lesart glauben lässt, gegen den "Islamischen Staat" kämpfen. Diese Informationen gehen auf einen kürzlich enthüllten Haushaltsbericht zurück.

Am Donnerstag sagte der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu gegenüber der Nachrichtenagentur Anadolu, dass sein Land die Vereinbarung, die es zuvor mit der US-Regierung im Vorfeld der Ernennung eines neuen Außenministers getroffen hatte, beibehalten will.

YPG-geführte "Syrische Demokratische Kräfte" ermöglichen USA Kontrolle über ein Drittel Syriens

Der Minister warnte, Ankara werde die Initiative ergreifen, wenn es nicht zu einer Einigung mit den USA über einen Plan kommt, kurdische Kämpfer aus Manbidsch zu entfernen.

Das US-Verteidigungsministerium arbeitet gegenwärtig am Aufbau einer Einsatztruppe von 30.000 Mann in Ostsyrien. Die meisten Kämpfer werden aus den so genannten Demokratischen Kräften Syriens rekrutiert. Die Einheit wird von kurdischen YPG-Milizen angeführt und ist ihrerseits rund 50.000 Mann stark. Über die Demokratischen Kräfte Syriens kontrollieren die USA mindestens ein Drittel des syrischen Territoriums.

Das US-Militär gab im Januar bekannt, dass die Hälfte der neuen "Inneren Sicherheitskräfte" - damals noch als "Grenzsicherungskräfte" bezeichnet - aus ehemaligen Mitgliedern der SDF bestehen werde.

Die türkische Regierung argumentiert jedoch, dass es sich bei den "Volksverteidigungseinheiten" (YPG), die hinter den Demokratischen Kräften Syriens stehen, um eine Erweiterung der so genannten Kurdischen Arbeiterpartei (PKK) handele, die Ankara als terroristische Vereinigung betrachtet. Die Türkei startete bereits im Januar eine Offensive gegen die YPG im Kanton Afrin.