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Erntehelfer mit IS-Kämpfern verwechselt: US-Drohne tötet mindestens 30 Menschen in Afghanistan

Erntehelfer mit IS-Kämpfern verwechselt: US-Drohne tötet mindestens 30 Menschen in Afghanistan
Kinder und Jugendliche bei der Pinienernte in der ostafghanischen Provinz Nangarhar (Bild vom 10.10.2012)
Es ist Erntezeit für Pinienkerne in Afghanistan, mit denen sich einige Landbesitzer neue Exportmöglichkeiten erschlossen haben. Im zwischen Taliban und dem IS umkämpften Gebiet von Wazir Tangi feuerte am Mittwochabend eine US-Drohne Raketen auf eine Gruppe Erntehelfer.

Die afghanische Provinz Nangarhar liegt im Osten des Landes und grenzt an Pakistan. Hier haben sich IS-Kämpfer verschanzt und führen ihren ganz einen Kleinkrieg gegen die afghanische Zentralregierung, gegen die Taliban und gegen die USA, die sie aus der Luft angreifen. In den Wirren des Krieges werden hier ausgerechnet die ansonsten seit bald 18 Jahren bekämpften Taliban zu Partnern der USA, die gleichsam als Bodentruppen fungieren und die IS-Kämpfer verfolgen. Obwohl keinerlei Koordination zwischen Taliban und dem CENTCOM, dem zuständigen Militärkommando für den Mittleren Osten und Zentralasien, bekannt ist, scheint es dennoch eine Art stille Übereinkunft zu geben, dass die Taliban bei Operationen gegen den IS von US-Luftangriffen verschont bleiben.

Wazir Tangi liegt mitten in diesem hart umkämpften Gebiet. Um nicht in den Konflikt mit den Taliban zu geraten, die den Mohnanbau als "unislamisch" verboten haben, haben Landbesitzer in diesem Gebiet eine neue Ertragsmöglichkeit gefunden: den Verkauf von Pinienkernen. Insgesamt produziert Afghanistan jährlich bis zu 23.000 Tonnen Pinienkernen, deren Export nach China rund 800 Millionen US-Dollar einbringt.

Damit die Ernte – Pinienzapfen müssen von den Bäumen geschlagen werden – einigermaßen sicher für die Erntehelfer verläuft, haben Stammesälteste und Landbesitzer am 7. September einen Brief an den Gouverneur der Provinz Nangarhar geschickt, um ihn darüber zu informieren. Insgesamt 200 Menschen aus benachbarten Dörfern wurden angeheuert, um die Kerne zu ernten. Dafür wurden auch die Erlaubnis der Taliban und des IS eingeholt, wie Sohrab Qadri, ein Mitglied des Provinzrates, der Nachrichtenagentur Reuters mitteilte. Mit dem Brief an den Gouverneur wollte man auch sicherstellen, dass die Behörden die USA informieren, damit diese wissen, dass eine größere Gruppe von Menschen lediglich ihrer Arbeit nachgeht und es sich nicht um Kämpfer handelt.

Doch am Mittwochabend, als die Arbeit des Tages beendet war und die Helfer, darunter auch Kinder, sich vor der Kälte der hereinbrechenden Nacht um Lagerfeuer versammelt haben, schlug plötzlich eine Rakete ein und tötete mindestens 30 Menschen. Überlebende sprechen sogar von 53 Todesopfern.

Ein Sprecher der US-Armee bestätigte am Donnerstag, dass die USA diesen Angriff mit einer Drohne durchgeführt haben, weil sie IS-Kämpfer in der Gruppe vermutet hätten. Zu den zivilen Opfern meinte Colonel Sonny Leggett:

Wir arbeiten mit lokalen Behörden zusammen, um herauszufinden, ob es Kollateralschäden gegeben hat.

Unschuldige Opfer werden von den USA als "Kollateralschaden" abgetan, um auf sprachlicher Ebene jegliche Verantwortung für Fehleinschätzungen, Kriegsverbrechen oder manchmal auch pure Mordlust von sich zu weisen.

In Dschalalabad, der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, kam es aufgrund des Drohnenangriffs zu wütenden Protesten gegen die USA. Malak Khaiyali Khan, der Dorfvorsteher von Dschaora, einem Dorf im Gebiet Wazir Tangi, schickte vier Jugendliche zur Pinienernte, einschließlich seines Sohnes. Sie alle kamen bei dem Angriff ums Leben.

Mein Sohn und seine Freunde wurden von den Amerikanern umgebracht. Wie konnten sie uns das antun?

Diese Frage konnte ihm bei den Protesten in Dschalalabad, die er selbst anführte, niemand beantworten. Von den USA gab es bis Freitag nicht einmal eine Entschuldigung für diese tragische Verwechslung mit katastrophalen Folgen.   

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