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Japan: Die doppelte Bestrafung von Opfern sexueller Übergriffe

Japan: Die doppelte Bestrafung von Opfern sexueller Übergriffe
Proteste gegen sexuelle Belästigung in Tokio, Japan, 28. April 2018.
Japan versucht in der MeToo-Debatte aufzuholen. Aber sexuellen Gewaltopfern wird es in der Gesellschaft schwer gemacht, Gerechtigkeit zu erfahren. Die archaische Gesellschaft bestraft sie erneut. Über 95 Prozent der sexuellen Übergriffe werden daher nicht gemeldet.

Lediglich den 111. Platz belegte Japan in der Gleichstellung der Geschlechter von insgesamt 144 Ländern im letzten Jahr. Frauen in Japan verdienen im Schnitt ein Drittel weniger als ihre männlichen Kollegen und werden bei Schwangerschaft dazu gebracht zu kündigen. Dabei schmückt sich der amtierende Premierminister Shinzo Abe gerne mit "Womenomics". Mit dieser Wertschöpfung ist die stärkere Einbindung der Frauen in die Arbeitswelt gemeint. Geändert an den archaischen Strukturen hat sich jedoch wenig. Die Frauen sind oft besser ausgebildet als die Männer, werden aber in den Firmen dazu degradiert, den Kaffee zu kochen. Auf Dienstreisen schickt man lieber die männlichen Angestellten, auch wenn diese nicht über die notwendigen Sprachkenntnisse verfügen. 

Passivität soll nicht länger als stilles Einverständnis interpretiert werden können. (Symbolbild).

Als die Australierin Catherine Jane Fisher im Jahr 2012 spüren musste, wie in Japan mit Vergewaltigungsopfern umgegangen wird, nahm sie sich selbst ihrem Fall an und verklagte den US-Soldaten, der sie vergewaltigte. Zudem prangerte sie ein System an, in welchem die Opfer gleich mehrfach bestraft werden. Die Polizei nimmt sexuelle Gewalt, die in der japanischen Unterhaltungsindustrie zudem noch verharmlost wird, nicht ernst. Polizisten zwingen die Opfer, den sexuellen Übergriff mit lebensechten Puppen nachzustellen und sich langen Verhören zu unterziehen. Ein doppeltes Trauma für die Opfer. Es fehlt an einer 24-Stunden Hotline für Betroffene, an juristischer Hilfeleistung, an Polizistinnen, die über eine Ausbildung im Umgang mit sexuellen Gewaltopfern verfügen, sowie an medizinischer Hilfe und der Sicherstellung forensischer Beweismittel. 

Kaum Gerechtigkeit für Opfer 

Auch die Journalistin Shiori Ito wurde im Jahr 2015 zum Opfer und wehrte sich dadurch, dass sie in ihrem Buch "Blackbox" mit der japanischen Gesellschaft abrechnete. Sie machte nicht nur ihre Geschichte, sondern auch ihren Namen und ihr Gesicht öffentlich und nahm es so mit der japanisch-chauvinistischen Gesellschaft auf. Der Täter ist bekannt. Noriyuki Yamaguchi, Journalist und Verfasser der Biografie des japanischen Premierministers Shinzo Abe. Ito traf sich 2015 mit Yamaguchi in einem Restaurant. Sie wollte einen Praktikumsplatz bei ihm. Nachdem sie ein Glas Sekt trank, fühlte sie sich nicht wohl und wachte in einem Hotelzimmer auf, während sie vergewaltigt wurde. Sie versuchte sich zu wehren. Sie erinnert sich an seine Worte: 

Der Mann, der mich vergewaltigte, nachdem wir kämpften, sagte er "Du hast den Test bestanden. Gokaku shita" Und ich war schockiert, denn ich hatte mich dazu doch gar nicht bereit erklärt. Er hatte mich eben vergewaltigt. 

Der umstrittene Kandidat Nathan Larson.

Sie ging zur Polizei und dort warnte man sie vor den Folgen lebenslanger Arbeitslosigkeit. Ito blieb hartnäckig und forderte von der Polizei mit Nachdruck, sich die Aufzeichnungen der Überwachungskameras zu betrachten. Denn diese zeigten, dass Ito bewusstlos war. Dies bestätigte auch der Taxifahrer. Verhaftet wurde der Täter dennoch nicht. 

Die Scham und die zu erwartenden Verhörmethoden führen dazu, dass nur 5 Prozent der Fälle gemeldet werden. Oft wird das Opfer zum Täter stigmatisiert. Erst 2017 trat ein neues Gesetz in Kraft, wonach nicht mehr nur gewaltsames Eintreten des männlichen in das weibliche Geschlechtsorgan als Vergewaltigung gilt. Hinzu kamen nun erzwungener Oral- und Analverkehr. Aber, nach dem japanischen Gesetz, muss für eine Anklage - ausgenommen wenn sich Erziehungsberechtigte an Kindern vergehen - Gewaltanwendung und Einschüchterung vorliegen. 

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