Taliban als Baumkuschler: Afghanistans Dschihadisten entdecken ihr grünes Herz

Taliban als Baumkuschler: Afghanistans Dschihadisten entdecken ihr grünes Herz
Reuters/Abdul Kodus
Die islamistischen Taliban haben ihre Begeisterung für den Natur- und Umweltschutz entdeckt. In einer Erklärung fordert deren Führung Kämpfer und Zivilisten dazu auf, in den von der Miliz kontrollierten Gebieten Bäume zu pflanzen.

Das Jahr in Afghanistan hat turbulent begonnen. Neben einer Reihe anderer Ziele haben die islamistischen Taliban-Milizen seit Januar unter anderem eine Ambulanzstation im Zentrum von Kabul und das Intercontinental-Hotel in der Hauptstadt ins Visier genommen.

In ihrem Kampf um die Vorherrschaft am Hindukusch wollen die Taliban jedoch neben der Peitsche des Terrors auch Zuckerbrot an die Bevölkerung reichen - und so hat die Landwirtschaftsbehörde für die von der Miliz beherrschten Gebiete die Kämpfer dazu aufgefordert, sobald das Wetter es erlaubt, mit dem Pflanzen von Bäumen zu beginnen. Dies berichtet das US-amerikanische Nachrichtenportal PJ Media. In einer Erklärung der Taliban heißt es dazu:

Unsere erhabene Religion des Islam bringt nicht nur eine Reform des spirituellen und moralischen Wohlergehens mit sich, sondern sieht auch die Wohlfahrt, die Prosperität und die wirtschaftliche Weiterentwicklung einer islamischen Gesellschaft sowie die öffentliche Wohltätigkeit als Verpflichtungen für die Muslime.

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Entsprechendes Dekret bereits im Vorjahr ergangen

Weiter heißt es in der Erklärung:

Es ist der religiösen sozialen Verpflichtung des Islamischen Emirats [Taliban-Begriff für die von der Miliz kontrollierten Gebiete] geschuldet, dass dieses - parallel zum Kampf für die Einsetzung der Scharia und dem bewaffneten Dschihad - Entwicklungsarbeit für seine gläubige Nation leistet und den Wiederaufbau ihrer geliebten Heimat voranbringt. Dafür haben wir Sonderabteilungen für Bauwesen und öffentliche Wohlfahrt gegründet.

Ein wesentliches Element der Letztgenannten seien Landwirtschaft und Baumpflanzungen, und ein bereits im Vorjahr erklärtes Dekret des Taliban-Führers Haibatullah Achundsada "wurde bereits überwiegend von der Bevölkerung begrüßt und deshalb wurde im ganzen Land eine Vielzahl von Bäumen gepflanzt".

Achundsada hatte damals Dschihad-Kämpfer und Zivilisten dazu aufgefordert,

eine oder mehrere Obst- oder auch Nicht-Obstbäume zu pflanzen zur Verschönerung der Erde und zum Wohle des allmächtigen Allahs.

Bäume zu pflanzen spiele eine wichtige Rolle beim Umweltschutz, der ökonomischen Entwicklung und der Verschönerung der Erde, so der Taliban-Führer. "Bäume zu pflanzen und Landwirtschaft zu betreiben sind Handlungen, die sowohl im weltlichem Sinne gut sind als auch ungemeine Belohnung im Jenseits versprechen."

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Al-Kaida mahnt schon seit längerer Zeit konsequenteren Klimaschutz an

Im jüngsten Statement der Taliban erinnerten diese an das Dekret und forderten die Mudschaheddin dazu auf, "Bäume für die Prosperität unserer Heimat zu pflanzen, damit unsere Nation und ihre Menschen von den umfassenden Vorteilen der Bäume und Grünpflanzen profitieren können." PJ Media ließ es sich in diesem Zusammenhang nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass die Taliban von einer speziellen Form der Bepflanzung afghanischer Landwirtschaftsflächen bislang tatsächlich immens profitiert haben: nämlich jener mit Schlafmohnkapseln zur Opiumerzeugung.

Ungeachtet der im Kern weltlich-naturalistischen und - anders als traditionelle Weltreligionen - entschieden antinatalistischen Ausrichtung der internationalen Ökologiebewegung sind die Taliban nicht die ersten Islamisten, die an grünen Ideen Gefallen gefunden zu haben scheinen. So hatte der langjährige Gast der Taliban, der 2011 bei einem Antiterroreinsatz getötete Al-Kaida-Führer Osama Bin Laden in einem Schreiben die US-Regierung unter Barack Obama dazu aufgefordert, im Kampf gegen den "menschengemachten Klimawandel" zusammenzuarbeiten. Im November 2016 kritisierte das Al-Kaida-Magazin Inspire die Obama-Regierung scharf und warf dieser vor, in Sachen Klimawandel und Umweltschutz nur zu reden und nicht zu handeln.

So hieß es damals:

Amerika hat einige Gesetze abgelehnt, die geschaffen wurden, um die Verwendung von Materialien zu reduzieren, die Treibhausgase produzieren. […] Es ist erstaunlich und entlarvend, zu hören, wie Obama über die Notwendigkeit mutigen Handelns bei der Bekämpfung von Treibhausgasen spricht, aber sein eigener Staat darauf nicht reagiert und nicht adäquat handelt, um diese tödlichen Emissionen zu reduzieren. 

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