Ex-Häftling berichtet: Chinesische Gefangene müssen für H&M und C&A arbeiten

Ex-Häftling berichtet: Chinesische Gefangene müssen für H&M und C&A arbeiten
Qingpu Gefängnis, Shanghai, China, 29. März 2010.
Der Brite Peter Humphrey hat über mehrere Monate in chinesischer Haft gesessen, bis er wegen schlechtem Gesundheitszustand entlassen wurde. Er berichtet nun, dass dort Gefangene von Morgens bis Abends für Firmen wie H&M, C&A und 3M schuften mussten.

Peter Humphrey, Ermittler im GSK-Skandal, und seine chinesisch-stämmige Frau mit US-amerikanischem Pass, Yu Yingzeng, verbrachten mehrere Monate in chinesischer Gefangenschaft. "Vom Moment der Inhaftierung an bist du dort, damit man dich zerstört", beschreibt er seine Erlebnisse während der Inhaftierung im Qingpu Gefängnis. Die Haftanstalt befindet sich außerhalb von Shanghai und liegt gegenüber derFinancial Times

Überraschender aber sind Humphreys Entdeckungen, was die Billigketten H&M, C&A und den US-Hersteller 3M anbelangt. Gefangene arbeiteten für diese Produzenten. Ob die Firmen darüber in Kenntnis waren, wer ihnen zuarbeitete, ist bisher nicht geklärt. 

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Das Gefängnis war "ein Unternehmen, das für Firmen produzierte": 

Am Morgen, während des Nachmittags und oft während der Mittagsschlafzeit arbeiteten die Gefangene in einem Gemeinschaftszimmer. Unsere Männer machten Verpackungsteile. Ich erkannte sehr bekannte Marken wie 3M, C&A, H&M. So viel zu sozialer Unternehmensverpflichtungen, obwohl die Unternehmen nicht notwendigerweise über ihre Zulieferer in Kenntnis waren. Gefangene in chinesischen Zellenabteilen arbeiteten in unserer Fabrik, stellten Textilien und Komponenten her. Wie Soldaten marschierten sie vor dem Frühstück dorthin und kehrten am späten Abend wieder zurück. Die Ausländer, die in meinem Zellen-Block waren, kamen aus Afrika und Asien - ohne Geld ihrer Familien und ohne Möglichkeit, Toilettenartikel und Snacks zu erwerben. 

Im Jahr 2013 wurden Humphrey und seine Frau verhaftet. Damals arbeitete er als Privatermittler für das Pharma-Unternehmen Glaxo Smith Kline (GSK). Gemeinsam mit seiner Frau hatte der Brite die Firma ChinaWhys gegründet, die für ausländische Firmen in China Untersuchungen durchführt. 

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Dabei stieß er auf einen Korruptionsskandal: Pharmaunternehmen schmierten Ärzte. Die chinesische Regierung führte daraufhin ihre eigene Untersuchung durch und verurteilte das Ehepaar wegen "illegalen Erwerbs von Informationen über Bürger". Wegen Humphreys schlechtem Gesundheitszustand wurde das Ehepaar vor Ablauf der Haftfrist nach 13 Monaten entlassen. Während der Inhaftierung sah Humphrey seiner Schilderung nach kaum das Sonnenlicht, hatte keinen Kontakt zu seiner Frau, keinen direkten Kontakt mit Anwälten und auch nicht zu Verwandten und Freunden außerhalb der chinesischen Gefängnismauern. Seine Firma ChinaWhys musste schließen. 

Durch ihre Tätigkeit für die Industrie erwarben die Gefangenen laut Humphrey 120 chinesische Yuan im Monat. Von seinen Zulieferern verlangt H&M eine Erklärung zu unterzeichnen, in der es heißt: "Zwangsarbeit, belastende, Gefängnis- oder illegale Arbeit wird nicht akzeptiert." Ähnlich sieht es bei C&A aus. Im Verhaltenskodex für Zulieferer steht: "C&A erlaubt nicht die Nutzung von Gefängnissen und/oder inhaftierten Arbeitern in jedweder Form." Bei 3M steht geschrieben, dass die Firma lediglich die "unfreiwillige Gefangenenarbeit" ihrer Zulieferer verbietet. Auf Rückfrage des US-Online Portal Quartz erklärten die drei Firmen, von dieser Gefangenenarbeit nichts gewusst zu haben. 

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