Südkoreas Dilemma: Zwischen Wunsch nach Annäherung mit dem Norden und US-Interessen

Südkoreas Dilemma: Zwischen Wunsch nach Annäherung mit dem Norden und US-Interessen
Kim Jo-yong, Schwester von Kim Jong-un, neben dem südkoreanischen Premierminister Moon Jae-in bei einem Konzertbesuch des nordkoreanischen Samjiyon-Orchesters, Seoul, Südkorea, 11. Februar 2018.
Kim Jong-uns Schwester war Teil einer Delegation zu den Olympischen Winterspielen und überbrachte dem südkoreanischen Präsidenten eine Einladung nach Nordkorea. Dieser reagierte vorsichtig. Neben generellem Argwohn spielen dabei auch US-Interessen eine Rolle.

Der Wunsch des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in, die Winterspiele von Pyeongchang zu einer Bühne für eine Annäherung mit Nordkorea zu machen, ging in Erfüllung. Unter einer Einheitsflagge liefen südkoreanische und nordkoreanische Sportler gemeinsam im Stadion ein, nordkoreanische Künstler traten auf und ein gemeinsames Frauen-Hockeyteam aus nord- und südkoreanischen Spielerinnen betrat das Eis. Kim Jo-yong, die Schwester Kim Jong-uns, überreichte Moon Jae-in im Auftrag ihres Bruders eine Einladung nach Nordkorea.

Moon Jae-in lehnte weder ab noch nahm er diese an. Denn zunächst muss er sich diesbezüglich mit den US-Amerikanern abstimmen. Auch US-Vize Mike Pence reiste zu den Winterspielen an. Er hatte aber wenig Interesse an dem Sportereignis und erklärte, dass es das Ziel seiner Anwesenheit in Südkorea sei, Nordkorea davon abzuhalten, Pyeongchang als eine Selbstdarstellungs-Bühne zu nutzen. Für Moon Jae-in stellt die Einladung eine Herausforderung dar. 

USA wittern Propagandazwecke hinter Pjöngjangs Schritten

Neben Kim Jo-yong war auch Kim Yong-nam, der Parlamentschef Nordkoreas, Teil der nordkoreanischen Delegation. Die Einreise der Sportler, Künstler und insbesondere der Vertreter der nordkoreanischen Politik stellte Südkorea vor ein Problem. Sanktionen gegen Nordkorea mussten kurzfristig außer Kraft gesetzt werden. Südkorea hatte die seit dem Amtsantritt Donald Trumps von den USA wieder favorisierte Politik der "extremen Härte" gegen Nordkorea bisher immer mitgetragen.

Die Amerikaner wollen erst an den Verhandlungstisch treten, wenn die Nordkoreaner Fortschritte mit Blick auf die Beendigung ihres Atomprogramms vorweisen und mit in den Dialog eingebunden werden können. Shin Beom-chul, Professor der nationalen Akademie für Diplomatie: 

Es wäre wie der Verkauf von Eis an Eskimos. Es ist extrem schwer, einerseits die Koordination der Denuklearisierung mit den USA beizubehalten und mit Nordkorea Vertrauen für einen Dialog aufzubauen. Wir müssen die USA davon überzeugen, mit Nordkorea zu reden, obwohl diese die jüngsten nordkoreanischen Bewegungen als Propaganda werten. Gleichzeitig sollten wir Nordkorea wissen lassen, dass es ihm letztlich selbst hilft, die Gespräche zur Denuklearisierung wieder aufzunehmen. 

Aber die Regierung Pjöngjangs hat wenig Interesse, mit einem Drittland zu verhandeln, das ebenfalls immer wieder mit Krieg droht. Ein gemeinsames Militärmanöver zwischen südkoreanischen und US-amerikanischen Militärs, welches während der Winterspiele abgehalten werden sollte, wurde auf Drängen der Regierung Seouls verschoben. Pjöngjang fordert die Einstellung aller Militärmanöver vor seinen Grenzen. 

Geplante Militärmanöver im April könnten Tauwetter wieder beenden

Pence entzog sich bewusst jedem Kontakt mit der nordkoreanischen Delegation. Die letzten direkten Gespräche zwischen Nordkorea und den USA fanden 2000 und 2007 statt. In den Medien wurde Kim Jo-yong als die "Ivanka Nordkoreas" beschrieben. Im letzten Jahr wurde sie auf die schwarze Liste der Amerikaner aufgenommen.

Die Regierung in Seoul hat die Präsenz Kim Jo-yongs hingegen begrüßt. Sie wertete es als Zeichen der Entspannung. Die Präsentation der Eltern Otto Warmbiers als Teil der amerikanischen Delegation konnte da wenig entgegensetzen. Otto Warmbier war als Student in einer Gruppe nach Nordkorea gereist. Er kam in nordkoreanische Gefangenschaft, nachdem ihm vorgeworfen worden war, ein politisches Poster entwendet zu haben. In seiner Haft erkrankte Otto und wurde "aus humanitären Gründen" entlassen. Kurz danach verstarb er in den USA. Pence und die US-Delegation versuchten in Südkorea vergeblich, der nordkoreanischen Charmeoffensive auf die Parade zu regnen und das Interesse auf die Kritik an der Menschenrechtssituation in Nordkorea zu lenken. Die Militärmanöver wurden auf den April verschoben. Dann könnte die positive Stimmung auf der koreanischen Halbinsel auch wieder verfliegen. 

Schwester von Kim Jong-un in Südkorea eingetroffen: 

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