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"Fühle mich vollkommen gut" – Bolsonaro mit Corona infiziert

"Fühle mich vollkommen gut" – Bolsonaro mit Corona infiziert
Screenshot aus einem Beitrag von TV Brasil. Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro spricht mit Journalisten im Planalto-Palast in Brasília am 7. Juli 2020.
Brasilien ist mittlerweile ein Hotspot der Corona-Pandemie mit mehr als 1,6 Millionen Infizierten. Der Staatschef bezeichnete das Virus stets als "leichte Grippe" und trug bei öffentlichen Auftritten nur selten eine Maske. Jetzt hat sich Bolsonaro selbst infiziert.

Der brasilianische Präsident hat sich mit dem Coronavirus infiziert. "Das Testergebnis ist positiv", sagte er am Dienstag vor Journalisten. "Ich fühle mich vollkommen gut. Ich habe sogar Lust, spazieren zu gehen, aber auf ärztliche Empfehlung hin werde ich das nicht tun."

Am Tag zuvor hatte der Staatschef über Fieber und Gliederschmerzen geklagt. Daraufhin sagte er einige Termine ab und machte in einem Militärkrankenhaus in der Hauptstadt Brasília einen Coronatest. Nach dem positiven Ergebnis will Bolsonaro nun das umstrittene Mittel Hydroxychloroquin einnehmen. Die Wirksamkeit des Malaria-Mittels gegen die Lungenerkrankung COVID-19 ist bislang nicht bewiesen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro legt Veto gegen Maskenpflicht in Kirchen und Geschäften ein. Auf dem Symbolbild: Eine Frau vor einem Graffito in Rio de Janeiro, 2. Juli 2020

Brasilien ist neben den USA derzeit einer der Brennpunkte der Corona-Pandemie. Bislang haben sich in dem größten Land Lateinamerikas 1,6 Millionen Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert, 65.487 Patienten sind im Zusammenhang mit der Lungenkrankheit COVID-19 gestorben. Experten gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen noch deutlich höher liegen, da in Brasilien nur recht wenig getestet wird.

"Ich hoffe, dass sich der Präsident vom Coronavirus erholt, damit er Rechenschaft über seine Aktionen während der Pandemie ablegen kann", schrieb der Politologe Maurício Santoro von der Universität Rio de Janeiro auf Twitter. "Die Zehntausenden Toten und ihre Angehörigen verdienen diese Geste des Respekts."

Die brasilianische Regierung hat die Pandemie von Anfang an heruntergespielt. Bolsonaro selbst bezeichnete das Coronavirus immer wieder als "leichte Grippe" und stemmte sich gegen Schutzmaßnahmen. Immer wieder zeigte er sich ohne Mundschutz in der Öffentlichkeit, ließ sich von seinen Fans feiern, löste Massenaufläufe aus und machte Selfies mit Anhängern.

"In meinem speziellen Fall, aufgrund meines sportlichen Hintergrunds, müsste ich mir keine Sorgen machen, wenn ich mit dem Virus infiziert wäre", sagte er einmal. Tatsächlich war Bolsonaro in seiner Militärzeit ein guter Fünfkämpfer. Mit 65 Jahren gehört er mittlerweile allerdings zur Risikogruppe. Zudem war er in den vergangenen Jahren mehrfach operiert worden, nachdem er während des Wahlkampfs 2018 von einem Attentäter schwer mit einem Messer verletzt worden war.

Auch am Wochenende war Bolsonaro wieder viel unter Menschen, teilweise ohne Maske: Am Samstag nahm er gemeinsam mit mehreren Ministern und einem seiner Söhne an einem Essen anlässlich des amerikanischen Unabhängigkeitstages in der US-Botschaft teil. Zudem flog er in den Bundesstaat Santa Catarina, um sich nach den schweren Unwettern ein Bild der Lage zu machen.

Rauchschwaden eines Feuers in einem Gebiet des Amazonas-Regenwaldes in der Nähe von Porto Velho, Bundesstaat Rondônia, Brasilien, 10. September 2019

Im Streit um den richtigen Umgang mit der Pandemie warfen bereits zwei Gesundheitsminister das Handtuch. Zuletzt legte Bolsonaro sein Veto gegen eine Maskenpflicht in geschlossenen Räumen wie Kirchen, Geschäften und Schulen ein. Der Staatschef fürchtete vor allem die wirtschaftlichen Schäden eines Lockdowns. "Das Leben geht weiter. Brasilien muss produzieren", sagte er am Dienstag. "Müssen wir uns wegen des Virus Sorgen machen? Ja. Aber auch wegen der Arbeitslosigkeit, die es ebenfalls gibt."

Zwar haben eine Reihe von Bundesstaaten und Städten auf eigene Faust Schutzmaßnahmen ergriffen, allerdings werden die Einschränkungen an vielen Orten bereits wieder gelockert. In der Millionenmetropole Rio de Janeiro etwa öffneten sogar Restaurants und Bars wieder, auf der Strandpromenade an der Copacabana tummeln sich bereits wieder zahlreiche Menschen.

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(rt/dpa)

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