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Studie: Wie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die Not in Afrika verschärft

Studie: Wie die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung die Not in Afrika verschärft
(Symbolbild). Der landwirtschaftliche Sektor ist in Afrika von hoher Bedeutung und trägt je nach Staat zwischen zehn und siebzig Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei.
Eine von der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Auftrag gegebene Studie fällt ein vernichtendes Urteil über die "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika" (AGRA). Mit an Bord bei dem Projekt: die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sowie die Rockefeller-Stiftung.

Gewinne für Großkonzerne, Elend für Bauern – so lassen sich etwas zugespitzt die Ergebnisse einer Studie über die sogenannte "Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika" (AGRA) zusammenfassen. AGRA wurde 2006 als Reaktion auf einen Aufruf des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan gegründet, der damals die Zeit für afrikanische Bauern gekommen sah, um eine "einzigartig afrikanische Grüne Revolution" durchzuführen.

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Die internationale Studie unter dem Titel "Falsche Versprechen: Die Allianz für eine Grüne Revolution in Afrika (AGRA)", die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung, Biba, Brot für die Welt, FIAN Deutschland, vom Forum Umwelt & Entwicklung, INKOTA-Netzwerk, IRPAD, PELUM Sambia, Tabio und TOAM veröffentlicht wurde, belegt indes die desolaten Folgen der Allianz auf kleine Nahrungsmittelproduzenten in den 13 afrikanischen Ländern, auf die sich die Initiative konzentriert.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass nicht nur der Hunger in Afrika zugenommen, sondern auch die Ernährungsvielfalt abgenommen hat. Zudem sei die Produktivität kaum gestiegen, Bauern seien immer öfter verschuldet, es gäbe Umweltschäden, und die Selbstbestimmung vor Ort sei gefährdet. Auch gebe es politischen Druck zugunsten von Großfirmen.

Dabei sollte AGRA laut eigenem Anspruch genau das Gegenteil bewirken. Das Versprechen lautete, man werde die landwirtschaftlichen Erträge und Einkommen von 30 Millionen Haushalten kleiner Nahrungsmittelproduzenten bis 2020 verdoppeln und so Hunger und Armut in den Schwerpunktländern halbieren.

Auch deutsches Geld fließt

Um diese Ziele zu erreichen, erhielt AGRA mehr als eine Milliarde US-Dollar. Ganz vorn mit dabei sind die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und die Rockefeller-Stiftung. Aber auch aus staatlichen Quellen fließt Geld: unter anderem aus den USA, Großbritannien und Deutschland. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unterstützt die Allianz zwischen 2017 und 2021 in Ghana und Burkina Faso mit zehn Millionen Euro. Das entspricht weniger als 0,5 Prozent der jährlichen Entwicklungszusammenarbeit, die sich insgesamt auf über zwei Milliarden Euro summiert.

Laut der Studie hilft die Finanzierung vor allem den Großkonzernen und nicht den Bauern vor Ort. Die Ertragssteigerungen seien bei den wichtigsten Grundnahrungsmitteln in den Jahren vor AGRA ebenso gering ausgefallen wie während der Durchführung der AGRA-Programme. Und statt den Hunger zu halbieren, habe sich die Situation in den 13 Schwerpunktländern seit der Einführung von AGRA verschlechtert. Konkret: Die Zahl der Menschen, die hungern, sei im Vergleich zu den Jahren vor AGRA um 30 Prozent gestiegen.

Zudem schade die Allianz insbesondere den kleinen Nahrungsmittelproduzenten, da diese sich zum Beispiel hoch verschuldeten. In Sambia und Tansania seien die kleinen Nahrungsmittelproduzenten nach der ersten Ernte nicht mehr in der Lage gewesen, Kredite für Dünger und Hybridsaatgut zurückzuzahlen. Auch schränkten AGRA-Projekte die Wahlfreiheit der kleinen Nahrungsmittelproduzenten ein, selbst zu entscheiden, was sie anbauen wollen. Dies habe dramatische Auswirkungen auf die Nutzpflanzenvielfalt.

Da sich AGRA auf den einseitigen Anbau von Mais konzentriere, seien traditionelle klimaresistente und nährstoffreiche Nutzpflanzen dadurch zurückgegangen. Der Studie zufolge sank die Hirseproduktion in den 13 AGRA-Schwerpunktländern von 2006 bis 2018 um 24 Prozent. Darüber hinaus setzte sich AGRA im Namen von Agrarkonzernen bei den Regierungen dafür ein, dass Gesetze verabschiedet werden, die den Düngemittelproduzenten und Saatgutunternehmen zugutekommen, anstatt die kleinbäuerliche Nahrungsmittelproduktion und alternative Strukturen zu stärken.

Türöffner für Großkonzerne

Wenn man bedenkt, dass die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung einen erheblichen Anteil an Aktien von Firmen wie Monsanto, Cargill, DuPont, Dow Chemical, BASF und Bayer hält, umweht das Ganze in der Tat mehr als nur ein gewisses "Geschmäckle". Zudem gibt es zwischen dem Direktorium der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung und Monsanto personelle Verbindungen. Gerade die Förderung chemischen Düngers und Hybridsaatguts sowie die Zerstörung gewachsener kleinbäuerlicher Strukturen erhöht die Abhängigkeit der Regionen von den Großkonzernen.

Wenig überraschend kommen die Herausgeber der Studie unter anderem zu dem Schluss, dass sich die Regierungen im globalen Norden und Süden aus AGRA und allen anderen Programmen der Grünen Revolution zurückziehen müssten. Stattdessen sollten nachhaltigere, ganzheitliche Ansätze wie die Agrarökologie unterstützt werden. Die Agrarökologie konzentriert sich auf die Bedürfnisse der kleinen Nahrungsmittelproduzenten, ihr Menschenrecht auf Nahrung und ihre Ernährungssouveränität.

AGRA weist die Ergebnisse der Studie zurück. Die Untersuchung sei "unwissenschaftlich". Außerdem sei man nicht mit einbezogen worden. Ein Sprecher verteidigte den Ansatz von AGRA: Afrikanische Kleinbauern müssten dieselben Möglichkeiten erhalten wie europäische. Auch die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung sieht keinen Grund für einen Kurswechsel oder Rückzug. Es gäbe viele Wege, Kleinbauern vor Ort nachhaltig zu helfen, so die Stiftung.

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