US-Luftschläge im Irak und Syrien - Monitoring-Gruppe wirft Pentagon Vertuschung der realen zivilen Opferzahlen vor

Quelle: DVIDSHUB/CC BY 2.0
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Ein neuer Bericht der Monitoring-Gruppe "Airwars" belegt die gravierende Lücke zwischen den Angaben des Pentagons und den tatsächlichen zivilen Opferzahlen der US-Luftangriffe im Irak und Syrien. Laut Darstellung des Pentagons sollen im Zuge des Kampfes gegen den Islamischen Staat bisher lediglich zwei Zivilsten durch US-Luftschläge ums Leben gekommen und dafür 12.000 IS-Kämpfer getötet worden sein. Nach Recherchen von "Airwars" soll die Zahl an getöteten Zivilisten jedoch bei mindestens 1000 liegen. Zudem wird dem Pentagon vorgeworfen, in einigen Fällen getötete Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, für eine "saubere Statistik" einfach als "Dschihadisten" gewertet zu haben.

Seit Beginn der US-geführten Operationen gegen den selbsternannten „Islamischen Staat“ in Syrien und Irak, die nunmehr seit knapp einem Jahr andauern, sind mehr als 5.800 Flugeinsätze geflogen worden.  Diese sollen allein das Pentagon rund drei Milliarden US-Dollar gekostet haben. Dabei sollen rund 7.600 Ziele vernichtet worden sein. Im Ergebnis brüsten sich die USA, den IS aus dem Nordirak zurückgetrieben zu haben, was jedoch maßgeblich auf den anhaltenden Widerstand der kurdischen Peshmerga zurückzuführen ist. Das Pentagon behauptet stolz, man habe 12.000 IS-Kämpfer getötet, wie diese Zahl ermittelt wird, bleibt unklar. Dem gegenüber seien lediglich zwei tote Zivilisten, so der Pentagon in einer offiziellen Erklärung im Juni.

Quelle: RT

Die Gruppe Airwars.org, die vom Joseph Rowntree Charitable Trust finanziert wird, berichtet im Rahmen einer neuen Studie nun, dass mindestens 52 Vorfälle dokumentiert wurden, bei denen zwischen 459 und 591 Zivilisten sowie 48-80 „befreundete Kräfte“ von der Anti-IS-Koalition getötet wurden. Insgesamt wurden bis zum 30. Juni 2015 nicht weniger als 118 Angriffe mit über 1.000 getöteten Zivilisten registriert.

So erklärte das Pentagon beispielsweise, als die US-Air Force Anfang Mai das Dorf Bir Mahli in Nordsyrien angriff, bei dem 60 Menschen starben, dass es sich dabei um getötete Dschihadisten handele, die sich in einem Gebäude aufhielten. Der Airwars-Bericht dagegen erklärt, dass sich unter den Toten 58 Zivilisten viele Frauen und Kinder befanden.

Zwar räumt der Bericht ein, dass es nur sehr schwer sei, auf dem Gebiet des IS, in dem die Zivilgesellschaft praktisch zusammengebrochen sei, Untersuchungen zu unternehmen, dafür beriefen sich die Autoren auf Medienberichte, YouTube-Dokumentationen und gut informierte Quellen in den sozialen Netzwerken.

Weiter geht aus dem Bericht deutlich hervor, dass die "chirurgischen Angriffe der US-Luftwaffe" die Zivilbevölkerung im "Kampf gegen den Terrorismus" deutlich in Mitleidenschaft zieht. Das Pentagon aber versucht, die "Kollateralschäden" möglichst bedeckt zu halten.

Quelle: RT

Zwischen Aussagen von Organisationen wie der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) oder Iraq Body Count, die wie Airwars von hunderten getöteten Zivilsten sprechen, und dem Pentagon klafft eine Glaubwürdigkeitslücke, die durch die mangelnde Transparenz in Washington nur noch vertieft wird. Der Bericht glaubt, dass, wenn den Vorwürfen von durch Luftangriffe getöteten Zivilisten nachgegangen würde, auch die IS-Propaganda nachhaltig bekämpft werden könnte.

Airwars erkennt an, dass das Pentagon zumindest auf Anfragen der Gruppe reagierte und antwortete. Die übrigen Mitglieder der Anti-IS-Koalition haben entweder gar nicht geantwortet oder erklärt, es habe keine zivilen Opfer gegeben. Bei Luftangriffen über Syrien oder Irak teilen die meisten Mitglieder der Koalition nicht einmal mit, welche Ziele angeflogen würden. Allein Kanada tut dies regelmäßig, die USA, Großbritannien und Frankreich dagegen laut Telepolis nur manchmal.

Für Betroffene sei dieser Zustand frustrierend, so Airwars, schließlich sei es ihnen kaum möglich, überhaupt nachzuverfolgen, wer sie aus der Koalition bombardiert habe oder ob es überhaupt ein Flugzeug der Koalition war. Um Verantwortlichkeiten zu klären und dem IS die Legitimationsbasis zu entziehen, fordert Airwars noch mehr Transparenz.

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