Oppositioneller russischer Journalist von Donezker Volksmilizen festgenommen, geschlagen und deportiert

Der Journalist Pavel Kanygin nach seiner Festnahme in Donezk. Quelle: Facebook
Der Journalist Pavel Kanygin nach seiner Festnahme in Donezk. Quelle: Facebook
Ein Journalist der russischen oppositionellen Zeitung Novaya Gazeta ist in der selbsternannten Volksrepublik Donezk festgenommen, geschlagen und Rauschgiftdelikten beschuldigt worden. Erst kürzlich bezeichneten die Vereinten Nationen die Ukraine als gefährlichsten Ort der Welt für Reporter und Journalisten. Pavel Kanygin befindet sich mittlerweile wieder in Russland.

Pavel Kanygin, Reporter der Novaya Gazeta, war in Donezk, um von Anti-Kriegs-Demonstrationen am vergangenen Montag zu berichten. Am folgenden Tag wurde er von einer Gruppe Männern aufgehalten, die sich - wie er sagte - selbst als "Donezker Sicherheitsbeamte" vorstellten. Sie durchsuchten ihn, nachdem sie eine Visitenkarte eines ukrainischen Journalisten bei ihm gefunden hatten, und beschuldigten ihn, mit "Pro-Kiew Medien" zusammenzuarbeiten.

Kyrylo Shevchuk und Nadiia Melnychenko -Foto: Ulrich Heyden

Kanygin berichtete der Novaya Gazeta, nachdem er Dienstag Nacht wieder frei gelassen wurde:

"Ich wurde zum [Donezker] Sicherheitsministerium gebracht, wo einer der Offiziere eine Pistole auf mich richtete und sagte, er würde mich erschießen sobald ich mich einen Millimeter bewege."

Der Reporter wurde nach eigener Darstellung von den Sicherheitsbeamten gefragt, ob er "für uns... oder für Kiew" arbeite, worauf er geantwortet haben soll: "Für den Frieden." Der Vernehmungsbeamte schlug den Journalisten daraufhin ins Gesicht. Kanygin veröffentlichte später auf seinem Facebook-Profil ein Foto von sich selbst, das ihn mit einem blauen Auge zeigt.

Bei seiner Festnahme am Dienstag wurde Kanygun gedrängt, sich einem Drogentest zu unterziehen, welcher angeblich illegale Substanzen in dessen Blut nachwies.

"Sie haben mir gesagt, ich sei ein Junky und dass ich meinen Lebensunterhalt in Form von Drogen von den Kiewer Sicherheitsbehörden und vom US-amerikanischen Außenministerium bekomme."

Novaya Gazeta, auch bekannt für die Veröffentlichung von Artikeln der ermordeten investigativen Journalistin Anna Politkovskaya, appelierte umgehend an Moskau, die Freilassung des Reporters sicherzustellen. Ein Beamter des Außenministeriums verkündete daraufhin, dieses werde alle notwendigen Schritte unternehmen, um russische Journalisten zu schützen.

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Dienstag Abend wurde Kanygin dann an die ukrainisch-russische Grenze gebracht und an die dortigen Grenzschützer übergeben.

Die Vereinten Nationen betonten erst am 15. Juni dieses Jahres, dass die Ukraine derzeit die für Journalisten gefährlichste Region der Welt sei. Laut OSZE gab es bereits über 300 Attacken auf Medien-Repräsentanten, seit im Frühjahr 2014 der bewaffnete Konflikt in dem Land ausbracht. Diese Zahl beinhaltet sowohl Zahlen von Angriffen ukrainischer Truppen und Sicherheitsbeamten, als auch von Vertretern der selbsternannten Volksrepubliken.

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