TTIP-Abkommen soll US-"Frackingrevolution" in Europa den Weg bahnen

Quelle:  Joshua Doubek - CC BY-SA 3.0
Quelle: Joshua Doubek - CC BY-SA 3.0
Die Europäische Union will um jeden Preis ihre Energieabhängigkeit von Russland lösen und verhandelt deshalb nun auch im Rahmen des TTIP-Abkommens mit den USA um entsprechende Konditionen. Hierbei geht es vor allem darum, geltende Export-Restriktionen von Schiefergas aus den Vereinigten Staaten nach Europa aufzuheben, das mit der umstrittenen Fracking-Methode gewonnen wird.

Der EU-Kommissar für die Energieunion, Maros Sefcovic, betonte in diesem Zusammenhang gegenüber dem Wall Street Journal:

TTIP: Kein EU-Gesetz ohne US-Segen? Washington sieht das vor!
„Wir glauben, dass das TTIP-Energiekapitel (…) einen wichtigen Beitrag zum Handel beisteuern und die Energiesicherheit der EU garantieren kann.“
Von seinen eigenen Argumenten offenbar überzeugt und eingedenk der Tatsache, dass die EU der weltweit größte Energieimporteur ist, sagte Sefcovic:
„Ich denke, wir sind ein ganz wichtiges Ziel für die Exporteure.“
Grundsätzlich dürften die USA, deren heimische Schiefergasindustrie imstande ist, täglich 240 Millionen Kubikmeter Gas zu verkaufen, tatsächlich Interesse an Europa haben. Auf Grund der immer noch niedrigen Rohstoffpreise sind die USA jedoch offenbar nicht zwangsläufig willens, den Europäern die Türen einzurennen.

Der Grund dafür ist einfach: Die Kosten für einen solchen Transport, die der massenhafte Export von Schiefergas aus den USA nach Europa nach sich ziehen würde, seien für US-Unternehmen einfach untragbar, argumentieren beispielsweise die Deutschen Wirtschaftsnachrichten. Lukrativer hingegen sei das Bohren nach Schiefergas auf europäischen Boden selbst, welches das deutsche Bundeskabinett Ende März praktischerweise ab sofort auch mittels eines Frackinggesetzes billigt.

Mutti will das totale Freihandelsabkommen – Widerstand zwecklos?

Damit lädt zumindest Deutschland Fracking-Spezialisten aus den USA, die mit umstrittenen Methoden Energieträger aus dem Boden fördern, exklusiv nach Europa ein. Deutschland heißt die neuen Partner aus Übersee auch aus Gründen fehlender Alternativen und energiepolitischer Unwägbarkeiten nach dem Atomausstieg willkommen.

Zudem dürfen die US-Unternehmen, die den Europäern im Kampf gegen russische Energielösungen ein vermeintliches neues Wundermittel vorlegen, auf großzügige Fördergelder in Milliardenhöhe aus Brüssel hoffen. Medienberichten zufolge soll der gemeine Steuerzahler der EU einen Großteil der US-amerikanische Frackingrevolution in Europa aus seiner Tasche finanzieren.

Energie-Experten vermuten, dass die Avancen aus Übersee der Realität jedoch nicht standhalten werden. Sie argumentieren, dass zwar der teure Transport wegfalle, wenn die Förderung vor Ort stattfinde, aber sich die Fördermethode innerhalb der EU verteure. Unterm Strich dürfte sich an der mangelnden Rentabilität des Frackings nichts geändert haben. Zudem sei der Widerstand der europäischen Bevölkerung gegen die umstrittene Form der Energieförderung immens groß.

Die Amerikaner wollen zudem ihre Fracking-Technologie rasch in die Ukraine bringen. Ein weiterer "pragmatischer" Grund, um Kiew von Russland loszureißen.

 

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