Die Abzock-Falle: Wie Fluggesellschaften ihre Passagiere ausnehmen

Die Abzock-Falle: Wie Fluggesellschaften ihre Passagiere ausnehmen
Der selbstgewählte Sitz kostet ebenso eine Gebühr wie das bevorzugte Einsteigen oder das Aufgabegepäck. Flugtickets sind zur Discountware geworden, bei der jedes Extra zusätzlich bezahlt werden muss. Es fehlt nur noch eine Zusatzgebühr für Sitzplätze.

Die internationalen Fluggesellschaften suchen nach immer neuen Wegen, ihre Passagiere mehrfach zur Kasse zu bitten. Nach Erhebungen der Beratungsgesellschaft Ideaworks gehören dabei Gebühren für das Aufgabegepäck neben den reinen Ticketkosten zu den wichtigsten Einnahmequellen. Die einstmals im Ticketpreis enthaltene Gebühr für die Gepäckbeförderung wird zunehmend auch im Basistarif auf Fernflügen über den Nordatlantik verlangt. Bei Norwegian ist nicht einmal mehr ein Essen im billigsten Standardticket enthalten.

Erste Gesellschaften wie der US-Billigflieger Spirit oder die mexikanische Volaris haben der am Dienstag vorgelegten Studie zufolge damit begonnen, die Preise für einige Dienstleistungen dynamisch festzulegen: Passagiere müssen bei großer Nachfrage besonders hohe Preise beispielsweise für ihren Koffer zahlen.

Auch in Berlin steht Airbnb in der Kritik: Das Vermietungsmodell soll eine Vielzahl angestammter Mieter aus ihren Wohnungen verdrängen. Kritik entzündete auch sich daran, dass nicht mehr nur private Gastgeber auftreten, sondern sich inzwischen umfangreiche kommerzielle Strukturen entwickelt haben.

Einen anderen Weg gehe der britische Ferienflieger Jet2.com, der sich immer mehr zum Reiseveranstalter wandele und den Kunden auch während ihres Urlaubsaufenthaltes Dienstleistungen wie Ausflüge oder Mietwagen anbiete. Zum Rückflug erhalten die Passagiere gegen Gebühr die Möglichkeit, ihr Gepäck bereits im Hotel aufzugeben. Mehr als 450 Assistenten an den Zielorten seien dafür eingestellt worden.

Allein die US-Gesellschaft United verbuchte im vergangenen Jahr neben den reinen Ticketerlösen von den Passagieren rund 5,75 Milliarden Dollar zusätzlichen Umsatz, heißt es in der Untersuchung im Auftrag des Mobilitätsdienstleisters Cartrawler. Die Einnahmen stammten zu 41 Prozent aus dem Vielfliegerprogramm und zu 59 Prozent aus extra verkauften Dienstleistungen wie zusätzlichem Gepäck, freier Platzwahl oder Vermittlungskommissionen für Hotelzimmer oder Mietwagen.

Auch ohne eigene Vielfliegerprogramme haben es die europäischen Billigflieger Ryanair (2,3 Mrd Dollar) und Easyjet (1,3 Mrd Dollar) unter die Top-Ten-Gesellschaften geschafft, was die passagiergebundenen Nebeneinnahmen angeht. Bei Ryanair zahlt laut Studie inzwischen die Hälfte der Passagiere für die Sitzplatzwahl. Zusammen erzielten die zehn größten Anbieter zusätzliche Umsätze von 29,7 Milliarden Dollar. Zehn Jahre zuvor hatte die Summe mit 2,1 Milliarden noch nicht einmal ein Zehntel betragen.

Die ungarische Wizzair macht mehr als 41 Prozent ihres Umsatzes mit den Nebengeschäften. Bei der Lufthansa stiegen die Nebeneinnahmen der Studie zufolge mit 1,95 Milliarden Dollar zum Vorjahr deutlich. Die höchsten Pro-Kopf-Nebeneinnahmen von knapp 51 Dollar pro Flug erzielte der US-Billigflieger Spirit, der allerdings ein besonders radikales Preissystem verfolgt, in dem bereits Handgepäck extra kostet.

Europas Fluggesellschaften gelten als besonders kreativ dabei, von ihren Fluggästen zusätzliche Entgelte zu kassieren. In Europa stammte 2017 nahezu jeder zehnte umgesetzte Euro aus den Zusatzgebühren, was auch an dem hohen Anteil der Billigflieger am gesamten Luftverkehr liegt. Diese haben das System der Zusatzgebühren so weit getrieben, dass auch die herkömmlichen Airlines aus Wettbewerbsgründen das Konzept ganz oder zumindest in Teilen kopiert haben.

Auf den anderen Kontinenten sind weniger Billigflieger unterwegs, die ihre Kunden für jede Zusatzleistung zur Kasse bitten. Die Experten erwarten aber, dass sich die Erlöse aus den Zusatzgeschäften auch auf den anderen Märkten dem europäischen Niveau annähern werden.

(dpa/rt deutsch)

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