Studie: FIFA-WM bringt russischer Wirtschaft spürbares Wachstum

Studie: FIFA-WM bringt russischer Wirtschaft spürbares Wachstum
Ein WM-Ticketbesitzer am 1. Mai in Moskau
Seit Jahren kurbeln Investitionen in die WM-Infrastruktur auch die russische Wirtschaft insgesamt an. Nach der WM sollen die Austragungsorte der Spiele insgesamt für Touristen attraktiver werden. Frühere Schätzungen fielen allerdings pessimistischer aus.

Nur wenige Wochen vor dem Anpfiff zur FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2018 in der Russischen Föderation stellte der Vorsitzende des WM-Organisationskomitees, Vizepremier Arkadij Dworkowitsch, eine Studie zu den erwarteten wirtschaftlichen Auswirkungen der Fußball-Weltmeisterschaft im Land vor. Demnach hätten bereits die Investitionen in den Vorbereitungsjahren seit 2013 ca. 867 Mrd. Rubel (11,5 Mrd. Euro) und damit ein ganzes Prozent zum BIP beigetragen.

Ohne WM wäre die Wirtschaft in den Krisenjahren noch stärker geschrumpft", so Dworkowitsch.

Ein Prozent sei definitiv ein sehr ernster und entscheidender Beitrag zur Entwicklung des Landes. "Ich kann sagen, dass es ohne die Weltmeisterschaft derzeit kein Wirtschaftswachstum gäbe", sagte er vor Reportern.

Wachstumsziel ist immer noch nicht erreicht

Russlands Wirtschaft war im vergangenen Jahr wieder auf ein Wachstum von 1,5 Prozent zurückgekehrt, nachdem ein zweijähriger Abschwung, bedingt durch westliche Sanktionen und einen Einbruch der weltweiten Ölpreise, in der gesamten Föderation Platz gegriffen hatte. Das BIP-Wachstum verfehlte jedoch immer noch das Regierungsziel von zwei Prozent. Der wiedergewählte Präsident Wladimir Putin steht unter zunehmendem Druck, die stagnierende Wirtschaft wieder zu beleben und die Sorgen der Wähler über den sinkenden Lebensstandard zu zerstreuen.

Dworkowitsch zufolge könnten die Ausgaben für die Infrastruktur des bevorstehenden Fußball-Großturniers jedoch auch noch über die kommenden fünf Jahre hinweg noch jährlich 150 bis 210 Milliarden Rubel (1,9 bis 2,7 Mrd. Euro) zum russischen BIP beitragen.

Die russische Zentralbank hatte zuvor erklärt, dass die Weltmeisterschaft der russischen Wirtschaft nur einen kleinen Aufschwung bringen würde, und warnte zudem davor, dass das Turnier zu einem Anstieg der Verbraucherpreise beitragen könnte. Die russischen Behörden haben bereits mehrfach Hotels abgemahnt, die ihre Zimmerpreise vor der Weltmeisterschaft in schwindelerregende Höhen getrieben hatten, wobei einige von ihnen um bis zu 5.000 Prozent mehr als sonst für eine Übernachtung verlangten.

Auch die Analysten des RBC-Business-Portals hatten Ende 2017 nur einen kurzfristigen wirtschaftlichen Aufschwung prognostiziert, der aus befristeten Arbeitsplätzen und einem Zufluss an Ausgaben während des Wettbewerbs resultieren solle.

Tourismusplus und steigende Binnennachfrage

Die jüngsten Studien fallen hingegen optimistischer aus. Die Daten, die Dworkowitsch vorlegt, basieren auf einer Kalkulation des Consultingunternehmens McKinsey, das auch ein spürbares Wachstum für die Tourismuswirtschaft voraussagte. Der Anteil der ausländischen Touristen in den Regionen, in denen die Spiele ausgetragen werden, soll im Schnitt um 15 Prozent wachsen. Der Anteil der einheimischen Touristen könne sogar noch höher sein. Dies könne in der Hotel- und Gastronomiebranche bis zu 200.000 Arbeitsplätze schaffen, so die Studie.

Bislang seien bis dato bereits 1,2 Billionen Rubel (etwas mehr als 16 Mrd. Euro) für die Vorbereitung der Spiele ausgegeben worden, dies waren hauptsächlich Investitionen in Transport- und Sportinfrastruktur. Dabei wäre mit 630 Milliarden Rubel (knapp über 8 Mrd. Euro) knapp über die Hälfte dieser Investitionen ohnehin getätigt worden, weil diese lange überfällig waren. Vor allem die rekonstruierten Stadien und neue Flughäfen kämen in Städten wie beispielsweise Wolgograd sowohl Einwohnern als auch Besuchern zugute.

 

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