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Die Zecken und das US-Militär – Ist Lyme-Borreliose Folge eines geheimen Experiments?

Die Zecken und das US-Militär – Ist Lyme-Borreliose Folge eines geheimen Experiments?
(Symbolbild). Gemeine Holzbock-Zecke, vollgesogen.
Das US-Repräsentantenhaus fordert eine Untersuchung über den Zusammenhang zwischen der Infektionskrankheit Lyme-Borreliose und der Biowaffenforschung des US-amerikanischen Militärs im Kalten Krieg. Begonnen hat alles mit einem mysteriösen Schweizer Wissenschaftler.

Es klingt wie eine der vielen Räuberpistolen aus der Zeit des Kalten Krieges: Die gefährliche Infektionskrankheit Lyme-Borreliose soll das Resultat eines missglückten Experiments der US-Armee sein. Doch offenbar sehen nicht nur die üblichen Freunde von Verschwörungstheorien einen Zusammenhang. Das US-Repräsentantenhaus stimmte am 11. Juli über einen Antrag des republikanischen Abgeordneten Chris Smith aus New Jersey ab, der eine Untersuchung zu diesem Thema fordert. Der Antrag wurde angenommen.

Die Untersuchung soll Klarheit darüber bringen, ob das US-Militär mit Zecken und anderen Insekten als Biowaffen experimentierte. Das US-Verteidigungsministerium soll offenlegen, woran es zwischen 1950 und 1975 genau geforscht hat. In seinem Antrag beruft sich Smith auf ein im Mai dieses Jahres erschienenes Buch mit dem Titel "Bitten: The Secret History of Lyme Disease and Biological Weapons" ("Gebissen: Die geheime Geschichte von Lyme-Borreliose und Biowaffen") von Kris Newby. Die Autorin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der medizinischen Fakultät der renommierten Stanford-Universität.

Spezialisten des US-Armee Medizinforschungsinstituts für Infektionskrankheiten bei einem Ebola-Test in einem Containment-Labor.

Newby zitiert in ihrem Buch den Entdecker der Lyme-Borreliose-Krankheit, den in der Schweiz geborenen US-Forscher Willy Burgdorfer, mit den Worten, dass sich die Krankheit erst ausgebreitet habe, nachdem in den 1960er Jahren ein militärisches Experiment gescheitert sei. Die Bezeichnung Lyme-Borreliose setzt sich aus dem Namen des amerikanischen Ortes Lyme und dem Namen des französischen Bakteriologen Amédée Borrel zusammen. In Lyme im US-Bundesstaat Connecticut wurde das Krankheitsbild 1975 nach gehäuftem Auftreten von Gelenkentzündungen in Verbindung mit Zeckenstichen erstmals beschrieben. Burgdorfer gelang 1981 erstmals der Nachweis der neu entdeckten Borrelia-Art aus Zecken und 1982 deren Anzucht. Ihm zu Ehren wurde diese Spezies Borrelia burgdorferi genannt.

Doch laut dem Buch von Newby soll der 2014 verstorbene Wissenschaftler neben seinen vielfältigen zivilen Tätigkeiten auch für das US-Militär an biologischen Waffen geforscht haben. Zu seinen Aufgaben zählte es offenbar auch, Flöhe, Mücken und Zecken zu züchten und diese mit für Menschen gefährlichen Krankheitserregern zu infizieren. Wie weiter in dem Buch beschreiben wird, sollten die Insekten in Feindesland aus der Luft abgeworfen werden.

Um die mögliche Ausbreitung zu untersuchen, seien in den USA nicht infizierte Insekten in Wohngegenden ausgesetzt worden. Laut der Autorin wurden die Zecken in den Forschungszentren Fort Detrick in Maryland und auf Plum Island in New York gezüchtet. Schaut man sich die Entfernung von Lyme zu Plum Island auf einer Karte an, klingt die Theorie Burgdorfer nicht unplausibel:

Die Zecken und das US-Militär – Ist Lyme-Borreliose Folge eines geheimen Experiments?

Erst im Jahr 1969 untersagte der damalige US-Präsident Richard Nixon weitere Forschungen an Biowaffen. Laut dem republikanischen Abgeordneten Chris Smith darf das US-Militär seitdem nur noch daran forschen, wie die eigenen Soldaten vor Biowaffen geschützt werden können.

Ob es zur der von ihm geforderten Untersuchung kommen wird, ist indes ungewiss. Dazu muss auch der US-Senat dem Vorschlag erst noch zustimmen. Dieser hat jedoch einen Gegenentwurf vorgelegt, in dem biologische Waffen nicht mehr erwähnt werden. Nun müssen sich beide Kammern auf eine Version einigen.

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