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"Soll ich für die Toten antworten?" – US-Armee erhält unerwartete Antworten auf banale Frage

"Soll ich für die Toten antworten?" – US-Armee erhält unerwartete Antworten auf banale Frage
Blumen an der Memorial Wall im Rosie the Riveter Park in Long Beach, Kalifornien
"Wie hat sich das Dienen auf euch ausgewirkt?", fragt die US-Armee auf Twitter. Sie bekommt Antworten, die sie so nicht erwartet haben dürfte. Betroffene berichten von verheerenden körperlichen und geistigen Zerstörungen – und von mangelnder Unterstützung.

Am Donnerstag vergangener Woche veröffentlichte das Heer der Vereinigten Staaten ein kurzes Video, in dem ein Soldat in wenigen Sekunden erklärte, wie der Militärdienst aus ihm einen besseren Menschen gemacht habe. In einem weiteren fragte das Heer (also wohl die verantwortliche Social-Media-Abteilung):

Wie hat sich das Dienen auf euch ausgewirkt?

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Bis Montagvormittag deutscher Zeit wurde diese Frage über 11.000-mal beantwortet. In der großen Mehrzahl dieser Antworten beschreiben ehemalige Soldaten oder ihre Angehörigen, welche Zerstörungen und Verheerungen der Militärdienst an Körper, Geist und Seele der Dienenden angerichtet hat.

Beschrieben werden Verletzungen, Schmerzen, Vergewaltigungen, Traumata, Drogenprobleme, Schlaflosigkeit. Im Detail wird beschrieben, wie Menschen buchstäblich an dem im Dienst Erlebten zugrunde gehen und dabei vom Militär selbst im Stich gelassen werden. Hier einige Beispiele.

Es machte mir klar, dass wir Zahnräder sind, ich bin eine Kriegsmaschine, und wenn wir nicht mehr nützlich sind, werden wir weggeworfen. Wir benutzen diese falschen Glaubensbekenntnisse und [diese falsche] Ethik, um uns zu fühlen, als ob wir wichtig wären, und wegen der finanziellen Stabilität machen wir weiter. Es hat den zerbrochen und zerstört, der ich war.

Soll ich für die Toten antworten? Sie können nicht mehr tippen. Mein Mann wurde wegen seiner Posttraumatischen Belastungsreaktion (PTSD) entlassen, dann bekam er wegen 'Agent Orange' Krebs und starb. Mein Cousin starb an durch Chemikalien verursachtem Krebs, mein anderer Cousin ist derzeit in Behandlung wegen der gleichen Sache und hat auch PTSD.

Operation Enduring Freedom (OEF), Operation Iraqi Freedom (OIF), PTSD mit chronischen Schmerzen. Ich verlor meine Frau, eine Chance, eine Bindung zu meinen Kindern aufzubauen. Schlimmer noch, ich habe mich selbst verloren. Es wird einfacher zu überleben, aber Krieg ist Krieg. Ich bin stolz, mich selbst geopfert zu haben, damit Menschen, die ich liebe, nicht am Krieg teilnehmen müssen. Liebt einander.

Fand meine Mutter nach ihrem Einsatz in Afghanistan mit einem Messer im Schrank, sie hat immer noch Angst vor Feuerwerkskörpern. Es hat mich beeinflusst, weil meine Mutter mental nicht mehr dieselbe sein wird. Also danke dafür.

Ich verbringe schlaflose Nächte mit Schuldgefühlen, weil keines der Grauen und Leiden, die ich gesehen habe, wichtig ist; weil wir alle nur Schrot für eine Schmerzensmühle sind, die von Verrückten betrieben wird; denn wenn ich spreche und sage: 'Endloser Krieg ist falsch', ächten mich meine Kameraden, die von ihren eigenen Dämonen verfolgt werden.

Sexuelle Belästigung jeden Tag. Sexuelle Übergriffe erleben. Andere vor sexuellen Übergriffen schützen. Schlafen mit Messer und nachts mit dem Körper die Tür zuhalten, als ein betrunkener Mann gegen unsere Barackentür knallte. Eine Angst, die mich nie verlässt. So hat das Dienen mich beeinflusst.

Mein Onkel hat drei Einsätze im Irak und zwei in Afghanistan mitgemacht. Seine Geschichten sind entsetzlich, er leidet an PTBS und wegen einer Explosion an einer traumatischen Hirnverletzung. Er ist jetzt opiatabhängig und methsüchtig. Nach seinem letzten Einsatz schlug er seine Lebensgefährtin und würgte sie, als sie versuchte, ihn aus einem Albtraum zu wecken.

Ich bin die ganze Zeit wütend und habe ein Alkoholproblem.

Der Kriegseinsatz meines Mannes und die PTSD, als er nach Hause kam, beendeten unsere Ehe, also fickt euch für die Einberufung, die ihn weggeschickt hat. Und fickt euch für die neun Jahre Hölle. Und fickt euch beim Veteranenministerium, weil es mir nicht geholfen hat, weil er nicht direkt erreicht hat. Fickt euch alle!

Als Mutter war ich stolz auf meinen Sohn, als er sich in seinem letzten Schuljahr für den Dienst an seinem Land meldete. Er diente in drei Einsätzen im Irak. Dieser junge Mann, der sein ganzes Leben vor sich hatte, ist jetzt geistig und emotional bis zur Unkenntlichkeit gebrochen, und die Armee hilft nicht.

Das Agent Orange, dem mein Großvater in Vietnam ausgesetzt war, verursachte seinen Krebs und seinen Tod, und möglicherweise auch die verschiedensten Krankheiten und Störungen, die meine Mutter, meine Tante, meine Geschwister und ich haben. Die Armee und die Regierung kannten die Gefahren von Agent Orange, als sie es einzusetzen begannen.

Wo fange ich an? Hatte neun Operationen, als ich 20 war. Sollte laut meinem Militärarzt und meinem zivilen Arzt nicht gehen, aber meine Führung kümmerte das nicht. Kann Teile meines Körpers nicht fühlen. Drei Selbstmordversuche, wenn mich mein Gedächtnis nicht trügt, was es wahrscheinlich tut (traumatische Hirnverletzung).

Mein Stiefbruder diente bei Desert Storm. Erlitt schreckliche PTSD, und die anschließenden Alkoholismus-und Suchtprobleme töteten ihn fast. Am Ende waren es die Paranoia und die Albträume. Er hatte immer eine Waffe unter seinem Kissen und erschoss sich versehentlich selbst.

Lass mich überlegen. Ich habe nicht gedient, aber mein Bruder. Es war nie im Krieg und hat sich trotzdem in den Kopf geschossen. Er war die zärtlichste Person, die man sich vorstellen kann, und die Armee hat ihn ruiniert. Oh, warte, ich habe noch einen anderen Bruder, der auch gedient hat, ohne im Krieg zu sein. Er ist seit 40 Jahren paranoid und gewalttätig im Kopf, und ich weiß nicht einmal, wo er ist oder ob er noch lebt.

Mein Bruder ist jetzt ständig betrunken, seine Alkoholabhängigkeit entstand aus seiner Unfähigkeit, mit dem PTSD fertig zu werden. Er diente in Afghanistan und musste Kinder töten, nur um zu mir, seiner kleinen Schwester, nach Hause zu kommen und in meinem Schoß zu weinen. Ich war acht.

Mein bester Freund trat der Armee direkt von der High School bei, weil seine Familie arm war, und er wollte eine College-Ausbildung. Er leistete seine Zeit ab und diente dann noch länger. Gerade als er bereit war, in den Ruhestand zu gehen, wurde er in den Irak geschickt. Ihr habt ihn in einer Kiste zurückgeschickt. Es zerstörte seine Kinder.

Die Zusammenschau all dieser Tragödien bietet einen Eindruck davon, was für menschliche Kosten ein Imperium und seine ständigen Militärinterventionen mit sich bringen. Die Leiden auf der jeweiligen Gegenseite dürften noch deutlich größer ausfallen. Die typischen Freiwilligen beim US-Militär entstammen der unteren Mittelschicht. 

Aus Sicht des US-Militärs dürfte sich das Posten des kleinen Werbevideos angesichts der Reaktionen als gewaltiger Fehlschlag darstellen. Am Samstag bedankte sich das Heer bei allen, die ihre Geschichte erzählt hatten, und versicherte, der Gesundheit und dem Wohlergehen der Soldaten verpflichtet zu sein. Dazu wurde eine Telefonnummer gepostet, unter der sich Veteranen in Krisensituationen beraten lassen können.

Täglich sterben in den USA durchschnittlich 20 Veteranen durch Selbstmord; im Jahr 2012 starben mehr Soldaten durch Selbstmord als durch Feindeinwirkung.

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