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Thüringen und das "Game of Parteien" bei Anne Will

Thüringen und das "Game of Parteien" bei Anne Will
Ausschnitt aus der 87 Meter langen "Game of Thrones"-Tapete aus Leinen mit handgestickten Motiven aus allen acht Staffeln.
Die jüngsten Ereignisse in Thüringen und die mediale Berichterstattung hierüber offenbaren einmal mehr, was Politik eigentlich ist: nichts weiter als ein reales "Game of Thrones", in dem es nur um den Kampf um den Thron, nicht aber um die Bedürfnisse der einfachen Bevölkerung geht.

von Michael Thormann

Kennen Sie die US-Serie "Game of Thrones"? Falls nicht, kein Problem: Kurz zusammengefasst geht es in der mittelalterlich angehauchten Fantasy-Saga um Macht, Intrigen, Inzucht, Königshäuser und den Kampf um den Eisernen Thron. Völker selbst bilden allenfalls die graue Masse, die den Thronanwärtern zujubeln dürfen oder in deren Schlachten vor die Hunde gehen. Ein hervorragendes Spiegelbild unserer gegenwärtigen Politik.

Proteste, nachdem der Thüringer Landtag am 5. Februar 2020 Thomas Kemmerich von der FDP zum neuen Ministerpräsidenten gewählt hat

Für einen kurzen Moment also ist die neue mediale Sau, die durchs Dorf getrieben wird, der Vasallensitz in Erfurt bzw. der Posten des sogenannten Ministerpräsidenten. So zumindest, wenn man die letzte Fantasy-Folge von Anne Will vom 09. Februar 2020 mit dem Titel "Wahl-Eklat in Thüringen – Welche Konsequenzen hat der Tabubruch" gesehen hat. Zu Gast waren auch Vertreter der verschiedenen Parteien, sprich: Königshäuser. Peter Altmaier (CDU), Wolfgang Kubicki (FDP), Alice Weidel (AfD), Kevin Kühnert (SPD), Sahra Wagenknecht (Die Linke) und Melanie Amann, Edelfeder bzw. Leiterin des Spiegel-Hauptstadtbüros.

Mit Hauptstadt des Königslandes ist hier Berlin gemeint, wo die meisten Vertreter dieser hoheitlichen Zusammenkunft normalerweise ihren Blutfehden nachgehen und auch der Eiserne Thron steht, der momentan von Königinnenmutter Merkel besetzt wird. Dies ist bereits ein erstes wichtiges Merkmal dieser Unterredung bei Hofberichterstatterin Anne Will: Statthalter von Thüringen sind nicht geladen. Noch nicht einmal die Anwärter des Vasallensitzes in Erfurt, Bodo Ramelow von Die Linke oder der berüchtigte Thomas Kemmerich vom Hause der FDP, der bereits nach einem Tag Usurpation auch wieder gestürzt wurde.

Schon gar nicht geladen für Zwiegespräche sind Angehörige des Volkes (hier: "Wähler"). Denn: Alle Belange außerhalb der Königshäuser, also der Parteien in der Hauptstadt, sind von minderer Bedeutung. Stellvertretend für die gesichtslose Masse des Volkes bildet das sogenannte "Publikum" die ihm angedachte Rolle in solchen Zusammenkünften: Kulisse, Claqueure, Wahlvieh. Und so zeichnet sich diese gesamte Fantasy-Folge zu Thüringen von Beginn bis Ende aus: als ein einziges Hauen, Stechen und Schreien der royalen Vertreter gegeneinander.

Deren Ränkeschmiede wurden im Vasallensitz Erfurt für die gesichtslose Masse des Volkes aus Versehen offenbar, wo derartige Intrigen sonst nur in Hinterzimmern ablaufen. So wie bei "Game of Thrones" manche Figuren unvermittelt ihren Kopf verlieren, wurde auch Vasall Kemmerich dabei zu einer royalen Eintagsfliege. Weil er für seine Regentschaft Stimmen vom verfemten Haus der AfD erhielt und seine eigene Adelsfamilie in Thüringen zu klein für den Anspruch auf den Vasallensitz ist. Nicht zuletzt auch, weil von Königinnenmutter Merkel, also direkt vom Eisernen Thron, die Order kam, die Ergebnisse "rückgängig" zu machen.

Merkel am vergangenen Donnerstag in Pretoria

Nach einer geschlagenen Viertelstunde Zwistigkeiten über das Für und Wider der verschiedenen Adelsgeschlechter streut die rote Thronanwärterin Wagenknecht zwei völlig fremdartige Begriffe in die Unterredung: Es sind die "Grundrente" und "Mittelschicht" bzw. die Versäumnisse bei selbigen, die beispielsweise eine der Ursachen für das Erstarken des Hauses der AfD sein sollen. Anne Will, die "Unparteiische", und auch die anderen Diskutanten widmen sich jedoch schnell wieder dem eigentlichen Thema: Parteien. Pardon, Königshäuser selbstverständlich – das wohl meist genannte Schlagwort in dieser Zusammenkunft.

Denn das auf Klatschen oder Murren reduzierte Wahlvieh erfährt, dass eben genau dies die mit Abstand wichtigste Sorge der Völker im Land der Deutschen ist: die Adelshäuser – deren Wohlergehen, Bündnisse (genannt "Koalitionen") und Feindschaften untereinander. Überraschenderweise finden die Vertreter des jeweiligen Adelsgeschlechts, dass ihres das beste und die anderen alle schlecht seien.

Hofberichterstatterin Will fragt nach ziemlich genau einer Stunde die rote Anwärterin von den Linken, ob die Ereignisse in Thüringen die Aristokratieverdrossenheit der gesichtslosen Masse fördern würden. In einer weiteren Verfehlung der Rolle gebrauchte Wagenknecht kurz den Begriff "Inhalte", etwas, das angeblich den Clans fehle und sich wohl auf die unwichtigen Bedürfnisse der gesichtslosen Masse bezog. Denn darin sind sich die Diskutanten trotz unendlicher Scharmützel alle einig: Königshäuser über alles.

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