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Die schiefe Optik westlicher Medien bei den Protesten im Iran und in Frankreich

Die schiefe Optik westlicher Medien bei den Protesten im Iran und in Frankreich
Regierungskritische Proteste in Teheran (l.) und Paris (r.) im Januar 2020
Beispiel Großbritannien: Der Iran ist Tausende Kilometer vom Vereinigten Königreich entfernt, doch weil die Machteliten sie unterstützen, erhalten regierungsfeindliche Proteste in Teheran eine viel größere Reichweite als ebensolche jenseits des Ärmelkanals in Frankreich.

von Neil Clark

Wie viele Briten haben den Iran jemals besucht? Wie viele haben dort gelebt oder haben dort ein zweites Zuhause?

Ich vermute, die Zahlen sind sehr klein. Im Gegensatz zu den Zahlen für Frankreich. Im Jahr 2018 ergab eine Umfrage, dass Frankreich unter den von den Briten besuchten Ländern an der Spitze stand und 76 Prozent der Briten irgendwann in ihrem Leben in Frankreich gewesen waren. Laut der Website der britischen Regierung besuchen jährlich etwa 17 Millionen Briten Frankreich.

Ich selbst war beispielsweise im vergangenen Oktober in Frankreich. Dann gibt es da noch die dauerhaft im Ausland Lebenden sogenannten "Expats". Im Jahr 2017 war Frankreich für 190.000 gebürtige Briten die Wahlheimat. Viele Briten verbringen mindestens ein Jahr (häufig mehrere Jahre) in der Provence.

Demonstranten im Iran verbrennen die amerikanische und britische Flagge während eines Protestes gegen die Ermordung des iranischen Generalmajors Qassem Soleimani

Nehmen wir nun einmal an, Sie wären ein britischer Nachrichtenredakteur. Sie würden gewiss und zurecht davon ausgehen, dass sich britische Fernsehzuschauer mehr für Antiregierungsproteste in Frankreich interessieren, in einem Land, das sie sehr gut kennen, als im weit entfernten Iran. Oder?

Die Wirklichkeit ist allerdings eine andere. Während am vergangenen Wochenende die Proteste gegen die Regierung im Iran (angesichts des versehentlichen Abschusses der ukrainischen Verkehrsflugzeugs) die Nachrichtenausgaben bestimmten und die sonntägliche Top-Story auf der BBC-Webseite waren, war die Berichterstattung über die Proteste in Frankreich und den landesweiten Streik gegen die geplante Rentenreform der Regierung dürftig.

Die Franzosen sind zwar schnell dabei, "Nein" zu etwas zu sagen, was ihnen nicht passt. Doch die gegenwärtigen Proteste sind selbst für französische Verhältnisse außergewöhnlich. Die Demonstrationen der sogenannten "Gilets Jaunes" (Gelbe Westen) finden seit Dezember 2018 jedes Wochenende im ganzen Land statt.

Am vergangenen Wochenende gab es "Akt 61". In Paris hatten die Demonstranten die Polizei mit Steinen beworfen, versucht, Barrikaden in den Straßen zu errichten und Müllcontainer in Brand zu setzen. Die Polizei reagierte mit Salven aus Tränengas und Gewalt.

Gleichzeitig dauerte der Generalstreik gegen die geplante Anhebung des Rentenalters von Präsident Emmanuel Macron von 62 auf 64 Jahre bereits 31 Tage. Macron setzte daraufhin die vorgesehene Erhöhung vorübergehend aus. Die Moral der Geschichte ist, dass direkte Aktionen funktionieren.

Doch nichts davon, das, wie ich nochmals betone, vor unserer Haustür auf der anderen Seite des Ärmelkanals stattfindet, wurde für würdig befunden, eine Hauptnachricht im Vereinigten Königreich zu sein. Ebenso wenig war der Marsch Tausender in Glasgow, um die Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich zu fordern, ein Gesprächsthema in den Medien! Ist das nicht erstaunlich?

Stattdessen wachten wir am Sonntag inmitten einer ausgedehnten Berichterstattung über die Proteste gegen die Regierung (Verzeihung, das "Regime") Tausende Kilometer entfernt im Iran auf. Die Expertokratie hat die gleiche lasergenaue Fokussierung auf den Iran. Vergleichen Sie nur einmal die Anzahl der Tweets und Stellungnahmen, die sie am Wochenende zu den Protesten im Iran abgegeben hatten, mit dem Desinteresse an den Gelbwesten und den Demonstrationen in Frankreich.

Auffällig ist nicht nur der unterschiedliche Grad der Abdeckung (kein beabsichtigtes Wortspiel). Es ist die Art und Weise, wie die Proteste eingerahmt ("framed") werden. Die iranischen "Anti-Regime"-Straßenproteste, wie die in Venezuela vor zwölf Monaten oder in Hongkong, werden offensichtlich sehr begrüßt. Donald Trump schickt ihnen seine Unterstützung, und der Fanatiker der Neocons, John Bolton, kann seine Aufregung kaum verbergen, indem er twittert: "'Regime Change' liegt in der Luft".

Die Gelbwesten hingegen erhalten keinerlei solche Unterstützung durch die Eliten. Stattdessen sind sie mit Dreck beworfen worden. Man hat sie des "Antisemitismus" beschuldigt, dass sie weit links und weit rechts stehen. Tatsächlich handelt es sich bei den Gelbwesten um eine unglaublich demokratische Graswurzelbewegung, offen für alle, die wütend über den ungeheuerlichen Status quo sind. Sie ist völlig organisch und nicht unter der Kontrolle irgendeiner politischen Partei oder Fraktion. Was wahrscheinlich der Grund ist, warum die Machteliten so viel Angst davor haben. Die Proteste der Gelbwesten erhalten nur minimale und – wenn es dazu kommt – missgünstige Berichterstattung, weil unsere Herrscher nicht wollen, dass wir so etwas in Großbritannien kopieren.

Stattdessen möchten sie lieber die Bürgerunruhen im ölreichen Iran bejubeln. Schließlich wissen sie, dass alles, was die iranische Regierung schwächt, ihren gierigen, hegemonialen Interessen dient. Dabei geht es nicht nur um die enormen Erdöl- und Erdgasreserven, die der Iran besitzt (ein neues Ölfeld mit geschätzten 53 Milliarden Barrel wurde erst im November entdeckt). Es geht auch darum, die Achse des Widerstandes zwischen Teheran, Damaskus und Hisbollah gegen das Neocon-Projekt zur totalen Kontrolle des Nahen Ostens zu zerschlagen und alle unabhängigen Akteure, die die Palästinenser unterstützen, auszuschalten".

Ich muss betonen, dass es hier nicht darum geht, die iranischen Demonstranten oder ihre Gründe für den Gang auf die Straße zu kritisieren. Sondern darum, die umfassendere Agenda derjenigen hervorzuheben, die uns sagen: "Schaut nicht dorthin (Frankreich), schaut hierher (Iran)! Wie schon beim großen Schwindel um die nicht vorhandenen Massenvernichtungswaffen im Irak sind auch hier wieder die Nachrichtenredakteure die Marionetten der Mächtigen.

Neil Clark ist Journalist, Autor, Rundfunksprecher und Blogger. Sein preisgekrönter Blog ist unter www.neilclark66.blogspot.com zu finden. Er twittert über Politik und Weltgeschehen @NeilClark66.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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