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Trumps Mordbefehl gegen Qassem Soleimani: Wird der Irak das Stalingrad der USA?

Trumps Mordbefehl gegen Qassem Soleimani: Wird der Irak das Stalingrad der USA?
Die Strategie der USA ist für die Welt brandgefährlich. Der Nahe Osten droht ins Chaos zu versinken, weil dort ein Stellvertreterkrieg zwischen den USA und Iran ausbrechen könnte. Der Irak könnte zu einem Stalingrad für die USA werden.

von Arkadi Shtaev

US-Präsident Donald Trump scheitert an den geopolitischen Gegebenheiten im Nahen Osten, die von seinem Amtsvorgänger George W. Bush geschaffen wurden. Der von Trump in Auftrag gegebene Mordanschlag auf den iranischen General Qassem Soleimani ist ein dramatischer Höhepunkt der Konfrontation zwischen Washington und Teheran. Der aktuelle Konflikt wurde von Trump selbst inszeniert, mit der Aufkündigung des Atomabkommens mit Teheran, angeblich um einen besseren "Deal" zu erlangen. Der US-Präsident, der sein Amt mit dem Versprechen antrat, die Fehler seiner Amtsvorgänger zu revidieren, lässt nun die Lage im Wahljahr eskalieren.Seine Außen-und Verteidungspolitik wird längst von jenen Kräften in Washington diktiert, die er aus den Schaltstellen der Macht zu verbannnen versprach.

Bei der Bluttat von Bagdad kam auch der stellvertretende Leiter der irakischen Volksmobilisierungskräfte Abu Mahdi al-Muhandis ums Leben. Die USA haben also auch einen hohen Militär ihres Verbündeten Irak getötet. Hierbei handelt es sich um einen Präzedenzfall, der die irakisch-amerikanischen Beziehungen nachhaltig belasten wird. Wie die junge Welt treffend zusammenfasste, war Soleimani "der Architekt der 'Achse des Widerstands' und maßgeblich beteiligt an der Verhinderung von westlichen Regime-Change-Absichten in Syrien und anderen Ländern der Region. Ohne ihn würden heute die schwarzen Flaggen der von der NATO geförderten Terrorbanden des sogenannten Islamischen Staates über weiten Teilen des Nahen und Mittleren Ostens wehen." Für Wahington und Tel Aviv war Soleimani, der ganz entgegen westlicher Behauptungen äußerst besonnen vorging, aufgrund seiner Rolle abschussreif.

Washington ermöglichte den Durchbruch des Iran 

Washington hadert mit der wachsenden iranischen Vormachtstellung im Nahen und Mittleren Osten, vor allem aber im Irak. Dabei wurde diese durch das Vorgehen Washingtons seit Beginn des sogenannten "War on terror" erst ermöglicht. Mit dem Sturz Saddam Husseins und dem Zusammenbruch seines säkular sozial-nationalistischen Baath-Regimes wurde – mit Ausnahme von Syrien – das letzte säkulare Regime beseitigt, das sich noch auf den arabischen Nationalismus berief, der in den 1960er-Jahren noch die Massen von Casablanca bis Aden in Wallung brachte.

Vormachtstellung des Iran statt "Leuchtturm der Demokratie" im Irak

Statt eines Leuchtturmes der Demokratie im Irak, von dem George W. Bush einst fantasierte, wurde eine neue Vormachtstellung des Iran errichtet. Diese äußert sich besonders im schiitischen Gürtel, der die syrische Wüste überwunden hat und im Libanon in unmittelbaren Kontakt mit Europa gerät. Heute, da man sich des unaufhaltsamen Aufstieges des Iran zur führenden Regionalmacht bewusst wurde, bekämpft Washington jene geopolitische Realität, die es zu Beginn des sogenannten "Kriegs gegen den Terror" selbst erschaffen hatte. US-Präsident Bush ignorierte damals jene Warnungen der herausragenden Nahostexperten an den US-Elite-Hochschulen und gedachte dafür, dem "Vater" zu folgen, womit er nicht seinen biologischen Vater meinte. Stattdessen glaubte der Ex-Präsident den Fingerzeig Gottes zu erkennen, dem er sich angeblich verpflichtet fühlte bzw. dessen Vorgaben er zu folgen gedachte.

Iranischer Einfluss im Irak

Die Volksmobilisierungskräfte sind eine Art Dachverband schiitischer Milizen des Irak. Sie entstanden im Zuge des Krieges gegen den IS – die sunnitischen Fanatiker hatten sich die "Endlösung der Schiiten-Frage" auf die Fahnen geschrieben – und erhielt im Irak reichlich Zulauf, wohl vor allem aufgrund der Tatsache, dass die überwiegende Mehrheit der irakischen Bevölkerung zur Schia zählt. Von Anfang an von der irakischen Regierung gefördert, wird die Miliz natürlich auch vom Iran unterstützt. Vergleiche werden gezogen, denen zufolge es das Ziel Teherans sei, im Irak einen Staat im Staate aufzubauen – ähnlich wie mit der Hisbollah im Libanon. Das libanesische Beispiel beflügelt, denn die dortige Hisbollah ist nicht nur eine schlagkräftige Kampftruppe direkt an der Nordgrenze zu Israel, die 2006 der israelischen Armee eine empfindliche Niederlage erteilte, sondern auch eine politische Partei – in Beirut sogar eine der stärksten –, die wahrlich nicht nur von Schiiten, sondern auch von Christen gewählt wird. Daher ist es fahrlässig, die Hisbollah als Terrororganisation zu brandmarken, wie es ein Großteil der im Bundestag vertretenen Parteien fordert, vorneweg die AfD-Politikerin Beatrix von Storch, anscheinend in völliger Unkenntnis außenpolitischer Zusammenhänge sowie der Region. Irak-Experten weisen darauf hin, dass die Volksmobilisierungskräfte inzwischen auch in der irakischen Armee vertreten sind und ihr Einfluss dort wächst. Der Kampf gegen die IS-Mordbanden sowie die Waffenbrüderschaft mit iranischen und russischen Verbündeten haben die Truppe gestählt. Interessant ist hierbei der Stand der irakisch-iranischen Beziehungen. Die heutige Grenze zwischen Irak und Iran entspricht der Grenze der semitisch-arabischen Welt mit dem indo-arischen Sprachraum des Iran und seiner Nachbarn. Es handelt sich nicht nur um eine linguistische, sondern auch um eine Kulturgrenze. Der Irak, ein Kunstgebilde, erfunden von der britischen Forschungsreisenden und Geheimagentin Getrude Bell, sowie der Iran, eine uralte, historisch gewachsene Kulturnation, standen sich im Laufe ihrer Geschichte oft feindselig gegenüber, führten sogar acht Jahre einen blutigen Stellvertreterkrieg gegeneinander.

Leute der Arier gegen den arabischen Nationalisten

Den irakischen Diktator Saddam Hussein, ein arabischer Nationalist, der einst geäußert hatte: "Allah hat drei Plagen erfunden: Perser, Juden und Fliegen", sowie den iranischen Schah Mohammad Reza Pahlavi, der sich selbst "Leuchte der Arier" zu nennen pflegte, verband eine Intimfeindschaft. Als der Schah gestürzt und die Islamische Republik Iran gegründet wurde, die natürlich schiitisch ausgerichtet war – wie die Mehrheit der Iraker, was eine Gefahr für den Sunniten Saddam darstellte –, versuchte dieser nicht nur, den von Teheran geförderten Exportschlager (Islamische Revolution) zu stoppen, sondern überfiel den Iran und strebte danach, erdölreiche Gebiete zu annektieren. Saddam konnte sich der Gunst seiner westlichen Kamarilla sicher sein. Nicht nur US-Geheimdiensterkenntnisse wurden ihm zur Verfügung gestellt, sondern auch bundesdeutsches Gas zur Ermordung von Kurden und Schiiten. Die ganze Welt stand damals gegen den Iran, bis auf Syrien und Nordkorea sowie Israel, das damals den Iran mit Waffen belieferte.

16 Jahre nach dem Angriff auf den Irak im Rahmen des sogenannten "Krieges gegen den Terror" haben die USA dazu beigetragen, dass der Irak wie eine reife Frucht in den Schoß des Iran gefallen ist. Andererseits hatten Washington und Teheran die gleichen Feinde, die radikal-sunnitischen Taliban in Afghanistan sowie sunnitische Extremisten und Anhänger Saddams im Irak. Aus diesem Grund avancierte Soleimani zum Gesprächspartner der Amerikaner, mit denen er – meist indirekt – Botschaften austauschte, in denen beide Seiten ihre Interessensphären absteckten. Ohne Soleimani wäre der IS im Irak nicht besiegt worden, denn im Unterschied zum Westen war der Iran 2014 imstande, den vom IS bedrohten Kurden im Norden und der Regierung in Bagdad schnell und ohne Wenn und Aber Beistand zu leisten und Waffen zu liefern.

Wird der Irak das Stalingrad der USA?

Im Falle eines Krieges mit dem Iran könnte der Irak so etwas wie das Stalingrad der USA werden. In Washington scheint man sich dieses Dilemmas bewusst zu sein, wobei die dortigen Politiker schon oft die Warnungen ihrer Generäle in den Wind geschlagen haben. Die unmittelbare Nachbarschaft von irakischer Armee und US-Einrichtungen ist ein höchst gefährlicher Umstand, da niemand weiß, wie die Soldaten Bagdads, unter denen ebenfalls die Schiiten die Mehrheit stellen, im Falle eines Angriffes auf den Iran reagieren würden – von den schiitischen Milizen ganz abgesehen. Was faselte George W. Bush noch 2003? Im Irak wird ein "Leuchtturm der Demokratie" entstehen. Wir wissen, was seitdem geschehen ist. Die US-Strategie ist brandgefährlich für die Welt – sie war es damals, und sie ist es noch heute, auch unter Trump.

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