icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

20 Jahre seit NATO-Angriff auf Jugoslawien: Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test für Kosovo

20 Jahre seit NATO-Angriff auf Jugoslawien: Luftangriffe in Bosnien-Herzegowina als Test für Kosovo
Luftangriffe der NATO in Bosnien und Herzegowina dienten dem Militärbündnis als Testballon für den Kosovo-Krieg. (Symbolbild)
Der Angriffskrieg der NATO gegen Jugoslawien am 24. März 1999 markierte das Ende des Friedens in Europa nach dem 2. Weltkrieg. Mit Beiträgen in loser Folge wird RT-Deutsch in den nächsten Wochen die wichtigsten Stationen der NATO-Vorbereitungen auf diesen Krieg in Erinnerung rufen.

von Rainer Rupp

Nach dem Ende des Kalten Krieges stand auch der Fortbestand der US-geführten NATO auf der Kippe. Damit aber hätte Washington seine Kontrolle über Europa verloren. Deshalb musste die NATO als die "für den Frieden in Europa unersetzliche Organisation" wieder ins Spiel gebracht werden. Der von Deutschland initiierte Bürgerkrieg in Jugoslawien spielte dabei den Amerikanern in die Hände. Washington musste nur noch die Bemühungen der EU-Europäer, die Balkan-Krise ohne NATO und ohne die USA zu lösen, erfolgreich hintertreiben. Der Bürgerkrieg in Bosnien-Herzegowina brachte Washington den ersten Erfolg.

Ein Tomcat-Kampfflugzeug F-14 der US Navy startet vom Flugzeugträger John F. Kennedy am 1. März 1993.

In Bosnien-Herzegowina hatten sich europäische Vermittler anfangs redlich bemüht, mit diplomatischen Mitteln und Versprechen von finanziellen und ökonomischen Anreizen die drei sich gegenseitig bekämpfenden, ethnischen Gruppen (Serben, Kroaten und Muslime) an einen Verhandlungstisch zu bringen. Zugleich aber sabotierten Abgesandte Washingtons die Bemühungen ihrer europäischen Kollegen um eine friedliche Lösung, indem sie hinter den Kulissen Gespräche mit Kroaten und Muslimen führten und diese in ihrer Absicht bestärkten, den militärischen Sieg gegen die Serben zu erzwingen. Zu diesem Zweck versorgte Washington diese beiden Partien über geheime Kanäle großzügig mit Waffen und militärischen Beratern.

Bei diesem doppelten Spiel der Amerikaner war es kein Wunder, dass die EU-Unterhändler bei den Verhandlungen mit den verfeindeten Gruppen nicht von der Stelle kamen. Angesichts dieses "Versagens" der angeblich "zahnlosen" europäischen Politik hatten eingefleischte "Atlantiker" in Politik und Medien der EU-Hauptstädte langsam wieder die Oberhand gewonnen.

Je stärker sich in der Öffentlichkeit das Bild der Unfähigkeit der europäischen Organisationen festigte und die EU als Papiertiger belächelt wurde, desto lauter wurden wieder die Rufe, doch endlich "die NATO ranzulassen". Nur die NATO habe die notwendige "harte militärische Schlagkraft", um eine Lösung des Konflikts in Bosnien-Herzegowina zu erzwingen. Denn wenn die EU-Diplomaten wegen des Starrsinns der bösen Serben nicht weiter kämen, dann müssten NATO-Bomben ihnen Vernunft einbläuen. Es war eine Forderung, die von Washington lebhaft unterstützt wurde.

Zu diesem Zeitpunkt war in Bosnien-Herzegowina der Bürgerkrieg zwischen Kroaten und Muslimen und Muslimen und Serben und Serben und Kroaten in vollem Gang. Es ist allgemein bekannt, dass sich Bürgerkriege von anderen Kriegen in der Regel wegen ihrer besonderen Brutalität unterscheiden. In Bosnien-Herzegowina war das nicht anders. Alle Seiten machten sich schwerer Kriegsverbrechen vor allem gegen unbeteiligte Zivilisten schuldig. Aber westliche Medien und Politiker sonderten bewusst die Serben als Alleinschuldige aus.

Denn das Fernziel war die Unterwerfung Serbiens, das sich unter seinem Präsidenten Slobodan Milošević immer noch nicht der "liberalen Weltordnung" des "Wertewestens" fügen wollte. Dafür mussten allerdings die Serben in der Wahrnehmung der westlichen Öffentlichkeit zuerst "entmenschlicht" werden.

Wie noch heute leicht nachzuprüfen ist, wurden die Serben von westlichen Politikern und Medien als wahre Bestien dargestellt. Die Fake-News-Maschinerie der NATO und ihrer Hofschranzen in den Mitgliedsländern lief auf Hochtouren. Die Rufe nach einem humanitären NATO-Bombeneinsatz gegen die Serben wurden unüberhörbar. Auch in Deutschland sahen viele Leute in den Serben keine Menschen, sondern nur noch wilde Tiere. Es war die hohe Zeit der Demagogen und Kriegshetzer, unter denen sich Bundesaußenminister Joschka Fischer (Bündnis 90/Die Grünen) in Abstimmung mit seiner Freundin, der US-Außenministerin Madeleine Albright, besonders hervortat.

An der Bombardierung Jugoslawiens im Frühjahr 1999 beteiligten sich auch Tornado-Kampfjets der Bundeswehr. (Symbolbild)

Es war der oliv-grüne Fischer, der damals die in Deutschland unter Anti-Militaristen geläufige Formel "Wegen Auschwitz nie wieder Krieg" einfach umdrehte. "Gerade wegen Auschwitz" argumentierte er, müsste sich auch die Bundeswehr am Krieg gegen die serbischen Bestien beteiligen.

Nach einer derart radikalen Kriegsvorbereitung durch die "grüne Friedenspartei" war auch im Fall der Beteiligung deutscher Soldaten bei einem NATO-Angriff gegen die Serben mit einem Aufschrei der Empörung der deutschen Öffentlichkeit nicht mehr zu rechnen. Derweil wurden Washington und die NATO darauf vorbereitet, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit als ersten Teil eines langfristigen Plans zur Unterwerfung Jugoslawiens, die bosnischen Serben zum Abschuss durch die NATO freizugegeben.

Zugleich brannte den Amerikanern die Zeit unter den Nägeln, denn es war immer noch zu befürchten, dass es den Europäern, die eine eigenständige europäische Politik ohne USA und NATO verfolgten, in der OSZE oder in anderen Gremien womöglich doch noch gelingen könnte, in Bosnien-Herzegowina die verfeindeten Parteien zu einer Verhandlungslösung an einen Tisch zu bringen.

Am 28. August 1995 kam dann in Bosnien-Herzegowina der Tag, auf den die Amerikaner und die europäischen Atlantiker so lange hingearbeitet hatten. Ein angeblich von bosnischen Serben im muslimischen Teil des Landes angerichtetes Massaker auf einem belebten Marktplatz lieferte den Vorwand für die nachfolgenden Luftangriffe gegen die bosnischen Serben. Laut offizieller NATO-Version feuerten serbische Truppen fünf Mörsergranaten auf Sarajevo, die belagerte Hauptstadt der bosnischen Muslime. Eine Granate traf den belebten Markale-Bauernmarkt. 37 Zivilisten wurden getötet und 90 verletzt.

Bei der späteren Untersuchung des Einschlagtrichters der Granate auf dem Markale-Markt wurden jedoch von unabhängigen Experten Zweifel laut, wonach die Granate gar nicht aus der Richtung der serbischen Stellungen gekommen sein konnte. Tatsächlich ist die Herkunft des Geschosses bis heute nicht geklärt. Daher hat sich hartnäckig der Verdacht gehalten, dass es sich bei dem Granatbeschuss um eine "falsche Flagge" handelte, um mit dem angerichteten Massaker endlich einen "humanitären" Grund für die angedrohten "Luftschläge" der NATO zu haben, die dann auch prompt folgten.

Nach der inzwischen wohlbekannten Methode der Reaktion auf "falsche Flaggen" wurden die bosnischen Serben von der NATO sofort zu den alleinig Schuldigen erklärt, noch lange bevor eine Untersuchung des Granattrichters durch Experten stattgefunden hatte. Aber für eine neutrale Klärung der Herkunft der "Massaker-Granate" war die anti-serbische Stimmung in der westlichen Öffentlichkeit viel zu aufgeheizt. Zwei Tage später, am 30. August, begann die NATO dann ihre "Operation Deliberate Force". Aus den westlichen Propaganda-Megafonen schallte es, dass die NATO angeblich "vollkommen völkerrechtskonform" im Auftrag der "Internationalen Gemeinschaft" gehandelt habe.

Das Hauptquartier der jugoslawischen Streitkräfte im Zentrum von Belgrad. Das Gebäude wurde im Zuge der NATO-Luftangriffe im Jahr 1999 zerstört. Das Foto wurde im Juni 2006 aufgenommen. Die Ruine steht bis zum heutigen Tage.

Die NATO-Luftangriffe dauerten bis zum 14. September 1995. Insgesamt wurden unter Beteiligung von Kampfflugzeugen aus acht NATO-Staaten 3.515 Einätze geflogen, davon 59 von der deutschen Luftwaffe. Wie zu erwarten, hatten die Amerikaner mit zwei Drittel (genau 65,9 Prozent bzw. 2.318 Einzeleinsätzen) den Löwenanteil, gefolgt von den Briten mit 9,3 und den Franzosen mit 8,1 Prozent.

In der ersten Phase wurden in den Hügeln und Bergen um Sarajevo serbische Ziele bombardiert. Später wurden die Angriffe ausgeweitet, wobei landesweit zahlreiche Führungsstrukturen, Munitionsdepots, Kasernen, strategisch wichtige Brücken und Luftabwehrstellungen der bosnischen Serben ausgeschaltet wurden. Schließlich warfen die bosnischen Serben das Handtuch.

Am 21. November 1995 wurden sie dann gezwungen, den US-Diktatfrieden von Dayton zu unterzeichnen, womit der 1992 begonnene Bosnien-Krieg formal beendet war. Aber für Rumpf-Jugoslawien, vor allem für die Teilrepublik Serbien, fingen die Probleme jetzt erst richtig an. Denn das Beispiel des "NATO-Erfolgs" in Bosnien-Herzegowina verlangte geradezu danach, auch auf das unbelehrbare Serbien des "neuen Hitlers", wie Präsident Milošević inzwischen bezeichnet wurde, angewendet zu werden.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

Anmerkung der Redaktion: In der ersten Fassung des Gastbeitrages von Rainer Rupp war davon die Rede, dass die Bombardierung Bosnien-Herzegowinas völkerrechtswidrig und ohne UN-Mandat erfolgte. Diese Darstellung war nicht korrekt. Die Operation wurde von NATO und UN gemeinsam im Zuge eines sogenannten "dual-key"-Verfahrens geführt. Beide Seiten mussten den jeweiligen Zielen zustimmen. Die entsprechende Passage wurde von der Redaktion korrigiert. 

Folge uns aufRT
RT

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen