Lee Camp: Trumps Militär wirft alle zwölf Minuten eine Bombe - Und niemand spricht darüber

Lee Camp: Trumps Militär wirft alle zwölf Minuten eine Bombe - Und niemand spricht darüber
Wir leben in einem Zustand des ewigen Krieges, und wir spüren ihn nie. Während die einen ihr Eis in hippen Läden kaufen, wo sie es mit diesen süßen kleinen Minzblättern dekorieren, werden andere in deren Namen bombardiert.

von Lee Camp

Während Sie mit dem 17-Jährigen im Kino streiten, der Ihnen ein kleines Popcorn gab, obwohl Sie für ein großes bezahlt haben, wird jemand in Ihrem Namen ausgelöscht. Während wir schlafen und essen und Liebe machen und unsere Augen an einem sonnigen Tag schützen, werden Haus, Familie, Leben und Körper von irgendjemandem in tausend Stücke gerissen.

Einmal alle zwölf Minuten

Das US-Militär lässt alle zwölf Minuten Sprengstoff in einer Stärke fallen, die man kaum begreifen kann. Und das ist merkwürdig, denn wir befinden uns technisch gesehen im Krieg mit – lassen Sie mich nachdenken – null Ländern. Also sollte das bedeuten, dass auch null Bomben abgeworfen werden, richtig?

Zwei F-15 der 90th Fighter Squadron, Elmedorf AFB, Alaska, feuern während einer undatierten Trainingsmission AIM-7M-Raketen ab

Nein, verdammt nochmal! Sie haben den üblichen Fehler gemacht, unsere Welt mit einer Art rationaler, überzeugender Welt zu verwechseln, in der unser militärisch-industrieller Komplex unter Kontrolle ist, die Musikindustrie auf Können und Talent basiert, Legos sanft abgerundete Kanten haben (wenn Sie also barfuß auf sie treten, fühlt es sich nicht wie eine panzerbrechende Kugel an, die geradewegs auf Ihren Schließmuskel geschossen wird) und die Menschen mit dem Klimawandel wie Erwachsene umgehen, anstatt unsere Köpfe in den Sand zu stecken, während wir versuchen, uns zu überzeugen, dass der Sand um unsere Köpfe herum nicht wirklich, wirklich heiß wird.

Du denkst an eine rationale Welt. Dort leben wir aber nicht.

Stattdessen leben wir in einer Welt, in der das Pentagon völlig außer Kontrolle ist. Vor einigen Wochen schrieb ich über die 21 Billionen Dollar (das ist kein Tippfehler), die im Pentagon vermisst werden. Das US-Militär warf unter Präsident George W. Bush 70.000 Bomben auf fünf Länder ab. Aber von dieser ungeheuerlichen Gesamtzahl haben nur 57 Bomben die internationale Gemeinschaft wirklich verärgert.

Weil 57 Bombenangriffe in Pakistan, Somalia und dem Jemen durchgeführt wurden, und es sich dabei um Länder handelte, mit denen sich die USA weder im Krieg befanden noch Konflikte mit ihnen hatten. Und die Welt war irgendwie entsetzt. Es wurde viel geredet und dabei gingen die Aussagen in die  Richtung: "Moment mal. Wir bombardieren Länder außerhalb der Kriegsgebiete? Ist es möglich, dass das ein Dammbruch ist, der damit endet, dass wir die ganze Zeit bombardieren? (Unangenehme Pause) ... Nee. Welcher Präsident auch immer auf Bush folgt, wird ein normaler Erwachsener sein (mit einem funktionierenden Hirnstamm) und diesen Wahnsinn stoppen."

Wir waren damals so süß und naiv, wie ein Kätzchen, wenn es morgens zum ersten Mal aufwacht.

Das Bureau of Investigative Journalismberichtete, dass unter Präsident Barack Obama "563 Angriffe, hauptsächlich von Drohnen, gegen Pakistan, Somalia und den Jemen…" durchgeführt wurden.

Es ist nicht nur die Tatsache, dass Bombenangriffe außerhalb eines Kriegsgebietes eine schreckliche Verletzung des Völkerrechts und globaler Normen darstellen. Es ist auch das moralisch verwerfliche Ins-Visier-Nehmen von Menschen im Sinne des Precrime, was wir tun und wovor uns der Tom-Cruise-Film "Minority Report" gewarnt hat. (Menschen sind sehr schlecht darin, den Rat von Sci-Fi-Dystopien anzunehmen. Hätten wir "1984" zugehört, hätten wir die Existenz der National Security Agency nicht zugelassen. Wenn wir dem "Terminator" zugehört hätten, hätten wir die Existenz eines Drohnenkrieges nicht zugelassen. Und wenn wir der "Matrix" zugehört hätten, hätten wir es nicht zugelassen, dass sich die überwiegende Mehrheit der Menschen in einer virtuellen Realität aus Spektakel und fadenscheinigem Unsinn verliert, während die Ozeane in einem Sumpf aus Plastikmüll sterben. [...] Aber, wer zählt schon mit?)

Während Obama Präsident war, gab es im Grunde genommen eine Mediensperre. Man konnte die Anzahl der Mainstream-Medienberichte über die täglichen Bombenangriffe des Pentagons unter Obama an einer Hand abzählen. Und selbst als die Medien sie erwähnten, war die zugrundeliegende Stimmung: "Ja, aber sieh Dir an, wie sanft Obama ist, während er die endlose Zerstörung in Ordnung bringt. Er ist wie der Steve McQueen des Lufttodes."

Und nehmen wir uns einen Moment Zeit, um die Idee auszuräumen, dass unsere "fortschrittlichen Waffen" nur die Bösen treffen. Wie David DeGraw es ausdrückte: "Den eigenen Dokumenten der CIA zufolge machten die Menschen auf der 'Tötungsliste', für die der 'Tod durch Drohne' vorgesehen war, nur zwei Prozent der durch die Drohnenschläge verursachten Todesfälle aus."

Zwei Prozent. Wirklich, Pentagon? Du hast zwei Punkte im Test? Du bekommst bereits fünf Punkte, wenn Du Deinen Namen richtig buchstabierst.

Aber diese 70.000 Bomben, die von Bush abgeworfen wurden, waren ein Kinderspiel. Dazu sagt DeGraw: "[Obama] hat 100.000 Bomben in sieben Ländern abgeworfen. Er überbombte Bush um 30.000 Bomben und zwei Länder."

Man muss zugeben, das ist beeindruckend schrecklich. Damit gehört Obama zu einer sehr elitären Gruppe von Friedensnobelpreisträgern, die so viele unschuldige Zivilisten getötet haben.

Aber wir wissen jetzt, dass die Regierung von Donald Trump alle früheren Präsidenten beschämt. Die Zahlen des Pentagons zeigen, dass während der acht Jahre von George W. Bush durchschnittlich 24 Bomben pro Tag abgeworfen wurden, was 8.750 pro Jahr entspricht. Während Obamas Amtszeit warf sein Militär 34 Bomben pro Tag ab, also 12.500 pro Jahr. Und in Trumps erstem Amtsjahr warf dieser durchschnittlich 121 Bomben pro Tag ab, was einer jährlichen Gesamtzahl von 44.096 entspricht.

Trumps Militär hat in seinem ersten Amtsjahr 44.000 Bomben abgeworfen.

Er hat im Grunde genommen dem Pentagon die Samthandschuhe ausgezogen, einen bereits tollwütigen Hund von der Leine gelassen. Das Endergebnis ist also ein Militär, das sich wie Lil Wayne und Conor McGregor verhält. Du schaust eine Minute weg, schaust zurück und sagst: "Was zum Teufel hast Du gerade getan? Ich war nur für eine Sekunde weg!"

Unter Trump werden pro Stunde fünf Bomben abgeworfen - jede Stunde eines jeden Tages. Das ergibt im Durchschnitt alle 12 Minuten eine Bombe.

Und was ist empörender - die verrückte Masse an Tod und Zerstörung, die wir auf der ganzen Welt erschaffen, oder die Tatsache, dass Ihre Mainstream-Medien sie im Grunde NIE untersuchen? Sie reden über Trumps Fehler. Sie sagen, dass er ein rassistischer, knollenköpfiger, egozentrischer Idiot ist (was völlig korrekt ist) - aber sie kritisieren das ewige Amityville-Massaker nicht, das unser Militär verübt, indem sie alle 12 Minuten eine Bombe abwerfen, und diese zu 98 Prozent Menschen töten, die keine Ziele waren.

Symbolbild: Eine Massive Ordnance Air Blast (MOAB)-Bombe wird für einen Test vorbereitet im Eglin-Rüstungszentrum der US-Luftwaffe.

Wenn Sie ein Kriegsministerium mit einem völlig unerklärbaren Etat haben - wie wir es bei den 21 Billionen US-Dollar beim Pentagon gesehen haben - und Sie einen Präsidenten haben, der kein Interesse an einem Überblick darüber hat, für wie viel Tod das Kriegsministerium verantwortlich ist, dann endet es damit, dass man so viele Bomben abwirft, dass das Pentagon berichtet, dass die Bomben knapp werden.

Oh, lieber Gott. Wenn uns die Bomben ausgehen, wie können wir dann all diese unschuldigen Zivilisten von der Landwirtschaft abhalten? Denken Sie an all die Ziegen, deren Tage dann nicht gezählt sind.

Und wie bei den 21 Billionen Dollar scheint das Thema "unerklärlich" zu sein.

Die Journalistin Whitney Webb schrieb im Februar: "Schockierenderweise wurden mehr als 80 Prozent der Getöteten nie identifiziert, und die Dokumente der CIA haben gezeigt, dass sie nicht einmal wissen, wen sie töten – um das Problem von Berichten über getötete Zivilisten zu vermeiden, werden alle, die sich in der Angriffszone befinden, zu feindlichen Kämpfern erklärt."

Das ist richtig. Wir töten nur feindliche Kämpfer. Woher wissen wir, dass es feindliche Kämpfer sind? Weil sie in unserer Angriffszone waren. Woher wussten wir, dass es eine Angriffszone ist? Weil dort feindliche Kämpfer waren. Wie haben wir herausgefunden, dass es feindliche Kämpfer waren? Weil sie in der Angriffszone waren. Willst Du, dass ich weitermache, oder hast Du verstanden? Ich habe den ganzen Tag Zeit.

Hier geht es nicht um Trump, obwohl er ein Irrer ist. Es geht nicht um Obama, obwohl er ein Kriegsverbrecher ist. Es geht nicht um Bush, obwohl seine Intelligenz der von gekochtem Kohl entspricht. (Ich habe seit acht Jahren keinen Bush-Witz mehr erzählt. Hat sich irgendwie gut angefühlt. Vielleicht komme ich wieder darauf zurück.)

Hier geht es um einen unkontrollierbaren militärisch-industriellen Komplex, den unsere herrschende Elite überaus gerne entfesselt. Fast niemand im Kongress oder in der Präsidentschaft versucht, unsere 121 Bomben pro Tag zurückzuhalten. Fast niemand in einem Mainstream-Medium versucht, die Leute dazu zu bringen, sich darum zu kümmern.

Vor kurzem hat der Hashtag #21Trillion für das unerklärlich verbliebene Geld des Pentagons etwas an Zugkraft gewonnen. Lasst uns noch einen weiteren starten: #121BombsADay.

Eine alle 12 Minuten.

Weißt Du, wo sie einschlagen? Wen sie umbringen? Warum? Einhunderteinundzwanzig Bomben pro Tag zerreißen das Leben von Familien – zwar weit weg, aber in Ihrem Namen und meinem Namen und dem Namen des Kindes, das im Kino das falsche Popcorn ausgibt.

Wir sind eine Schurken-Nation mit einem Schurken-Militär und einer völlig unverantwortlichen herrschenden Elite. Die Regierung und das Militär, die Sie und ich unterstützen, indem wir ein Teil dieser Gesellschaft sind, ermorden alle 12 Minuten Menschen, und als Antwort darauf gibt es nichts als ein geisterhaftes Schweigen. Es ist unter unserer Würde, als Volk und Spezies, zu diesem Thema zu schweigen. Es ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Lee Camp ist ein amerikanischer Stand-up-Comedian, Autor, Schauspieler und Aktivist. Von Salon als "John Oliver of Russia Today" bezeichnet, ist Camp der Gastgeber von RT Americas erster Comedy-Nachrichtensendung Redacted Tonight, die die Nachrichtenagenda mit einer gesunden Dosis Humor und Satire anpackt. Lees Leistungen als Autor sind immens. Er hat für The Onion, Comedy Central und Huffington Post geschrieben, ebenso wie für die gefeierten Essay-Sammlungen Moment of Clarity und Neither Sophisticated Nor Intelligent. Lees Stand-up-Comedy wurde auch auf Comedy Central, ABCs Good Morning America, Showtimes The Green Room mit Paul Provenza, Al-Jazeera, BBCs Newsnight, E!, MTV und Spike TV gezeigt.

Dieser Artikel wurde bei Truthudig auf Englisch veröffentlicht.

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