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Die Corona-Krise offenbart den Einfluss von Big Pharma auf die medizinische Forschung

Die Corona-Krise offenbart den Einfluss von Big Pharma auf die medizinische Forschung
Das Vertrauen in die wissenschaftliche Unabhängigkeit und Qualität medizinischer Forschung geht infolge der Corona-Krise verloren. In dieser haben die großen Pharmakonzerne fleißig ihre finanziellen Muskeln zur Verzerrung der Wissenschaft spielen lassen.

von Malcom Kendrick

Beweise dafür, dass ein billiges, rezeptfreies Malariamedikament, das sieben Pfund kostet, COVID-19 bekämpft, werden vernichtet. Warum? Weil die Pharmariesen Ihnen eine Behandlung verkaufen wollen, die fast 2.000 Pfund kostet. Das ist kriminell.

Vor einigen Jahren hatte ich ein Buch mit dem Titel "Doctoring Data" geschrieben. Dies war ein Versuch, den Menschen zu helfen, den Hintergrund der Flutwelle medizinischer Informationen zu verstehen, die Tag für Tag über uns hereinbricht. Informationen, die oft völlig widersprüchlich sind, etwa "Kaffee ist gut für dich ... nein, warte, er ist schlecht für dich ... nein, warte, er ist wieder gut für dich" – wiederholt bis zum Erbrechen.

Ich wies auch auf einige der Tricks, Spiele und Manipulationen hin, die eingesetzt werden, um Medikamente weitaus wirksamer erscheinen zu lassen, als sie wirklich sind, oder umgekehrt. Es kann sehr entmutigend sein, diese Welt zu betreten, wie ich gestehen muss. Wenn ich Vorträge zu diesem Thema halte, beginne ich oft mit ein paar Zitaten.

Hier ist zum Beispiel eines von Dr. Marcia Angell, die über 20 Jahre lang das New England Journal of Medicine herausgegeben hat und 2009 schrieb:

Es ist einfach nicht mehr möglich, einem Großteil der veröffentlichten klinischen Forschung Glauben zu schenken oder sich auf das Urteil von vertrauenswürdigen Ärzten oder maßgeblichen medizinischen Richtlinien zu verlassen. Ich freue mich nicht über diese Schlussfolgerung, zu der ich während meiner zwei Jahrzehnte als Herausgeber langsam und widerwillig gelangt bin.

Sind die Dinge besser geworden? Nein, ich glaube, es ist schlimmer geworden – wenn das überhaupt möglich sein sollte. Vor kurzem erhielt ich die folgende E-Mail über eine Diskussion hinter verschlossenen Türen, die im Mai dieses Jahres nach den Regeln des Chatham House [Inhaltswiedergabe ohne Namensnennungen – Anm. Red.] unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand:

Ein heimlich aufgezeichnetes Treffen zwischen den Chefredakteuren von The Lancet und dem New England Journal of Medicine enthüllt, dass beide Männer den 'kriminellen' Einfluss von Big Pharma auf die wissenschaftliche Forschung beklagen. Laut Philippe Douste-Blazy, Frankreichs ehemaligem Gesundheitsminister und Kandidaten für das Amt des WHO-Direktors 2017, fand die durchgesickerte 2020 Chatham House Closed-Door-Diskussion zwischen den [Chefredakteuren] statt, deren Publikationen beide Big-Pharma-freundliche Papiere wegen gefälschter Daten zurückzogen.

Die E-Mail wurde mit einem Zitat aus dieser Aufnahme fortgesetzt: 'Jetzt werden wir ... keine klinischen Forschungsdaten mehr veröffentlichen können, weil die Pharmaunternehmen heute so finanzkräftig sind und solche Methoden anwenden können, dass wir Papiere akzeptieren müssen, die scheinbar methodisch perfekt sind, die es aber in Wirklichkeit schaffen, zu dem zu kommen, was sie wollen', sagte der Chefredakteur von The Lancet, Richard Horton.

Ein YouTube-Video, in dem dieses Thema diskutiert wird, finden Sie hier. Es ist auf Französisch, aber mit englischen Untertiteln versehen.

The New England Journal of Medicine und The Lancet sind die beiden einflussreichsten und mit den meisten Ressourcen ausgestatteten medizinischen Fachzeitschriften der Welt. Wenn sie nicht mehr in der Lage sind, das aufzudecken, was im Wesentlichen betrügerische Forschung ist, dann ... Was dann? In der Tat, was dann?

Tatsächlich haben sich die Dinge seit dem Ausbruch der COVID-19-Krise im Allgemeinen drastisch verschlechtert. Neue Studien, neue Daten, neue Informationen erscheinen in halsbrecherischer Geschwindigkeit, oft mit wenig oder keiner wirksamen Überprüfung. Was können Sie glauben? Wem können Sie glauben? Fast nichts – das wäre die sicherste Vorgehensweise.

Teströhrchen einer COVID-19-Untersuchung (Symbolbild)

In den letzten Monaten hat sich ein Problem herauskristallisiert, das mein Vertrauen in die medizinische Forschung erschüttert hat. Es betrifft das Malariamedikament Hydroxychloroquin. Sie wissen vielleicht, dass US-Präsident Donald Trump es befürwortet hat – was für viele Menschen eine ganze Reihe von Problemen mit sich bringt.

Vor dem Ausbruch der Corona-Krise empfahl ich jedoch meinem örtlichen NHS-Verband, dass wir einen Vorrat an Hydroxychloroquin anlegen sollten. Im Laufe der Jahre gab es zahlreiche Forschungsarbeiten, die nachdrücklich darauf hinwiesen, dass es das Eindringen von Viren in Zellen hemmen könnte und dass es auch die virale Replikation im Inneren der Zelle behindert.

Dieser Wirkmechanismus erklärt, warum es dazu beitragen kann, das Eindringen des Malariaparasiten in die roten Blutkörperchen zu verhindern. Die Wissenschaft ist komplex, aber viele Forscher waren der Meinung, dass es gute Gründe für die Annahme gibt, Hydroxychloroquin könne bei COVID-19 einen echten, wenn nicht sogar weltbewegenden Nutzen haben.

Diese Idee wurde durch das Wissen, dass es einige Auswirkungen auf die Reduzierung des sogenannten "Zytokinsturms" hat, der bei COVID-19 als tödlich gilt, noch verstärkt. Es wird bei rheumatoider Arthritis verschrieben, um den Immunangriff auf die Gelenke zu verringern.

Der andere Grund für die Empfehlung von Hydroxychloroquin ist, dass es extrem sicher ist. Es ist zum Beispiel das am häufigsten verschriebene Medikament in Indien. Milliarden und Abermilliarden von Dosen wurden bereits verschrieben. Es ist in den meisten Ländern rezeptfrei erhältlich. Ich fühlte mich also recht wohl bei der Empfehlung, es auszuprobieren. Im schlimmsten Fall würde kein Schaden angerichtet werden.

Dann wurde Hydroxychloroquin zum Zentrum eines weltweiten Orkans. Auf der einen Seite standen diejenigen Forscher, die es schon früh eingesetzt hatten, wo es einige bedeutende Vorteile zu zeigen schien. Zum Beispiel Professor Didier Raoult vom Institut Hospitalo-universitaire Méditerranée Infection in Frankreich:

Ein renommierter Forschungsprofessor in Frankreich hat über erfolgreiche Ergebnisse einer neuen Behandlung für COVID-19 berichtet, wobei frühe Tests darauf hindeuten, dass sie die Ansteckung mit dem Virus in nur sechs Tagen stoppen kann.

Von einem marokkanischen Wissenschaftler an der Universität Lille kam dann diese Forschung:

Jaouad Zemmouri glaubt, dass 78 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus in Europa hätten verhindert werden können, wenn Europa Hydroxychloroquin eingesetzt hätte (...) Marokko [mit einer Bevölkerung von 36 Millionen Menschen, etwa ein Zehntel der Bevölkerung der USA] hat 10.079 bestätigte Fälle von COVID-19 und 214 Todesfälle.

Das Medikament ist eine treibende Kraft hinter der Marokkos Genesungsrate von 82,5 Prozent und einer 'niedrigen Sterblichkeitsrate' von 2,1 Prozent verdeutlicht, dass das Versäumnis Europas, die Behandlung ordnungsgemäß durchzuführen, Tausende von Menschenleben gekostet hat.

Auf der anderen Seite standen Vorgänge wie diese:

Kurz davor, am 22. Mai, veröffentlichte The Lancet eine Studie, in der festgestellt wurde, dass Hydroxychloroquin tatsächlich die Anzahl der Todesfälle erhöht. Es stellte sich dann heraus, dass die verwendeten Daten nicht verifiziert werden konnten und höchstwahrscheinlich erfunden waren. Die Autoren hatten große Interessenkonflikte mit Pharmaunternehmen, die antivirale Medikamente herstellen. Anfang Juni wurde der gesamte Artikel von Horton zurückgezogen.

Bill Gates im mehrminütigen Interview mit den ARD-Tagesthemen, in dem er die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus ankündigte. Die Lockerungen der Corona-Maßnahmen sollen auch von dessen Verfügbarkeit abhängen.

Dann kam eine britische Studie heraus, die nahelegte, dass Hydroxychloroquin überhaupt nicht gewirkt hätte. Bei der Erörterung der Ergebnisse erklärte Professor Martin Landray, ein Professor der Universität Oxford, der die Studie zur randomisierten Bewertung der COVID-19-Therapie (RECOVERY) mit leitet:

Dies ist keine Behandlung für COVID-19. Es wirkt nicht. Dieses Ergebnis sollte die medizinische Praxis weltweit verändern. Wir können jetzt aufhören, ein Medikament zu verwenden, das nutzlos ist.

Die Studie ist seither von anderen Forschern heftig kritisiert worden, die behaupten, dass die verwendete Dosis von Hydroxychloroquin potenziell toxisch sei. Es wurde auch viel zu spät verabreicht, um eine positive Wirkung zu erzielen. Viele der Patienten hingen bereits an Beatmungsgeräten.

Diese Woche erhielt ich eine Vorabkopie eines Artikels über eine Studie, die im International Journal of Infectious Diseases veröffentlicht werden soll. Der Autor hat festgestellt, dass Hydroxychloroquin die Sterblichkeitsrate der an der Analyse beteiligten Patienten "signifikant" verringert hat. Die Studie analysierte 2.541 Patienten, die zwischen dem 10. März und dem 2. Mai 2020 in sechs Krankenhäusern stationär behandelt wurden, und stellte fest, dass 13 Prozent der mit Hydroxychloroquin behandelten Patienten starben, gegenüber 26 Prozent derer, die das Medikament nicht erhielten.

Wenn die Dinge derart durcheinander geraten, neige ich dazu, nach den potenziellen Interessenkonflikten zu suchen. Womit ich die Frage meine, wer kann Geld damit verdienen, die Verwendung von Hydroxychloroquin zu unterbinden, einem Generikum, das seit 1934 auf dem Markt ist und etwa sieben Pfund für eine Flasche mit 60 Tabletten kostet?

In diesem Fall sind es zunächst einmal die Firmen, die die enorm teuren antiviralen Medikamente wie etwa Remedesivir von Gilead Sciences herstellen, das in den USA 2.340 US-Dollar für eine typische fünftägige Behandlung kostet. Zweitens sind es die Unternehmen, die danach streben, einen Impfstoff auf den Markt zu bringen. Hier geht es um Milliarden und Abermilliarden von US-Dollar.

In dieser Welt haben billige Medikamente wie Hydroxychloroquin keine große Chance. Ebenso wenig wie billige Vitamine, wie Vitamin C und Vitamin D. Sind sie von Vorteil für COVID-19-Betroffene? Ich bin sicher, dass sie das sind. Werden solche Vorteile in Studien, die sorgfältig manipuliert wurden, um sicherzustellen, dass sie nicht wirken, abgetan? Selbstverständlich. Denken Sie an diese Worte:

Die Pharmaunternehmen sind heute so finanzkräftig und in der Lage, solche Methoden anzuwenden, dass sie uns Papiere akzeptieren lassen, die scheinbar methodisch perfekt sind, die es aber in Wirklichkeit schaffen, das zu schlussfolgern, was sie wollen.

Solange Regierungen und medizinische Gremien nicht entschieden handeln, um die finanziellen Beziehungen zwischen Forschern und Big Pharma dauerhaft aufzulösen, werden diese Verzerrungen und Manipulationen im Streben nach großem Profit weitergehen. Aber bitte machen Sie sich nicht allzu große Hoffnungen auf solch ein nötiges entschlossenes Handeln dagegen.

Malcolm Kendrick ist Arzt und Autor. Er arbeitet als Allgemeinmediziner im National Health Service in England. Sein Buch "Doctoring Data – How to Sort Out Medical Advice from Medical Nonsense" ist hier erhältlich.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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