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Eine fünfte Amtszeit für Merkel? Wie der Mainstream für die Kanzlerin schwärmt

Eine fünfte Amtszeit für Merkel? Wie der Mainstream für die Kanzlerin schwärmt
Auf dem Weg zur fünften Amtszeit? Eher nicht. Bundeskanzlerin Merkel am 22. März in Berlin
Bild und Tagesthemen sind beeindruckt vom Krisenmanagement der Kanzlerin – und der großen Zustimmung für sie, die die Medien selbst herbeigeführt haben. In der Corona-Krise ist von kritischer Begleitung der Regierungspolitik noch weniger zu sehen als sonst.

von Andreas Richter

Bild.de, das Onlineportal des Boulevardblatts Bild, das gern Falschmeldungen über RT Deutsch verbreitet, veröffentlichte am Freitagmorgen einen Artikel mit der Überschrift: "Bundeskanzlerin Angela Merkel – 5. Amtszeit wegen Corona?"

Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts, Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigen sich gut gelaunt vor einer Pressekonferenz, bei der Merkel verkündete, dass sich zwei Drittel der Deutschen mit dem Coronavirus infizieren könnten. (Berlin, 11. März 2020)-

Der Autor lobte in seinem Stück überschwänglich das Krisenmanagement der Kanzlerin in der Corona-Krise. Auch in Quarantäne halte sie die Fäden fest in der Hand:

Selbst harte Kritiker in der Union geben intern zu: Sie macht einen guten Job. Nüchtern, erfahren und mit allen Akteuren im In- und Ausland vertraut. 'Ich bin heilfroh, dass wir sie haben', sagt selbst ein CSU-Mann, der viele Kämpfe mit Merkel ausgefochten hat.

Diese angebliche Stärke der Kanzlerin wird kontrastiert mit der Schwäche der Kandidaten im Ringen um den CDU-Vorsitz. Aus dieser Konstellation könnte sich, so die Argumentation, eine weitere Amtszeit für Merkel auch im Kanzleramt ergeben:

Wenn es also im CDU-Machtkampf um Vorsitz und Kanzlerkandidatur beim Patt bleibt, könnte es beim Parteitag im Dezember heißen: Angela ist alternativlos und geht in die Verlängerung!

Immerhin erwähnt der Text dann noch, dass die Kanzlerin eine weitere Amtszeit ausgeschlossen hat. Und dass ein mögliches Ende des Euros infolge eines durch die Corona-Krise verursachten ökonomischen Zusammenbruchs der südeuropäischen Staaten die Kanzlerin zum vorzeitigen Rückzug veranlassen könnte, ist ein weiteres Argument, mit dem eine erneute Amtszeit Merkels dann doch als unwahrscheinlich dargestellt wird.

In der Folge lobt der Bild-Artikel dann den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder zum möglichen Kanzlerkandidaten der Union hoch. Interessant dabei ist, dass Bild zugunsten von Söder wenigstens in diesem Beitrag ihren alten Liebling, den ehemaligen Blackrock-Mann Friedrich Merz, schnöde fallen lässt.

Nicht nur Bild.de lobt die Kanzlerin in den höchsten Tönen. Ein Kommentar in den ARD-Tagesthemen vom Donnerstag schlug in dieselbe Kerbe. Der MDR-Redakteur Oliver Köhr überschlug sich beinahe vor Begeisterung. Die Union bewege sich wieder in Richtung 40-Prozent-Marke – und das dank Angela Merkel:

Die Kanzlerin erlebt einen Zuspruch wie seit Jahren nicht. Es geht zwar schon bergauf, seit sie die lästige Parteiarbeit abgegeben hat, aber in der Corona-Krise kann und muss sie Politik machen, wie es Merkel liegt: Auf Sicht fahren, nicht die großen Linien zeichnen, sondern Schritt für Schritt eins nach dem anderen abarbeiten, die Lage jeden Tag neu bewerten. (...) Das Krisenmanagement à la Merkel trägt zur Beruhigung bei. 

Im Grunde beschreiben derartige Kommentare und Artikel einen Zirkelschluss, der die Rolle der Medien ausblendet. Erst berichtete der mediale Mainstream nahezu kritiklos über das Krisenmanagement der Bundesregierung. Dann gibt er sich überrascht über die auch durch die eigene Berichterstattung herbeigeführte große Zustimmung der Öffentlichkeit und macht daraus ein Thema.

Dabei gibt es sehr wohl gute Gründe für Kritik am Krisenmanagement der Regierung: in der Frühphase der Krise das Herunterspielen der Gefahr und Versäumnisse bei der Beschaffung von Schutzmaterialen; später die Verhängung drastischer Maßnahmen für die Allgemeinheit mit fatalen wirtschaftlichen und sozialen Folgen – und unter erheblicher Beschränkung der Grundrechte. Der scharfe Kursschwenk wurde von den Medien nicht hinterfragt, sondern stillschweigend mitvollzogen. 

Von kritischen Argumenten gab und gibt es bei Tagesschau und Tagesthemen wie bei Bild wenig zu sehen und zu lesen. Eine offene Debatte unterbleibt auch deshalb. Die Mainstreammedien agieren in der Krise nur als Verlautbarungs- und Bestätigungsorgan der Regierung. Die jüngsten Lobeshymnen, die aus einer getrieben wirkenden Regierungschefin eine starke Krisenmanagerin machen, bestätigen das noch einmal eindrucksvoll.

RT Deutsch bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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