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Aegis Ashore nicht genug? THAAD-Raketenabwehrsysteme der USA kommen nach Osteuropa

Aegis Ashore nicht genug? THAAD-Raketenabwehrsysteme der USA kommen nach Osteuropa
Aegis Ashore nicht genug? THAAD-Raketenabwehrsysteme der USA kommen nach Osteuropa (Archivbild: Mobile THAAD-Abschussrampe feuert Abfangrakete ab)
Die USA werden ihre THAAD-Systeme in diesem Sommer nach Rumänien schicken, wo ein anderer, großer Raketenabwehrstandort im Moment modernisiert wird. Dies ist das erste Mal, dass diese Systeme so nahe an den russischen Grenzen eingesetzt werden.

Die zuvor in Fort Hood stationierten THAAD-Systeme (Terminal High Altitude Area Defense, dt. etwa: Flächendeckende Verteidigung gegen [ballistische Raketen] in großer Flughöhe nach Wiedereintritt) werden in den kommenden Monaten auf Anforderung der NATO in Rumänien eintreffen. Dies teilte das US European Command (EUCOM) mit.

 AGM-86B Marschflugkörper aus der Zeit des Kalten Krieges im Einsatz.

Beim "planmäßigen, zeitlich begrenzten" Einsatz von THAAD werde das bestehende Raketenabwehrsystem Aegis Ashore ergänzt, das nahe des rumänischen Deveselu gebaut wurde.

Heikler Kontext

Schon der Bau der Aegis-Ashore-Anlage in Rumänien führte zu harscher Kritik seitens Russlands: Immerhin werden für den Abschuss der Aegis-Abfangraketen der Standard-Missile-Familie dieselben Mk-41-Startanlagen verwendet wie auch für Bodenziel-Marschflugkörper der Tomahawk-Familie (dies nach offiziellen US-Angaben nur zur See), die unter anderem beim NATO-Angriffskrieg auf Jugoslawien mit Tausenden zivilen Opfern im Jahr 1999 traurige Bekanntheit erlangten. Russische Experten hegen den Verdacht, dass die Installation von Aegis Ashore nahe Russlands Staatsgrenzen der Vorbereitung eines Erstschlags gegen Ziele im europäischen Teil des Landes dienen könnte – an dem die Anlage in Deveselu dann mit Tomahawk-Marschflugkörpern beteiligt wäre.

Aegis Ashore nicht genug? THAAD-Raketenabwehrsysteme der USA kommen nach Osteuropa
Zeremonie der offiziellen Inbetriebnahme der Aegis-Ashore-Stützpunktes nahe des rumänischen Deveselu. 12. Mai 2016

Westliche Militärs behaupten hingegen, es handele sich bei Aegis um eine reine Abwehrwaffe. Für einen Abschuss von Tomahawk-Marschflugkörpern fehle Aegis die passende Software, Feuerleitanlage und weitere Zusatzausrüstung, so Brian P. McKeon vom Pentagon.

Nun wird mit THAAD eine zweite Komponente des US-Raketenschilds in Europa stationiert – und zwar damit die NATO einige "regelmäßige Aktualisierungen" am umstrittenen Aegis-Ashore-Standort bei Deveselu durchführen kann. Das Bündnis betont, dass die Modernisierung "dem Aegis-Ashore-Raketenabwehrsystem keine offensiven Fähigkeiten verleihen" werde.

THAAD, entworfen von Lockheed Martin, ist ein landgestütztes Raketenabwehrsystem und dazu bestimmt, ballistische Kurz- und Mittelstreckenraketen nahe ihres Zielgebietes abzufangen. Die Feuerleitanlage von THAAD kann außerdem Zieldaten in andere US-Flugabwehrsysteme einspeisen – dazu gehört neben Patriot eben auch Aegis Ashore.

Protest gegen THAAD-Anlagen

THAAD wurde bereits in Guam, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Israel und Südkorea stationiert. Rumänien wird das erste europäische Land sein, auf dessen Boden eine THAAD-Anlage errichtet wird.

Bei der Bevölkerung einiger dieser Länder machte sich in der Vergangenheit Unmut über die Stationierung der Raketenabwehrsysteme breit. So haben beispielsweise Südkoreaner häufig in großem Stil protestiert und von ihrer Regierung gefordert, den USA die Stationierung von US-Raketenabwehranlagen zu verweigern.

Aegis Ashore nicht genug? THAAD-Raketenabwehrsysteme der USA kommen nach Osteuropa
Die südkoreanische Polizei geht am 17. März 2015 nahe des Außenministeriums in Seoul gegen Friedensaktivisten vor, die während einer Visite des Assistant Secretary of State for East Asian and Pacific Affairs Daniel Russel gegen die Stationierung des Raketenabwehrsystems THAAD demonstrieren.

Auch in Japan, wo sich zwar keine THAAD-Anlage, aber dafür eine Kommandozentrale der US-Raketenabwehr befindet und bald auch Aegis Ashore stationiert werden soll, wurden Gegenstimmen laut: So beschwerte sich die Verwaltung der Präfektur Kanagawa in der Nähe von Tokio im vergangenen Jahr darüber, "enttäuschenderweise" plötzlich herausgefunden zu haben, dass der Kommandostützpunkt in direkter Nähe eines Bahnhofs mit regem Personenverkehr aufgebaut wurde.

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