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Brasiliens Star Neymar: Zwischen unglaublich talentiert und unglaublich peinlich

Brasiliens Star Neymar: Zwischen unglaublich talentiert und unglaublich peinlich
This is how we roll: der brasilianische Top-Star Neymar
Auch bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland beweist der Brasilianer Neymar sein überragendes Talent. Doch die ständig zutage tretenden Mätzchen des Stürmers sorgen dafür, dass seine sportliche Leistungen mittlerweile fast zur Nebensache verkommen.

Es war bereits 22.28 Uhr, als Neymar endlich aus der Kabine kam. Mit dem Pokal für den besten Spieler der Partie unter dem Arm schlenderte Brasiliens Superstar durch die Mixed Zone. Seit dem Schlusspfiff des WM-Achtelfinales gegen Mexiko waren bereits zweineinhalb Stunden vergangen. Neymar hatte der Begegnung beim 2:0 (0:0) wieder einmal seinen Stempel aufgedrückt. Doch erneut hatte er sich dabei nicht auf sein immenses fußballerisches Können beschränkt, sondern durch Schauspieleinlagen und Provokationen auch mal wieder die halbe Fußball-Welt gegen sich aufgebracht.

Doch was treibt diesen Mann? Wieso hat es ein Spieler, der zu den zwei, drei besten Fußballern auf diesem Planeten gehört, nötig, sich immer wieder voller Theatralik auf dem Rasen zu wälzen? Warum fällt er bei jeder noch so kleinen Berührung zu Boden und krümmt sich danach so lange, dass man befürchten muss, sein Karriereende sei nah? Selbst der ehemalige französische Nationalspieler Eric Cantona, selbst bekannter Exzentriker, verglich den brasilianischen Hochgeschwindigkeitsdribbler mit einem gelben Rollkoffer. Man müsse Neymar nur leicht berühren, schon drehe er sich stundenlang, so Cantona in seinem satirischen Video.

Neymar bleibt mit seiner Art ein Rätsel, auflösen mochte er dieses auch am Montag in Samara nicht. Wortlos schritt er durch die Katakomben zum Bus und verschwand in der russischen Nacht.

Ohne Schauspieleinlage sogar Rote Karte möglich

Auf der Pressekonferenz war er auch mithilfe von Coach Tite noch den Fragen ausgewichen, die sich überwiegend um eine bestimmte Szene von Mitte der zweiten Halbzeit drehten. Da war ihm der Mexikaner Miguel Layun unmittelbar vor der brasilianischen Bank leicht auf den Knöchel getreten, obwohl die Partie unterbrochen war. Eine unnötige Aktion, die unter ungünstigen Bedingungen auch die Rote Karte nach sich hätte ziehen können. Doch da Neymar sich trotz der nur geringen Berührung krümmte und drehte und wälzte, als gebe es kein Morgen mehr, verzichtete Schiedsrichter Gianluca Rocchi auf einen Platzverweis.

Brasiliens Star Neymar: Zwischen unglaublich talentiert und unglaublich peinlich
Die Szene aus der 73. Minute, als Neymar nach dem Foulspiel am Spielfeldrand wieder einmal tausend Tode stirbt.

"Es hat schon sehr weh getan", sagte der Stürmerstar von Paris Saint-Germain. "Das war nicht ehrlich." Mehr wollte er dazu und zu weiteren Szenen, in denen er ebenfalls Oscar-reife Schauspieleinlagen gezeigt hatte, nicht sagen. Dafür redeten andere.

Allen voran Mexikos Trainer Juan Carlos Osorio. Ungefragt attackierte der Kolumbianer Neymar auf das Schärfste. "Es ist eine Schande für den Fußball", sagte Osorio, ohne Neymar direkt beim Namen zu nennen. "Das ist ein schlechtes Beispiel für die ganze Welt und all die Kinder vor dem Fernseher", klagte der mexikanische Coach. Und Übeltäter Layun meinte:

Er kümmert sich die ganze Zeit darum, auf dem Boden zu liegen. Wenn er liegen will, soll er nach Hause gehen und sich auf sein Bett legen.

"Ich hatte schon Sorge, er stirbt"

Neymar - der 222-Millionen-Euro-Mann vom französischen Spitzenclub Paris St. Germain (PSG), um den es auch jetzt wieder Wechselgerüchte zu Real Madrid gibt, dominiert jegliche Debatten über die Seleção. "Ich hatte schon Sorge, er stirbt", sagte Dänemarks Ex-Nationaltorwart Peter Schmeichel als Experte der BBC. Seine Qualitäten stünden außer Frage, sagte Englands Ex-Torjäger Alan Shearer. "Aber es nervt, dass er jedes Mal über den Rasen rollt, als sei er schwer misshandelt worden. Warum in aller Welt macht er das?"

Eine Frage, die nur Neymar beantworten könnte. Doch der 26-Jährige, der natürlich von seinen Gegenspielern öfter hart angegangen wird, scheut die großen Ausführungen in der Öffentlichkeit. Er liebt das Drama. Vor vier Jahren bei der Heim-WM in Brasilien stand tagelang ein ganzes Land still, nachdem sich Neymar gegen Kolumbien einen Wirbelbruch zugezogen hatte. Neymar und der Verband inszenierten ein unglaubliches Schauspiel. Vor dieser WM fiel der Angreifer wieder infolge einer Verletzung monatelang aus, erneut hielt die gesamte Fußball-Nation den Atem an. Wird Neymar rechtzeitig fit? Erreicht er wieder seine Topform?

Und eigentlich müsste genau das jetzt im Mittelpunkt des Interesses stehen. Denn Neymar hat es zur WM geschafft, er nähert sich immer mehr seiner Bestform, wie sein Treffer und seine Vorlage zum Tor vom Roberto Firmino gegen Mexiko zeigten. Auch dank Neymars Steigerung von Spiel zu Spiel sind die Brasilianer inzwischen wieder Topfavorit auf den Titel. Der sechste WM-Sieg, der Hexampeonato, rückt immer näher. Dank Neymar steht Brasilien im Viertelfinale gegen Belgien. 

Ob man Neymar nach dem Turnier als Weltklasse-Spieler oder aber als "gelben Rollkoffer" in Erinnerung behalten wird, hängt jetzt ganz von ihm ab.

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(rt deutsch/dpa)

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