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Schwedisches Friedensinstitut: Atommächte modernisieren ihre Arsenale

Schwedisches Friedensinstitut: Atommächte modernisieren ihre Arsenale
Eine B-52H während eines Evaluatiuonsprogramms für nukleare Waffensysteme, Salt Lake City, USA
Die Zahl der Atomsprengköpfe auf der Welt sei zwar leicht gesunken, dies sei jedoch kein Zeichen dafür, dass die Atommächte auf Abrüstung setzten. Dem leichten Rückgang an Atomwaffen stehe die Modernisierung des nuklearen Arsenals entgegen.

Die Friedensforscher sehen keine Anzeichen dafür, dass auch nur eine einzige Atommacht weltweit auf ihre Nuklearwaffen verzichten will.

Alle Staaten, die Atomwaffen besitzen, haben entweder begonnen, sie zu modernisieren oder langfristige Programme dafür angekündigt“. Keiner von ihnen ist bereit, für die absehbare Zukunft auf nukleare Abrüstung hinzuarbeiten", erklärte Shannon Kile vom Stockholmer Friedensforschungsinstitut SIPRI gegenüber der dpa.

Während NATO-Staaten wie Deutschland unter Verweis auf eine angebliche russische Bedrohung ihre Militäretats deutlich erhöhen, hat Moskau seinen eigenen stark reduziert.

Zugleich belegt ein am Montag veröffentlichter Bericht der Forscher, dass die Zahl der Atomsprengköpfe im vergangenen Jahr weiter abgenommen habe. SIPRI schätzt, dass neun Staaten - die USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea - Anfang 2018 zusammen etwa 14.465 Atomwaffen besaßen. Das wären demnach 470 weniger als im Vorjahr. Seit Mitte der 80er-Jahre, als es rund 70.000 Atomsprengköpfe gab, wurde die Zahl durch diverse Abrüstungsabkommen deutlich reduziert.

Der entscheidende Wendepunkt ereignete sich im Jahr 2001, als die USA den ABM-Vertrag aus dem Jahr 1972 formell aufkündigten. Das zwischen den Vereinigten Staaten und der damaligen Sowjetunion abgeschlossene Vertragswerk untersagte praktisch die Aufstellung von Raketenabwehrsystemen. Dies sollte ein Unterlaufen der sogenannten "Strategie der Abschreckung" verhindern.

Zuletzt hätten laut SIPRI vor allem Russland und die USA Atomwaffen reduziert - zugleich aber planten beide langfristig, Sprengköpfe für große Summen zu ersetzen und zu modernisieren. Die beiden Länder besitzen zusammen fast 92 Prozent aller Atomwaffen auf der Welt. Experten warnten, dass die einseitige Aufkündigung mittelfristig ein erneutes atomares Wettrüsten auslösen könnte.

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Die Friedensforscher beziehen ihre Daten aus öffentlichen Quellen, unter anderem von Regierungen. Nicht alle Staaten seien ausreichend transparent, kritisierten sie. So schätzen die Experten, dass Nordkorea inzwischen zehn bis 20 nukleare Sprengköpfe besitze - können diese Annahme aber nur auf die Menge an Plutonium stützen, die das Land demnach in einem Forschungsreaktor produziert habe. Es sei noch zu früh, um festzustellen, ob das Treffen von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Regierungschef Kim Jong-un Auswirkungen auf die Transparenz haben könne, sagte Kile.

In ihrer Nuclear Posture Review vom Februar 2018 legten die USA dar, wie sie ihr Abschreckungspotenzial auch mit neuen Arten von Atomwaffen wie den sogenannten Mini-Atombomben zu erweitern und zu modernisieren gedenken. In dem Strategiepapier wird auch die bereits seit dem Jahr 2010 geplante Modernisierung der in Europa stationierten US-Atombomben noch einmal bekräftigt. Auf dem Bundeswehr-Stützpunkt im rheinland-pfälzischen Büchel sollen noch etwa 20 Bomben vom Typ B61-4 lagern, wobei jede etwa über die vierfache Sprengkraft der Bombe von Hiroshima verfügt.

Bereits vor Jahren kündigte Russland als Reaktion auf die nuklearen US-Aktivitäten an, sein militärisches Abschreckungspotenzial ebenfalls zu modernisieren. Anfang des Jahres 2018 präsentierte der russische Präsident Wladimir Putin schließlich weltweit einzigartige und neue russische Waffensysteme und erklärte während seiner Rede:

Ich wiederhole noch einmal, was wir unseren amerikanischen und europäischen Partnern, die NATO-Mitglieder sind, wiederholt gesagt haben: Wir werden die notwendigen Anstrengungen unternehmen, um die Bedrohungen durch den Einsatz des globalen Raketenabwehrsystems der USA zu neutralisieren. Wir haben das in den Gesprächen thematisiert, ja sogar öffentlich gesagt. Im Jahr 2004, nach den Übungen der strategischen Nuklearstreitkräfte, als das System zum ersten Mal getestet wurde, habe ich bei einem Treffen mit der Presse Folgendes gesagt - es ist peinlich, mich selbst zu zitieren, aber es ist richtig, es hier zu sagen. So sagte ich: 'Da andere Länder die Anzahl und Qualität ihrer Waffen und ihres militärischen Potenzials erhöhen, wird Russland ebenfalls sicherstellen müssen, dass es über Waffen und Technologien der neuen Generation verfügt.

Dem nun vorliegenden Bericht der schwedischen Friedensforscher zufolge investierten neben den USA auch die anderen Atommächte weiter in ihre Waffen. Den Schätzungen zufolge besitzt Russland 6.850 Sprengköpfe, die USA 6.450, Frankreich 300, China 280, Großbritannien 215, Pakistan 140 bis 150, Indien 130 bis 140 sowie Israel 80. Dazu kommt Nordkorea mit geschätzten zehn bis 20 Sprengköpfen. Nur die Waffen in den USA, in Russland, Frankreich und Großbritannien seien sofort einsatzbereit.

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(rt deutsch/dpa)

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