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US-Politikprofessor: Westen trägt Hauptverantwortung für Ukraine-Krise

Der berühmte Politikwissenschaftler John J. Mearsheimer widerspricht dem westlichen Narrativ, dem zufolge die Hauptverantwortung für die aktuellen Ereignisse in der Ukraine bei der russischen Regierung liegt.
US-Politikprofessor: Westen trägt Hauptverantwortung für Ukraine-KriseQuelle: Gettyimages.ru © Yasin Ozturk/Anadolu Agency

Der angesehene US-amerikanische Experte für internationale Beziehungen John J. Mearsheimer hat einen Meinungsbeitrag in der Zeitschrift Economist veröffentlicht, in dem er die Hauptverantwortung für die Ukraine-Krise bei den westlichen Staaten sieht.

Zweifellos sei Putin für den Beginn des Krieges verantwortlich und für die Art, wie er geführt wird. Warum es zu dieser Situation kam, sei jedoch eine andere Frage. Der westliche Mainstream glaube, dass der russische Präsident irrational handle und die Schaffung eines russischen Großreiches anstrebe. Daher sei allein er für diese Krise verantwortlich.

US-amerikanische und europäische Politiker provozierten Mearsheimer zufolge eine Zuspitzung der Ukraine-Krise, indem sie versuchten, die Ukraine in den Westen zu integrieren. Der Westen versuche nun, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin die Schuld für die Eskalation zu geben, so der Professor für Politikwissenschaft an der Universität von Chicago, "aber diese Geschichte ist falsch".

"Der Westen, und insbesondere Amerika, ist hauptverantwortlich für die Krise, die im Februar 2014 begann. (Die Krise) hat sich inzwischen zu einem Krieg ausgeweitet, der nicht nur die Ukraine zu zerstören droht, sondern auch das Potenzial hat, zu einem Atomkrieg zwischen Russland und der NATO zu eskalieren."

Seiner Ansicht nach ist die Ukraine-Krise "der gefährlichste internationale Konflikt seit der kubanischen Raketenkrise 1962". Dass der Westen derzeit seine Hilfe für die Ukraine erhöht, während er gleichzeitig Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt, sei ein Schritt, den Putin als "eine Art Kriegserklärung" betrachte.

Um einen Weg zur Beendigung der Krise zu finden, sei es wichtig, die Ursachen für deren Entstehung zu verstehen. Der Konflikt über die geopolitische Ausrichtung der Ukraine habe auf dem NATO-Gipfel in Bukarest im Jahr 2008 begonnen, als der damalige US-Präsident George W. Bush das Militärbündnis dazu drängte, anzukündigen, dass die Ukraine und Georgien Mitglieder werden, heißt es in dem Artikel. Das habe Putin sehr verärgert. Ende 2021 habe der Westen die Sicherheitsbedenken Russlands ignoriert und an der Absicht festgehalten, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, was direkt zum aktuellen Krieg geführt habe, schreibt Mearsheimer.

Darüber hinaus hätten russische Politiker, im Gegensatz zu dem im Westen verbreiteten Narrativ, nichts "über die Eroberung neuer Gebiete gesagt, um die Sowjetunion wiederherzustellen oder ein größeres Russland aufzubauen", so der Experte und fügte hinzu, dass die russische Führung wiederholt erklärt habe, dass sie den NATO-Beitritt der Ukraine als "existenzielle Bedrohung" betrachte, die verhindert werden müsse. Nach dem Ausbruch der Krise durch den Maidan-Putsch im Jahr 2014 konnten laut Mearsheimer die NATO-Verantwortlichen nicht zugeben, dass sie für die Provokation gegenüber Russland verantwortlich waren durch ihren Versuch, die Ukraine in die westliche Einflusszone zu integrieren.

"Sie erklärten, die wahre Ursache des Problems sei der Revanchismus Russlands und sein Wunsch, die Ukraine zu beherrschen, wenn nicht gar zu erobern."

Seit den späten 1990er Jahren hätten viele westliche Experten vor einer weiteren Ostexpansion der NATO gewarnt.

"Das Ergebnis meiner Interpretation ist, dass wir uns in einer extrem gefährlichen Situation befinden, und die westliche Politik verschärft diese Risiken. Für die russische Führung hat das, was in der Ukraine passiert, wenig damit zu tun, dass ihre imperialen Ambitionen durchkreuzt werden; es geht darum, mit dem umzugehen, was sie als direkte Bedrohung für Russlands Zukunft ansieht."

Lawrow habe richtigerweise bereits im Januar dieses Jahres festgestellt, der Schlüssel zu allem sei die Zusicherung, dass es zu keiner weiteren NATO-Ostexpansion kommt, so Mearsheimer.

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