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Der "Fall" Dietmar Hopp: Wenn aus der Bundesliga plötzlich ein Benimmkurs wird

Der "Fall" Dietmar Hopp: Wenn aus der Bundesliga plötzlich ein Benimmkurs wird
Fans des FC Bayern München beleidigen Dietmar Hopp als "Hurensohn" in Sinsheim am 29. Februar 2020.
Am letzen Spieltag äußerten in mehreren Stadien Deutschlands Fußballfans ihren Unmut gegen den Mäzen von Hoffenheim, Dietmar Hopp, und den Deutschen Fußball Bund (DFB) – mit zum Teil drastischen Worten und Bildern. Nun ist die Aufregung groß – und die Doppelmoral ebenso.

Ein paar Stunden nach den Vorfällen von Sinsheim verkündete DFB-Chef Fritz Keller im "Machtkampf mit der Fankurve" das Ende aller Kompromisse. "Jetzt ist Schluss, jetzt müssen die Grenzen gezeigt werden", erklärte der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes im ZDF unter dem Eindruck der neuerlichen aggressiven Tiraden von Fans gegen den Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp.

Das harte Durchgreifen mit zwei Spielunterbrechungen beim Gastspiel des FC Bayern München in Sinsheim, das demonstrative Ballgeschiebe der Stars, die Proteste in anderen Stadien – all die denkwürdigen Szenen dieses Spieltags drohen den deutschen Fußball zu spalten. Die Rufe beim DFB und bei der Bundesliga nach einem "harten Durchgreifen" werden stündlich lauter.

Da waren sie noch gute Freunde. Oder doch nicht?  Jürgen Klinsmann und Sportdirektor Michael Preetz während einer Pressekonferenz am 27. November 2019 in Berlin.

"Ein schwarzer Tag für den Fußball"

Die Vorfälle auch in Dortmund, Köln und am Sonntag beim Spiel vom 1. FC Union in Berlin gegen Wolfsburg erschienen wie eine konzertierte Aktion der verschiedenen Fangruppen. Der FC Bayern München wusste sogar vorab von den Plänen seiner Münchner Fan-Szene. Empört sprach Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge danach von "einem schwarzen Tag für den Fußball" und betonte: "Es muss aufhören. Ich werde mich mit dem heutigen Tag nicht mehr wegducken. Auch auf die Gefahr hin, dass ich irgendwann mit Leibwächtern durch die Gegend laufen muss."

Als "Tiefpunkt" bezeichneten Karl-Heinz Rummenigge, der DFL-Chef Christian Seifert und Fritz Keller unisono die erneuten Tiraden beim 6:0 der Bayern bei der TSG Hoffenheim. In den letzten 13 Minuten schoben sich beide Teams den Ball aus Protest gegen die Banner nur noch hin und her. Das zuständige Polizeipräsidium Mannheim kündigte am Sonntag an, wegen der Vorfälle auf den Rängen eine Ermittlungsgruppe zu bilden.

Der Ärger mehrerer Fangruppen, der sich gegen Kollektivstrafen wie den zweijährigen Auswärtsbann für BVB-Fans in Sinsheim richtet, ist nicht neu. Neu ist der rigorose Umgang damit seitens des DFB und von Schiedsrichter Christian Dingert, der unverzüglich das Spiel unterbrach, als das erste Anti-Hopp-Plakat im Bayern-Block aufgetaucht war. Trotz dieses klaren Zeichens folgten am Sonntag auch Union-Anhänger dem Beispiel der Bayern-Fans und provozierten mit Schmäh-Bannern gegen Hopp und den DFB zwei Unterbrechungen des Bundesliga-Spiels in Berlin.

Der gerne gesellschaftskritische Christian Streich ordnete die Vorfälle in einen größeren Zusammenhang ein: "Was in diesem Land in den letzten zehn Monaten passiert ist, in puncto Hetze, in puncto Anschläge auf Politiker, auf jüdische Einrichtungen und jetzt auf eine türkische Shisha-Bar, ist extrem gefährlich", sagte der Trainer des SC Freiburg, der in Dortmund die Schmähgesänge der BVB-Fans gehört hatte. "Diese Hetze gegen Menschen ist nicht hinnehmbar."

(Archivbild). Jürgen Klopp während einer Pressekonferenz in Doha, Katar, am 20. Dezember 2019.

DFB-Boss Keller erklärte, der Drei-Stufen-Plan mit Unterbrechung, Stadiondurchsage, Spieler in die Kabine schicken und notfalls Abbruch gelte "für Hassplakate jeglicher Art, auch Rassismus und Antisemitismus".

Doch auch der DFB muss sich einige Fragen gefallen lassen. Während bei den rassistischen Vorfällen gegen Jordan Torunarigha vom Hertha BSC jüngst auf Schalke das Pokalspiel nicht einmal unterbrochen wurde, handelte der Schiedsrichter diesmal konsequent und unverzüglich. Das wirft bei vielen Beteiligten Fragen auf. Kritik muss sich der DFB auch beim Fall von Herthas B-Jugend gefallen lassen. Die Junioren hatten im Februar wegen rassistischer Vorfälle geschlossen den Platz verlassen – doch das Spiel wurde anschließend als Niederlage für die Berliner gewertet.

Unantastbarkeit der Würde des Menschen

Die Bayern-Fans nannten die Unterbrechung vom Samstag "einfach nur überzogen und absurd" und prophezeiten in einer Mitteilung am Abend: "Will man zukünftig immer, wenn solche Beleidigungen auf der Zuschauertribüne geäußert werden, Fußballspiele ab- oder unterbrechen, wird man keine Partie mehr über 90 Minuten spielen können." Dass nach all dem Wirbel vom Samstag auch am Sonntag die Fans in Berlin den 79 Jahre alten Hopp noch einmal ausdrücklich schmähten, könnte ein Vorgeschmack auf die kommenden Wochen sein.

Der Bundesligist 1. FC Union Berlin versucht nun einen differenzierten Umgang mit den Vorfällen. "Die Diffamierung von Menschen verurteile ich aufs Schärfste, so etwas ist nicht tolerierbar. Die Verrohung des Umgangs miteinander in unserer Gesellschaft, die sich auch rund um Fußballspiele widerspiegelt, ist äußerst besorgniserregend", sagte Club-Präsident Dirk Zingler in einer Mitteilung nach dem 2:2 gegen den VfL Wolfsburg.

Klinsmann und Merkel bei der WM 2006: Das Lachen ist ihnen derzeit allerdings  vergangen ...

Gegen Ende der ersten Halbzeit hatten Anhänger der Köpenicker ein Plakat mit Hopp-Porträt im Fadenkreuz und eine Beleidigung des Mäzens von 1899 Hoffenheim präsentiert. Deshalb hatte der Schiedsrichter Bastian Dankert die Teams zeitweise in die Kabinen geschickt, die Partie stand kurz vor dem Abbruch. Erstmals war das Spiel unterbrochen worden, nachdem die Union-Fans die Wiederaufnahme von Kollektivstrafen durch den DFB scharf kritisiert hatten.

"Das Recht zur freien Meinungsäußerung ist ein hohes Gut in unserer Gesellschaft, das auch vermeintliche Geschmacklosigkeiten einschließt", betonte Zingler. "Es darf selbstverständlich dazu genutzt werden, kritikwürdige Zustände im Fußball anzusprechen. Aber die Unantastbarkeit der Würde des Menschen ist die Grundlage unseres Zusammenlebens, diese gilt es zu schützen."

Die am Sonntag "gewählte Ausdrucksform des Fanprotests ist in ihrer Symbolik nicht geeignet, für Fananliegen zu werben. Sie erreicht zwar höchste mediale Aufmerksamkeit, erzeugt aber eine breite Ablehnung berechtigter Anliegen von Fans", sagte Zingler. "Alle an dieser Protestform Beteiligten wären gut beraten, innezuhalten und geeignete Ausdrucksformen für ihre Positionen zu finden."

Erstaunlich jedoch, dass sich keiner aus den "alteingesessenen Fußballvereinen" mehr an die eigene Kritik in Richtung Hopp und Hoffenheim erinnern mag. Denn als die Hoffenheimer, beflügelt durch das Geld von Hopp, die ersten Erfolge im Profifußball verbuchten, klang es aus einigen Chefetagen der Bundesliga noch ganz anders.

Franck Ribéry (r.) vom FC Bayern München am 3. Januar 2011 auf dem Trainingsplatz der Aspire Academy for Sports Excellence in Doha. Die Mannschaft befand sich einmal mehr für ein einwöchiges Trainingslager vor dem Rückrundenstart in Katar.

Dass damals ein Milliardär einem "Dorfverein" quasi den Durchmarsch in die Bundesliga ermöglichte, wurde durchaus kritisch von der Konkurrenz beäugt. Der Hauptvorwurf lautet, Hopp verstoße gegen die 50+1-Regel. So greife der Mäzen mitunter direkt in das operative Geschäft des Vereins ein, was Investoren verboten ist.

Dialog mit den kritischen Fans lehnte Hopp ab

Als einer der heftigsten Kritiker profilierte sich in diesem Zusammenhang ausgerechnet Hans-Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund. Er warnte 2009 vor einer Benachteiligung von "Traditionsvereinen" gegenüber "Retortenclubs". Watzke forderte die DFL sogar auf, entsprechende Untersuchungen in Hoffenheim anzustellen. Auch Christian Heidel teilte 2007 – damals noch als Manager von Mainz 05 – gegen Hoffenheim und Hopp aus. Es sei schade, dass "so eine Mannschaft einen der 36 Plätze im Profifußball wegnimmt", so Heidel.

Hopp selbst bekräftigte sein Engagement für den Fußball. "Ich lasse mich von diesen Chaoten in meinem Handeln weder sportlich noch gesellschaftlich beeinflussen und vertreiben", so der Milliardär. Einen Dialog mit den kritischen Fans lehnte er ab: "Ich sehe keinen Sinn darin, mich mit Menschen auseinanderzusetzen, denen ich noch nie etwas getan habe, die mich seit Jahren grundlos massiv beleidigen und gar keinen Konsens wollen."

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(rt/dpa)

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