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Wegen Steuerskandal Cum-Ex: Großrazzia bei der Deutschen Börse

Wegen Steuerskandal Cum-Ex: Großrazzia bei der Deutschen Börse
Die Staatsanwaltschaft Köln durchsucht derzeit im Zusammenhang mit Aktiengeschäften zulasten der deutschen Staatskasse die Zentrale der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt am Main. Ein Sprecher der Deutschen Börse AG bestätigte die Durchsuchungen "im Rahmen von Cum-Ex".

Die Durchsuchungen begannen nach Informationen vom Handelsblatt am Dienstagvormittag in dem Gebäude der Finanzfirma in Eschborn nahe Frankfurt. Die Federführung bei der Durchsuchung hat die Staatsanwaltschaft Köln. Es geht um Aktiengeschäfte zu Lasten der Steuerzahler, die als Cum-Ex-Deals bekannt sind.

Ein Sprecher der Deutschen Börse AG bestätigte, "dass im Rahmen internationaler Ermittlungen in Sachen Cum-Ex heute Durchsuchungen von Räumlichkeiten der Gruppe Deutsche Börse stattfinden". Zudem betonte der Sprecher:

Die Deutsche Börse kooperiert – wie bereits in der Vergangenheit – mit den Ermittlungsbehörden vollumfänglich.

Die Durchsuchungen erfolgten im Rahmen von Ermittlungen gegen Kunden und Mitarbeiter. 

Hintergrund:

Seit Jahren ermitteln Staatsanwälte und Steuerfahnder im Skandal um umstrittene "Cum-Ex"-Aktiendeals - nun rückt das erste Gerichtsverfahren näher. Die Staatsanwaltschaft Köln wirft zwei Männern im Alter von 41 und 38 Jahren besonders schwere Steuerhinterziehung in mehr als 30 Fällen vor, wie das Landgericht Bonn am Montag mitteilte. Gesamtschaden: über 440 Millionen Euro. Eine entsprechende Klageschrift ist verschickt worden.

Wo sind sie die Milliarden? Hinweise auf die trickreichen Deals hat es immer wieder gegeben, auch in Schäubles Amtszeit als Finanzminister.

Die beiden Beschuldigten waren Medienberichten zufolge als Aktienhändler tätig und unterstützten die Ermittlungen als Kronzeugen. Sie haben nun einen Monat Zeit zur Stellungnahme. Danach entscheidet die 12. Große Strafkammer des Landgerichts, ob sie die Anklage zulässt und die Hauptverhandlung eröffnet - in der Regel ist dies der Fall. Die Hauptverhandlung könnte dann im Herbst beginnen.

Bei "Cum-Ex"-Aktiendeals nutzen Investoren eine Lücke im Gesetz, um den Staat über Jahre um Milliardensummen zu prellen: Rund um den Dividendenstichtag wurden Aktien mit (cum) und ohne (ex) Ausschüttungsanspruch rasch zwischen mehreren Beteiligten hin- und hergeschoben. Am Ende war dem Fiskus nicht mehr klar, wem die Papiere überhaupt gehörten. Die Folge: Finanzämter erstatteten Kapitalertragsteuern, die gar nicht gezahlt worden waren. Europaweit soll sich der Schaden auf mehr als 55 Milliarden Euro belaufen. In Deutschland schloss der Staat das Steuerschlupfloch im Jahr 2012.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt, bei der zu "Cum-Ex" zehn Verfahrenskomplexe anhängig sind, ließ auf der Suche nach Beweisen am vergangenen Donnerstag zum dritten Mal Räume der Großkanzlei Freshfields in Frankfurt durchsuchen, wie die Kanzlei bestätigte. Zudem nahmen Staatsanwälte und Steuerfahnder den Arbeitsplatz eines Mitarbeiters bei einem Fondsanbieter in Frankfurt sowie die Wohnung eines Beschuldigten im Hochtaunuskreis unter die Lupe.

Nach Mitteilung der Generalstaatsanwaltschaft vom Montag richten sich die Ermittlungen gegen acht Beschuldigte. Darunter sind zwei Freshfields-Anwälte, denen wegen Beratungsleistungen im Zusammenhang mit "Cum-Ex" Beihilfe zur besonders schweren Steuerhinterziehung vorgeworfen wird. Räume von Freshfields waren bereits im Oktober 2017 und im November 2018 durchsucht worden:

Die Durchsuchung bezog sich auf ein früheres Mandatsverhältnis unserer Kanzlei. Wir sind zuversichtlich, dass unsere Beratung rechtlich nicht zu beanstanden war", erklärte ein Kanzlei-Sprecher zu der aktuellen Aktion.

Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt hatte im Mai 2018 die bundesweit erste Anklage in einem "Cum-Ex"-Fall erhoben. Über die Zulassung dieser Anklage hat das Landgericht Wiesbaden bislang nicht entschieden.

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