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Chemnitz außer Kontrolle: Proteste und Ausschreitungen nach tödlicher Messerattacke

Chemnitz außer Kontrolle: Proteste und Ausschreitungen nach tödlicher Messerattacke
Proteste in Chemnitz am Sonntag
In Chemnitz wird in der Nacht zum Sonntag ein Mann erstochen, zwei weitere werden verletzt. Die mutmaßlichen Täter sind junge Migranten. In der Stadt kommt es zu spontanen Protesten und Ausschreitungen gegen Ausländer. Das Stadtfest wird abgebrochen.

Nach einer tödlichen Messerattacke in der Nacht zum Sonntag und den darauffolgenden Protesten und Demonstrationen ist das Chemnitzer Stadtfest am Sonntagnachmittag vorzeitig abgebrochen worden.

Wie die Chemnitzer Polizei mitteilte, war es am frühen Sonntagmorgen gegen 3:15 Uhr zu einer tätlichen Auseinandersetzung "zwischen mehreren Personen unterschiedlicher Nationalitäten gekommen". Dabei erlitten drei Männer zum Teil schwere Verletzungen. Ein 35-Jähriger erlag noch in der Nacht seinen Verletzungen. Die Polizei konnte in der Nähe des Tatorts zwei Verdächtige im Alter von 22 und 23 Jahren festnehmen, konnte aber noch nicht bestätigen, dass diese in die Auseinandersetzungen verwickelt waren.

Zur Nationalität der Verdächtigen wollte die Polizei keine Angaben machen. Nach Informationen von Tag24 hatten Rettungskräfte berichtet, dass es sich um Syrer handeln solle. Bei den Opfern soll es sich um Deutsche russischer und kubanischer Abstammung handeln. Gerüchte, dass der Auseinandersetzung eine sexuelle Belästigung einer Frau vorausging, dementierte die Polizei.

Am Montag Vormittag dementierte die Polizei auf Twitter Berichte, nach denen ein zweites Opfer verstorben sei:

Nach Bekanntwerden des Vorfalls wurde in sozialen Netzwerken zu einer spontanen Kundgebung für 15 Uhr aufgerufen. Bis zu 1.000 Menschen zogen daraufhin durch die Stadt, unter ihnen Rechtsextreme. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei und zu Übergriffen auf Migranten. Die Polizei war mit der Situation offensichtlich überfordert.

Am Sonntagabend teilte die Polizei mit, dass wegen der Vorkommnisse vier Anzeigen bearbeitet würden, darunter zwei wegen Körperverletzung, eine wegen Bedrohung sowie eine wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. In der Nacht zum Montag zeigte die Polizei verstärkt Präsenz im Stadtgebiet; es kam zu keinen weiteren Zwischenfällen.

Am frühen Sonntagnachmittag wurde entschieden, das Chemnitzer Stadtfest vorzeitig abzubrechen. Als Grund wurde zunächst die tödliche Messerattacke genannt: "Pietät und Anteilnahme den Opfern" hätten diesen Entschluss bedingt. Später wurde bekannt, dass der wirkliche Grund in der Sorge der Veranstalter vor Chaos im Zuge der angekündigten Proteste bestand.

In den Medien fanden die Proteste und die mit ihnen verbundenen Ausschreitungen ein deutlich größeres Echo als die Bluttat selbst. Chemnitz steht dabei wieder einmal als Hochburg von Rechtsextremen in den Schlagzeilen. Spiegel Online titelte "Entsetzen in Chemnitz" – und bezog sich dabei auf die Proteste und Ausschreitungen, die Entsetzen ausgelöst hätten.

Entsprechend äußerte sich auch die Oberbürgermeisterin der Stadt, Barbara Ludwig: "Dass es möglich ist, dass ganze Gruppen sich so schnell bei Facebook verabreden und in der Stadt Angst verbreiten, ist schon schlimm."

Ein Blick in die sozialen Netzwerke zeigt allerdings, dass die Protestierenden, gerade auch vor Ort, auf erhebliche Zustimmung stoßen und die öffentliche Meinung von der veröffentlichten Meinung wieder einmal abweicht. Für heute haben sowohl rechte als auch linke Gruppen in Chemnitz zu Kundgebungen aufgerufen. Es ist nicht davon auszugehen, dass sich die Lage in der Stadt schnell beruhigt.

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