Deutschland - Bye bye, US Army?

Deutschland - Bye bye, US Army?
Werden die US-Truppen in Deutschland ihre Rucksäcke packen müssen?
Jüngste Umfragen zu dem von US-Präsident Donald Trump aufgeworfenen Thema zum Abzug seiner Truppen aus Deutschland sprechen eine klare Sprache. Gegner dieses Vorstoßes sind insbesondere strukturschwache Regionen mit US-Basen.

Des einen Freud, des andern Leid, heißt es in einem Sprichwort. Nicht anders verhält es sich bei dem von US-Präsident Donald Trump verursachten Wirbel hierzulande, dass er mit dem Gedanken spiele, die US Army nach über siebzig Jahren aus Deutschland abzuziehen. Überhaupt war es offenbar eine ziemliche Überraschung für den amerikanischen Präsidenten, dass es in der Bundesrepublik so viele US-amerikanische Truppen gibt. Das Pentagon soll nun prüfen, ob und wie man so einen Abzug überhaupt bewerkstelligen könnte.

In Deutschland spricht sich hingegen eine Mehrheit von 42 Prozent für einen Abzug der US-Truppen aus, während 37 Prozent es gerne sehen würden, wenn die US-Boys blieben und somit den deutschen Steuerzahler weiterhin jedes Jahr rund eine Milliarde Euro kosten. Zu denen, die eine weitere US-Präsenz in Deutschland – manche Kritiker nennen es sogar Besatzung – befürworten, gehören oft jene Gemeinden und Städte, in denen sich jeweils ein eigener kleiner Mikrokosmos um die US Army herum entwickelt hat.

Gehen sie bald nach Haus? -  Nach dem Willen der Mehrheit der Bürger sollten die hierzulande stationierten US-Soldaten Deutschland den Rücken zukehren.  (Foto zeigt US-Soldaten bei Hohenfels, Oktober 2017)

Zu solchen Gebieten gehört beispielsweise die Oberpfalz in Bayern, wo sich gleich mehrere große US-Basen befinden. Für diese eher strukturschwache Region mit etwas über einer Million Einwohner verteilt auf 9.691 Quadratkilometer hätte ein Abzug der US-Truppen womöglich ernstzunehmende Konsequenzen. Thomas Deffner, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CSU und Bürgermeister der Stadt Ansbach, sieht durch einen Abzug sogar die Wasser- und Abwasserpreise in Gefahr, sollte die US Army aus ihren Kasernen abziehen. Und da fängt dann schon das nächste Problem an: Was passiert mit dem freigewordenen Raum?

Wie wichtig die rund 35.000 US-Soldaten und ihre Familien für manche Regionen sind, zeigt auch ein Bericht des Bundestags, der festhält: Die Truppen stellten "nicht nur einen wichtigen Wirtschaftsfaktor" dar, sondern entlasteten "durch die Beschäftigung deutscher Arbeitnehmer auch den lokalen Arbeitsmarkt".

Heinrich Förster ist Bürgermeister von Illesheim, immerhin das Zuhause der Storck Barracks, einer 164 Hektar großen Kaserne und Teil der "12th Combat Aviation Brigade" mit Hauptsitz in Ansbach, und hält gar nichts von einem US-Truppenabzug:

Überall, wo die Amerikaner abgezogen sind, hat es Heulen und Zähneklappern gegeben.

Nicht alle teilen Försters Pessimismus. Lärmgeplagte Anwohner und Kriegsgegner hätten nichts gegen einen Abzug der US-Truppen aus Deutschland. Ganz im Gegenteil. André Meyer ist Pressesprecher der Bürgerinitiative "Etz langt's!", welche sich schon lange wegen gesundheitlicher Bedenken aufgrund der Feinstaubbelastung durch die US-Kampfhubschrauber und natürlich wegen der enormen Lärmbelastung für einen Abzug einsetzt. Er sieht die möglichen Veränderungen in der Region nicht als Gefahr, sondern vielmehr als eine Chance für einen Wandel:

Die Unabhängigkeit vom US-Militär wäre ein Vorteil für die Region. Die zivile Umnutzung schafft Zukunftschancen für Westmittelfranken. Händeringend benötigter bezahlbarer Wohnraum und stark nachgefragte Gewerbeflächen könnten so entstehen.

Nebst wirtschaftlichen Aspekten spielt auch die nicht zu leugnende Problematik mit Delikten wie Trunkenheit am Steuer, Prügeleien und Vergewaltigungen eine Rolle. Es sind dann eben nicht nur fröhliche "deutsch-amerikanische Partys", die "gerade im Sommer an der Tagesordnung" sind. Aber solche Themen werden in Deutschland höchst ungern publiziert. Überall dort, wo es US-Basen gibt, tauchen plötzlich immer wieder diese Probleme auf.

"Sex, Drugs and Rock'n'Roll", kombiniert mit der in der US Army vorherrschenden Kultur von Macht, Dominanz und Unterordnung, führte selbst innerhalb des Militärs zu schwerwiegenden Problemen. Eine Studie aus dem Jahr 2003 kam zum Schluss, dass 30 Prozent der Soldatinnen mindestens einmal von ihren Kollegen vergewaltigt wurden. Ein Jahr später belegte eine weitere Studie, dass 71 Prozent jener Frauen, die nach ihrem Dienst Hilfe zur Bewältigung von posttraumatischen Störungen suchten, angaben, entweder vergewaltigt oder sexuell belästigt wurden. Auch eine große Zahl von Männern wird laut der renommierten American Psychological Association zum Ziel sexueller Übergriffe, wie ihre 2014 veröffentlichte Studie zeigte.

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