Altersarmut in Deutschland: Fast jede zweite Rente unter 800 Euro

Altersarmut in Deutschland: Fast jede zweite Rente unter 800 Euro
Laut dem Paritätischen Wohlfahrtsverband hat die Armut bei Menschen ab 65 Jahren im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen in Deutschland im Zeitraum von 2005 bis 2016 am stärksten zugenommen.
Eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion brachte zutage, dass immer mehr Menschen dem Risiko von Altersarmut ausgesetzt sind. Rund 48 Prozent der Rentner sollen schon heute weniger als 800 Euro bekommen.

Fast jede zweite Altersrente in Deutschland liegt einem Medienbericht zufolge unter 800 Euro im Monat. Dies berichteten die Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland am Donnerstag unter Berufung auf eine Antwort des Bundesarbeitsministeriums auf eine Anfrage der Linken-Bundestagsfraktion.

Vor allem aufgrund politischer Entscheidungen wird das traditionelle Arbeitsmodell immer seltener, und die Instabilität für Arbeitnehmer nimmt zu.

Rund 8,6 Millionen Rentner erhielten Ende 2016 demnach eine Rente von weniger als 800 Euro monatlich - ein Anteil von 48 Prozent. Das Ministerium legt in dem Bericht Wert auf die Feststellung, dass die Rentenhöhe für sich genommen nur eingeschränkt Hinweise auf die Einkommenssituation im Alter liefere.

Grund dafür sei, dass weitere Einkommen nicht berücksichtigt würden – etwa die anderer Haushaltsmitglieder. Die Zahlen beziehen sich dem Bericht zufolge auf Renten nach Sozialversicherungsbeiträgen, jedoch vor Abzug von Steuern. Daten für 2017 lagen demnach noch nicht vor.

Sabine Zimmermann, Rentenexpertin der Linken, äußerte sich besorgt:

Die Zahlen zeigen, dass schon heute ein großer Teil gesetzliche Rentenbezüge unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle und sogar unter der Grundsicherungsschwelle erhält.

Laut einer Studie des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes hat die Armut bei Menschen ab 65 Jahren hat im Vergleich zu allen anderen Altersgruppen in Deutschland im Zeitraum von 2005 bis 2016 am stärksten zugenommen. Demnach sei fast jede sechste Person im Rentenalter mittlerweile von der sogenannten relativen Einkommensarmut betroffen, die sich an den mittleren Einkommen aller Haushalte orientiert.

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"Die Armut von Rentnerinnen und Rentnern ist in den vergangenen Jahren so stark gestiegen wie bei keiner anderen Bevölkerungsgruppe. Armut ist ein Schicksal, von dem Menschen im Rentenalter mittlerweile überdurchschnittlich und besonders hart betroffen sind", hatte Dr. Joachim Rock, Rentenexperte des Paritätischen Gesamtverbands schon in 2017 erklärt

Diese Entwicklung sei kein Zufall, sondern auch eine Konsequenz aus den rentenpolitischen Reformen der letzten Jahrzehnte, mit denen beispielsweise das Ziel der Lebensstandardsicherung in der Rente dem Ziel der Beitragssatzstabilität geopfert worden sei, kritisierte der Verband.

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(rt deutsch/dpa)

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