Studie: Aufschwung erreicht nicht die untersten Einkommensschichten

Studie: Aufschwung erreicht nicht die untersten Einkommensschichten
Eineuromünze, 8. April 2017.
Die Wirtschaft in Deutschland brummt seit Jahren, die Arbeitslosigkeit ist gering. Laut einer Studie erreicht der Aufschwung aber nicht die untersten Einkommensgruppen. Die Einkommen der Top-Verdiener stiegen hingegen um 30 Prozent.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) kam zu dem Ergebnis, dass zwar zwischen 1991 bis 2015 die real verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte im Schnitt um 15 Prozent gestiegen sind, aber nicht die untersten Einkommensgruppen von dem Aufschwung profitierten. Grundlage für die Untersuchung sind die Daten der "Längsschnittstudie Soziooekonomisches Panel".

Für Deutschland ist es das neunte Wachstums-Jahr in Folge und der Aufschwung soll sich weiter fortsetzen. Auch die Arbeitslosigkeit ist nach Prognosen rückläufig. 

Aber gleichzeitig waren auch zwischen 1991 und 2015 allerdings waren bei den zehn Prozent der Personen mit den niedrigsten Einkommen, die monatlich im Durchschnitt real über rund 640 Euro verfügen, laut Studie die Haushaltseinkommen rückläufig. Demgegenüber stiegen die Einkommen der Top-Verdiener zwischen 1991 und 2015 im Schnitt um 30 Prozent.

Das bedeute aber nicht zwangsläufig, dass die Menschen, die in den 1990er Jahren niedrige Einkommen erzielten, heute individuell schlechter gestellt seien, erläuterte Studienautor Markus Grabka. Sie könnten sich mittlerweile in einer anderen Einkommensgruppe befinden:

Aber es zeigt, dass bei weitem nicht alle von der positiven Einkommensentwicklung, die in den letzten Jahren im Wesentlichen dank der boomenden Wirtschaft und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit stattgefunden hat, profitiert haben.

Das habe mehrere Gründe: zum einen die Ausweitung des Niedriglohnsektors, zum anderen der wachsende Bevölkerungsanteil älterer Menschen - deren Alterseinkommen seien im Schnitt geringer als das Erwerbseinkommen. Eine Rolle spiele außerdem die Zuwanderung, die seit 2007 zugenommen habe. Jan Goebel, Co-Studienautor:

Diese neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger haben aber in der ersten Zeit nach ihrer Ankunft in der Regel niedrige Einkommen.

Das zeige sich auch daran, dass der Anteil der Personen mit direktem Migrationshintergrund, die also selbst nach Deutschland zugewandert seien, an den niedrigen Einkommensgruppen zunehme. Allerdings zeigten die verfügbaren Daten, dass sich die Einkommensposition der Migranten verbessere, je länger sie sich im Land aufhalten. 

Die Studie legt außerdem dar, dass in den vergangenen Jahren das Armutsrisiko gestiegen sei. Die Schwelle liegt laut Definition bei einem verfügbaren Nettohaushaltseinkommen von 1090 Euro für einen Einpersonenhaushalt. Die Armutsrisikoquote, also der Anteil der Bevölkerung, deren Einkommen unter dieser Schwelle liegt, lag demnach im Jahr 2015 bei 16,8 Prozent. In den 1990er Jahren habe diese Quote noch elf Prozent betragen, im Jahr 2014 knapp 16 Prozent. Die Hälfte der Deutschen hat zudem weniger als 17.000 Euro angespart. Im EU-Vergleich sind die Vermögen in Deutschland ungleicher verteilt als in Spanien oder Frankreich. 

Vor allem aufgrund politischer Entscheidungen wird das traditionelle Arbeitsmodell immer seltener, und die Instabilität für Arbeitnehmer nimmt zu.

Ein relevanter Teil des Anstiegs sei auf die Zuwanderung zurückzuführen. Menschen mit direktem Migrationshintergrund hätten im Jahr 2015 eine Armutsrisikoquote von 29 Prozent, Personen mit indirektem Migrationshintergrund - von denen mindestens ein Elternteil zugewandert ist - von 25 Prozent. In diesen Zahlen seien sind die Menschen, die erst im Jahr 2015 und später nach Deutschland zugewandert sind, noch nicht enthalten.

Eine wesentliche Aufgabe für die Gesellschaft als Ganzes und insbesondere für die Politik sei es, die neu zugezogenen Migranten schnell und zielgenau zu unterstützen, damit ihre Integration rasch erfolge und sie schnell höhere Einkommen erzielen können, so Goebel.

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(rt deutsch/dpa)

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