Böhmermann, die Zweite - Aufregung um #ReconquistaInternet

Böhmermann, die Zweite - Aufregung um #ReconquistaInternet
Nach dem Skandal um das Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Erdoğan sorgt eine neue Aktion von ZDFneo-Moderator Jan Böhmermann für Aufregung. Ziel der Aktion diesmal: verdächtige Twitteraccounts, die in Listen öffentlich gemacht werden.

Erneut erntet eine Aktion des Satirikers Jan Böhmermann Kritik im Internet. Mit einer Gruppe von Freiwilligen will er gegen rechte Trolle und Hassposts im Internet vorgehen.

Der Name #ReconquistaInternet ist angelehnt an Reconquista Germania, auch Reconquista Germanica, ein Propagandaprojekt im Internet, das rechte Inhalte in sozialen Medien verbreitet, prominente Accounts attackiert und versucht, den politischen Diskurs zu manipulieren. Auch Jan Böhmermann sollte angeblich Opfer eines solchen koordinierten Angriffs werden.

Aus Versehen Bürgerrechtsbewegung

Böhmermann nennt seine Aktion eine "aus Versehen gegründete Bürgerrechtsbewegung". Treffpunkt im Netz ist Discord, ein bekannter Gamechat-Server. Angekündigt wurde #ReconquistaInternet in der Sendung Neo Magazine Royale vom 26.4.2018. Offizieller Start war der 1. Mai. Nach eigenen Angaben haben sich inzwischen mehr als 50.000 Personen der Discord-Gruppe angeschlossen.

Böhmermann und seine Anhänger wollen

den Wi***ern, die uns den Spaß am Internet verderben, den Spaß am Internet verderben".

Der Moderator kündigte an, auf dem Discord-Server von #ReconquistaInternet eine Liste der Pseudonyme, Facebook-Accounts und Twitterhandles der Reconquista-Germanica-Anhänger zu veröffentlichen.

Damit, so Böhmermann, könne man dann machen, was man will, "blocken, melden, mit Liebe überschütten". Zudem kündigt der Moderator rechtliche Schritte an.

"Vielleicht veröffentlichen auch wir bei #ReconquistaInternet die gefakten IP-Adressen der Internet-Nazis und die Proxy-Server, die sie zur Verschleierung ihrer echten IP-Adressen benutzen. Möglicherweise haben meine Kameraden aber auch diese Liste schon der Polizei und der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und dem Bundesamt für Verfassungsschutz übergeben."

Der Ankündigung in Neo Magazin Royale folgte ein Aufruf auf YouTube, unter welchem Listen gespostet wurden, die 170 bzw. 1.270 Profile "rechter Trolle" enthalten, die von den Machern des Projekts dem rechten Spektrum zugeordnet wurden.

Mehrere AfD-Politiker, darunter Petr Bystron, und ein Mitglied der Schweizer SVP sind ebenso in den Listen zu finden.

Distanz zu den Öffentlich-Rechtlichen gesucht

Schon in der Ankündigung zur Aktion stellte Böhmermann klar, dass diese Aktion nicht über die Kanäle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehe.

Links und Listen wurden auf seinem privaten Twitteraccount veröffentlicht.

Bei einem zugeschalteten Auftritt auf der re:publica 18 erklärte er, das Projekt werde von einem Verein getragen, der "demokratisch ist, nicht ganz transparent, aber von guten Leuten geführt".

Neben viel Lob von prominenter Seite, z.B. Manuel Neuer, kam aber auch Kritik von Twitternutzern auf.

So stellte der bekannte Blogger DonAlphonso die Frage nach Einbindung öffentlich-rechtlicher Strukturen in die Aktion.

ZDFneo dementierte mehrmals ähnliche Anfragen mit dem gleichen Text:

Böhmermann könnte aber selbst schon ahnen, dass er erneut in den Fokus der Justiz gerät. Um Kritik vorzubeugen, es handele sich um eine spiegelbildliche Trollaktion, sagte er in Anlehnung an das Motto der rechten Reconquista:

"Keine Angst, liebe Juristen, das ist keine Selbstjustiz, sondern ein gigantisches satirisches Internetprojekt, ohne Bezug zur Wirklichkeit."

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