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Todesfahrer von Münster: Ermittler rätseln weiter über das Motiv von Jens R.

Todesfahrer von Münster: Ermittler rätseln weiter über das Motiv von Jens R.
Erste Blumen vor den Restaurants "Kleiner Kiepenkerl" und "Großer Kiepenkerl" am Tag nach der Amokfahrt vom 7. April 2018: Mit einem Kleintransporter war Jens R. vor den Restaurants in eine Gruppe von Menschen gerast und hatte zwei von ihnen getötet. Anschließend erschoss er sich im Wagen selbst.
Warum fuhr der Todesfahrer von Münster in die Menschenmenge? Nach wenigen Tagen kommen mehr und mehr Details ans Licht. Ermittler sind sich sicher, er handelte in Suizidabsicht. Doch das Motiv ist weiter unklar - und auch andere Fragen bleiben bislang offen.

Immer mehr Details zum Täter werden nach der Todesfahrt von Münster bekannt - doch ein konkretes Motiv gibt es bislang nicht. Die Ermittler sind sich inzwischen sicher: Der 48-Jährige wollte sich umbringen. Aber warum Jens R. zuvor mit einem Campingbus in eine Menge raste und so zwei Menschen tötete und 20 verletzte, das ist bislang nicht klar. Und die Ermittler sehen noch andere offene Fragen: Woher hatte der Mann die Waffe, mit der er sich erschoss? Und wieso wählte er ausgerechnet den Platz am Kiepenkerl in der Innenstadt von Münster?

Jens R. war in psychiatrischer Behandlung und litt an Verfolgungswahn

Nach der Todesfahrt von Münster am Samstagnachmittag schweben drei Verletzte weiter in Lebensgefahr. Ihr Zustand sei unverändert, erklärte die Polizei am Dienstagmorgen. Der 48 Jahre alte Jens R. war mit einem VW-Campingbus in der Innenstadt in die Menschenmenge gerast. Eine 51-Jährige und ein 65-Jähriger starben, weitere 20 Menschen erlitten Verletzungen. Der Täter erschoss sich.

Der Vater des Todesfahrers geht davon aus, dass eine psychische Krankheit seinen Sohn zu der Amokfahrt trieb. "Es war eine Krankheit, die ihn in zwei Welten hat leben lassen", sagte der 79-jährige Möbeldesigner der Deutschen Presse-Agentur (dpa) und fügte hinzu: "Er bildete sich etwas ein, was das Gegenteil der Wirklichkeit war." Sein Sohn habe schon 2015 von Selbstmord gesprochen.

Der Vater, der in dem kleinen Ort Madfeld im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen) lebt, sagte der dpa, sein Sohn habe an "Verfolgungswahn" gelitten. Er sei aber nicht gewalttätig gewesen. Sein Sohn sei auch in psychiatrischer Behandlung gewesen. Aber: "Er ist nicht oder falsch behandelt worden. Vielleicht hat er Medikamente bekommen, die die falschen Nebenwirkungen hatten", sagte der 79-Jährige.

Ermittlungsbehörden sicher, dass Jens R. in Suizidabsicht handelte

Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt teilte zu den bisherigen Ermittlungsergebnissen mit:

Nach der bisherigen Analyse und Auswertung der vorliegenden Dokumente, Spuren und Aussagen sind die Ermittlungsbehörden sicher, dass der 48-Jährige in Suizidabsicht handelte.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des ledigen und kinderlosen Mannes sei unter anderem ein über einen Balken gelegtes Hanfseil mit Henkersknoten gefunden worden. Das sei ein "eindeutiger Hinweis". Für die Suizidabsicht des Täters spreche auch die Tatsache, dass er sich unmittelbar nach dem Stillstand des Fahrzeugs erschoss.

Wie kam der Todesfahrer zu der Waffe, mit der er sich erschoss?

"Offensichtlich wollte sich der Täter nach der Todesfahrt direkt selber richten", bekräftigte der Leiter der Ermittlungskommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll, in der Mitteilung. Warum der Täter den Vorplatz des Restaurants in der Münsteraner Innenstadt als Ziel seiner Todesfahrt gewählt hat, sei aber weiter unklar. Bislang habe man keine Beziehung des Täters zum Tatort herstellen können.

Wichtig sei den Ermittlern auch zu klären, wie der Mann in den Besitz der Waffe gelangte, die im ehemaligen Jugoslawien hergestellt wurde. Dabei spiele auch die Frage eine Rolle, ob diese Waffe schon einmal im Zusammenhang mit einer Straftat zum Einsatz kam. Nach Informationen des NRW-Innenministeriums war der Täter, ein Industriedesigner, weder in Besitz eines Waffenscheins noch einer Waffenbesitzkarte.

"Bei einer Gesamtschau der Indizien sind wir uns sicher, der Täter handelte in Suizidabsicht", unterstrich Poll. Diese eindeutige Absicht habe der Mann entgegen anderslautenden Berichten im Zeitraum vor der Tat jedoch weder dargelegt noch gegenüber Dritten geäußert.

"Die mehrfach wahllos an Dritte übersandten Nachrichten enthalten keine ausdrückliche Ankündigung einer Selbsttötung. Sie sind jedoch Ausdruck einer zumindest temporären psychischen Labilität", hieß es in der gemeinsamen Pressemitteilung der Ermittler weiter.

Die Ermittlungskommission werte weiterhin alle Hinweise aus, befrage Zeugen und untersuche die sichergestellten Spuren und Beweismittel. Allein über das Hinweisportal des Bundeskriminalamtes (BKA) seien bislang rund 40 Dateien hochgeladen worden. Immer noch meldeten sich Menschen und wollten die Ermittlungsarbeit der Polizei mit ihren Hinweisen unterstützen.

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(rt deutsch/dpa)

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