Rassismusvorwurf: Mohren-Apotheken in Frankfurt sollen ihren Namen ändern

Rassismusvorwurf: Mohren-Apotheken in Frankfurt sollen ihren Namen ändern
Der Begriff "Mohr" werte schwarze Menschen ab und soll daher aus dem Sprachgebrauch verschwinden, fordert die Ausländervertretung in Frankfurt.
Das Wort "Mohr" ist rassistisch und soll aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden, so die kommunale Migrantenvertretung. Zwei Apotheken sollen sich umbenennen. Besitzer zeigen sich gesprächsbereit, verweisen aber darauf, dass die Betriebserlaubnis an den Namen gebunden sei.

In Frankfurt, aber auch darüber hinaus, ist eine hitzige Debatte entbrannt: Sollen zwei Frankfurter Apotheken, die in ihrem Namen das Wort „Mohr“ haben, ihren Namen ändern oder nicht? Das Wort „Mohr“ habe einen rassistischen Hintergrund, sagt die Kommunale Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (KAV) und forderte in einem Antrag die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung und den Magistrat deshalb auf, sich dafür einzusetzen, dass diese rassistischen Bezeichnungen und Logos – eine Arzneimittelausgabe hatte auch das Symbol eines schwarzen Frauenkopfes mit Turban, dicken Lippen und einem großen Ohrring – aus dem Stadtbild Frankfurts verschwinden. Eine der Apotheken heißt „Mohren-Apotheke“ und hat inzwischen das Logo von der Internetseite entfernt, die andere „Zeil-Apotheke zum Mohren“.

Jedes Land hat seine Klischees. Und vermutlich mag sie keiner mehr hören.

Apothekenbesitzerin verweist darauf, dass ihre Betriebserlaubnis an den Namen gebunden sei 

Karin Schweizer, Geschäftsführerin der Mohren-Apotheke, zeigte sich gegenüber der Frankfurter Rundschau überrascht, dass die Migrantenvertretung sie nicht direkt kontaktiert habe. Sie erläuterte, dass die in den 1960er-Jahren gegründete Arzneimittelausgabe den Namen schon sehr lange trage. Es sei ein bundesweit häufiger, „traditioneller Name für Apotheken“, der ursprünglich wohl auf die Verwendung von Arzneien aus fernen Ländern zurückgehe. Möglich wäre auch, dass sich die Apotheker auch dem Heiligen Mauritius als Schutzpatron der Kaufleute unterstellt hätten, der im 13. Jahrhundert oft als Schwarzer dargestellt wurde. Schweizer hätte die Apotheke mit diesem Namen vor knapp 20 Jahren übernommen und habe bislang keine Notwendigkeit gesehen, ihn zu ändern. „Wenn aber ein grundsätzliches Interesse daran besteht, muss man darüber sprechen“, so die Besitzerin. Eine Namensänderung aber sei sehr aufwendig und teuer, weil ihre Betriebserlaubnis an den Namen gebunden sei.

Die Antragstellerin Virginia Wangare Greinel sagte gegenüber der Frankfurter Neuen Presse, dass es hier um die ursprüngliche Besetzung dieser Worte gehe. Und die wäre negativ. „Mohr“, das war – und ist – abwertend, so Greinel, die in Kenia geboren wurde und seit über 30 Jahren in Frankfurt lebt. „Davon abgesehen: Wer wusste denn in der Kolonialzeit, dass Afrikaner mit ihrer Medizin fortschrittlich sind? Wann hat man denn mal gehört, dass so eine Apotheke sich für Afrikaner ausgesprochen hat? Von welchen Medikamenten aus Afrika weiß man denn hier?“ Die „Mohren“-Apotheke, das sei ein Klischee. Mit Respekt für das Wissen der Afrikaner hätte das nichts zu tun.

„Es geht nicht nur um ein kleines Logo, es geht nicht nur um ein Wort, es geht tiefer. Diese Wörter vermitteln Bilder. Negative Darstellung von afrikanischen Frauen, von afrikanischen Menschen.“ In der Zeit, aus der die stammten, würden die Afrikaner nicht wahrgenommen, und wenn doch, dann nur als Barbaren und Wilde, so Greinel. Sie könne heute damit nichts anfangen und die Namen hätten für sie nichts Positives.

Bei der anderen Apotheke steht der Begriff auf der Fassade eines denkmalgeschützten Gebäudes 

Der Besitzer der anderen Apotheke, Alexander Schwartz, erklärte gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass er den Zusatz "zum Mohren" in den Namen aufgenommen habe, weil er an der Fassade des Hauses, in dem einst ein Hotel unter diesem Namen war, festgehalten sei. Wenn der Name geändert werden sollte, müsste er dann auch von der Fassade verschwinden. Das Gebäude ist wiederum denkmalgeschützt und die Leiterin des Denkmalamts, Andrea Hampel, erklärt gegenüber der Frankfurter Rundschau, dass man einer Entfernung oder Abdeckung der historischen Fassade auf keinen Fall zustimmen werde. Der Begriff sei zur Bauzeit des Hauses nicht rassistisch gemeint gewesen, insofern „kann ich keinen Handlungsbedarf erkennen“, so Hampel.

Das Gremium begründet seinen Antrag damit, dass der Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) oft dazu aufgerufen habe, „dass in Frankfurt am Main kein Platz für Rassismus ist“. Er habe ebenfalls oft gefordert, Flagge zu zeigen. „Hier kann und muss die Stadt Frankfurt am Main Flagge gegen die Verwendung rassistischer Bilder und Bezeichnungen zeigen.“ Wann das Thema im Frankfurter Stadtparlament diskutiert werden soll, ist noch unklar.

Reaktionen gab es unter anderem von der Fraktion "Bürger für Frankfurt", die nun die Frage stellt, ob auch alle Einwohner, die Mohr heißen, ihren Namen jetzt ändern müssten. "Wenn das wirklich das größte Problem sein soll, über das wir diskutieren müssten, dann geht es uns gut", sagte die Stadtverordnete der Fraktion, Ingeborg Leineweber, gegenüber RT.

In der Vergangenheit wurden im Zuge der politischen Korrektheit bereits Diskussionen um die Begriffe "Mohrenkopf" oder "Negerküsse" geführt. Inzwischen benutzt man Begriffe wie Schokokuss oder Schaumkuss. Der Schokoladenhersteller Sarotti änderte nach Rassismusvorwürfen sowohl seinen Namen als auch das Aussehen des Markenzeichens. Seit 2004 hat der "Sarotti-Mohr" eine goldene Hautfarbe und heißt "Magier der Sinne".

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