Deutschland

Pornoportal xHamster droht Netzsperre wegen Missachtung des Kinder- und Jugendschutzes

Dass Kinder im Netz spielend leicht an harte Pornografie-Inhalte kommen, ist Medienaufsehern in Deutschland seit Langem ein Dorn im Auge. Für xHamster wird es langsam eng: Dem Pornoportal droht jetzt eine Netzsperre wegen Missachtung des Kinder- und Jugendschutzes.
Pornoportal xHamster droht Netzsperre wegen Missachtung des Kinder- und JugendschutzesQuelle: www.globallookpress.com © Annette Riedl / dpa

Dem reichweitenstarken Pornoportal xHamster droht eine Netzsperre wegen Missachtung des Kinder- und Jugendschutzes. Weil xHamster bislang jegliche Kommunikation verweigere und keine der Maßnahmen umgesetzt habe, um sein Angebot legal zu gestalten, sei man nun an die Netzbetreiber herangetreten, sagte der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen, Tobias Schmid, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Dies seien unter anderem Vodafone und Telekom:

"Wir haben sie über den Umstand informiert, dass es illegale Inhalte in ihren Netzen gibt, die zu sperren sind und hören sie dazu derzeit an. Dann entscheiden wir."

Bei xHamster habe die Aufsichtsbehörde einen bestandskräftigen Bescheid, gegen den keine Rechtsmittel mehr möglich seien, erklärte Schmid.

Ein Telekom-Sprecher sagte auf Anfrage, das Unternehmen setze Zugangssperren nur dann technisch um, wenn diese rechtskräftig angeordnet worden seien. Bei Vodafone hieß es, man arbeite gerade an der rechtlichen Bewertung.

xHamster teilte auf dpa-Anfrage mit, Netzsperren seien "weit von einer optimalen Lösung entfernt". Durch sie würden junge Menschen lediglich auf kleinere Seiten ausweichen, wo sie extremeren Inhalten ausgesetzt seien. Das Unternehmen sei bereit, mit den deutschen Behörden zusammenzuarbeiten. Altersüberprüfungen seien derzeit die einzige Möglichkeit, junge Menschen von Erwachseneninhalten fernzuhalten. Man könne eine solche Technologie einsetzen. Dies müsse aber branchenweit geschehen.

Der Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen sagte dagegen, es stehe dem Portal aber jederzeit frei, sich rechtskonform zu verhalten und damit das Verfahren gegen sich zu beenden:

"Ich kenne kaum jemanden, dem wir mehr Briefe und E-Mails geschickt haben als xHamster und wir haben genau null Antworten bekommen."

Er nehme "etwas erstaunt zur Kenntnis", dass einer der Netzbetreiber eine Anwaltskanzlei beauftrage, um üppige Fristverlängerung gebeten habe und "seine gesellschaftspolitische Verantwortung nicht schneller" annehme, sagte Schmid. Immerhin gehe es um die Gefährdung von Kindern und Jugendlichen. Bedauerlich wäre, wenn diese noch monatelang schutzlos blieben. Es gehe schließlich um einen eindeutig rechtswidrigen Inhalt.

Früher sei der Zugang zum Netz über den heimischen PC erfolgt, aber die Situation habe sich einfach verändert, so Schmid:

"Jeder 12-Jährige hat heute ein Smartphone und kann von Tiktok zu diesen Angeboten wechseln."

Andere Pornoportal-Betreiber klagen gegen die sie betreffenden Bescheide derzeit noch vor dem Oberverwaltungsgericht für Nordrhein-Westfalen. Ein Großteil der Eltern in Deutschland scheint hinter dem Vorgehen der Aufsichtsbehörde zu stehen, wie aus einer repräsentativen Meinungsumfrage im Auftrag des Kinderhilfswerks hervorgeht: 93 Prozent der befragten Eltern haben sich für eine verlässliche Altersprüfung und härtere Strafen bei Verstößen ausgesprochen.

Mehr zum Thema - Wegen Extremismus-Propaganda: Russische Aufsichtsbehörde sperrt Website von OWD-Info

(dpa)

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