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AOK-Chef: Trotz Corona weniger Kliniken benötigt – oder wegen Corona?

AOK-Chef: Trotz Corona weniger Kliniken benötigt – oder wegen Corona?
Der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der AOK Martin Litsch
Es dürfte irritieren, denn eigentlich würde man in einer Pandemie nicht die Forderung nach weniger Kliniken erwarten. Doch gerade diese Pandemie habe gezeigt, dass weniger Krankenhäuser besser fürs Gesundheitssystem seien. So jedenfalls AOK-Chef Martin Litsch.

Eigentlich müsste es doch so sein, dass in einer (bedrohlichen) Pandemie die Krankenhäuser voll sind, da sie den zahlreichen Hilfe suchenden Patienten als zentrale Anlaufstellen dienen. Doch die Kliniken sind praktisch leer. Nun mag dies eventuell daran liegen, dass das Coronavirus zwar für die tatsächlich Erkrankten schlimm, aber für  breite Bevölkerungsschichten vielleicht doch kein "Killervirus" ist. Das rutschte kürzlich sogar Hamburgs Erstem Bürgermeister in einer Talkshow heraus.

Nach Auffassung von AOK-Verbandschefs Martin Litsch zeigt die COVID-19-Pandemie sogar, dass wir weniger Kliniken brauchen. Man versetze sich hierbei nur einmal gedanklich in die Zeiten, als etwa die Pest oder die Spanische Grippe grassierte. Die Vorstellung, es gäbe in einer solchen Situation die Forderung, Krankenhäuser zu schließen, wirkt eher grotesk. Wären die Kliniken jetzt voll, wäre das wohl auch heutzutage so.

Notaufnahme der DRK-Klinik in der Drontheimer Straße in Berlin im Oktober 2018

Litsch bezieht sich dabei auf die Krankenkassen und führt in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland finanzielle Erwägungen an. So seien zwar einerseits viele Operationen verschoben worden, um Betten für COVID-19-Erkrankte in den Kliniken freizuhalten. Zudem seien insbesondere im April und Mai viele Versicherte aus Angst vor Ansteckung nicht zum Arzt gegangen. Beides habe sich in entsprechend geringeren Kosten für die Krankenkassen ausgewirkt.

Inzwischen sei die Auslastung jedoch "schon fast wieder normal". Gleichzeitig kämen nun aber auch neue Kosten auf die Kassen zu – insbesondere durch die Tests. Litsch beklagt, die Kassen müssten für jeden Test knapp 40 Euro bezahlen, wohingegen die Labore "inzwischen dicke Gewinne" damit machten. Vor allem der Konjunktureinbruch mache nun aber Sorgen. Strukturreformen, die den Kostenanstieg hätten bremsen können, habe man in den Jahren zuvor versäumt. "Stattdessen wurden fast alle Akteure im Gesundheitswesen mit mehr Geld beglückt: Kliniken, Ärzte, Therapeuten oder Apotheker", so Litsch.

Die Kosten stiegen also, während die Einnahmen sänken. Um die Beiträge stabil halten zu können, müssten daher knapp 17 Milliarden Euro aus Steuermitteln in die Kassen fließen. Und genau hier komme die Frage nach der Anzahl der Kliniken ins Spiel. Es gehe zwar "nicht darum, jedes kleinere Krankenhaus gleich zu schließen", so Litsch. Es gebe aber "vor allem in Ballungsgebieten" ein "Überangebot". Diese kuriose Situation habe die COVID-19-Pandemie noch einmal verdeutlicht. Litsch führt aus:

Bisher wurden 70 Prozent der Corona-Patienten in 25 Prozent der Kliniken behandelt. Die Patienten wurden und werden in großen Krankenhäusern versorgt, die Spezialisten haben die notwendige intensivmedizinische Ausstattung und schlicht genug Platz, um Isolierstationen einzurichten. Damit wären kleine Häuser einfach strukturell überfordert. Die Pandemie widerlegt also nicht die Notwendigkeit einer Reform, sondern sie bestätigt sie. Wir brauchen mehr Spezialisierung und mehr Zentralisierung. Für Corona-Patienten war diese zentralisierte Krankenhausbehandlung jedenfalls ein Segen.

Der AOK-Chef hatte schon vor Corona gesagt, dass von den knapp 2.000 Krankenhäusern in Deutschland ein Viertel nicht notwendig sei. Aber dennoch – Krankenhäuser schließen, und zwar nicht trotz, sondern wegen einer Pandemie? Verrückte Zeiten.

(rnd/rt)

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