Obdachlosigkeit: Die unbekannte Seite des Silicon Valley

Obdachlosigkeit: Die unbekannte Seite des Silicon Valley
In 2014 räumte die Polizei in San José den sogenannten "Jungle" - ein Obdachlosen-Camp mit über 200 Menschen.
Hinter der glänzenden Erfolgs-Fassade des Silicon Valleys versteckt sich eine kontinuierlich zunehmende Wohnungskrise. Jedes Jahr werden mehr Menschen obdachlos. Mittlerweile trifft es auch immer öfter Berufstätige aus der Mittelschicht.

Immer öfter trifft es US-Amerikaner, die zwar einen oder sogar mehrer Jobs haben, aber dennoch nicht imstande sind, ihre Miete zu bezahlen. Es handelt sich um eine neue Form der Subkultur in den USA, die noch vor wenigen Jahrzehnten unbekannt war: Arbeiten ohne Obdach.

Das stetig wachsende Problem der Obdachlosigkeit in den USA würde man nicht unbedingt mit dem Silicon Valley in Verbindung bringen, das den Status eines der führenden Forschungs- und Entwicklungszentren der Welt genießt. Mit Dutzenden von Forbes 100-Unternehmen wie Apple, Alphabet (Google), Hewlett-Packard und Oracle macht Silicon Valley einen Drittel aller Venture Capital-Investitionen in den USA aus. Dennoch ist Obdachlosigkeit gerade in dieser Region ein großes Problem.

(Symbolbild). Laut dem letzten Armutsbericht von 2011 ist fast jeder fünfte Münchner arm oder von Armut bedroht.

Es ist irritierend, dass mittlerweile Verkäufer, Lehrer, Wartungsarbeiter, Klempner und viele andere Angestellte des Dienstleistungssektors in Autos oder Wohnmobilen auf Parkplätzen leben müssen, weil ihr Gehalt nicht ausreicht, um sich die Miete zu leisten.

Die mittlere Miete im U-Bahn-Bereich von San José beträgt 3.500 Dollar pro Monat, der mittlere Lohn liegt jedoch bei 12 Dollar pro Stunde in der Gastronomie und 19 Dollar pro Stunde im Gesundheitswesen. Ein Betrag, der nicht einmal die Wohnkosten abdeckt",

berichtete AP in einer kürzlich erschienenen Reportage zu dem Thema.

Der Bericht schildert die Geschichte von Ellen Tara James-Penney, 54 Jahre alt, die an der San José State University lehrt, und die "28.000 Dollar pro Jahr für vier Englischklassen bekommt und 143.000 Dollar an Studiendarlehen zurückzahlen muss".

Sie benotet Papiere und bereitet den Unterricht im Volvo vor. Nachts lehnt sie sich auf den Fahrersitz zurück und bereitet sich auf den Schlaf vor, mit Hank, einem von zwei Hunden, an ihrer Seite. Ihr Ehemann, Jim, der zu groß für das Auto ist, schläft draußen in einem Zelt mit dem anderen Hund, Buddy.

In Mountain View, einer Stadt mit 80.000 Einwohnern, sind über 300 Fahrzeuge über die Stadt verstreut und dienen als beengte Wohnräume für Einzelpersonen und ganze Familien. Aber während die Behörden unter zunehmendem Druck kommen, um den wachsenden Zustrom von Obdachlosen zu bewältigen, werden die Ressourcen bis zum Anschlag ausgereizt.

Im nahe gelegenen Palo Alto waren die Behörden gezwungen, eine 72-Stunden-Begrenzung für Wohnmobile zu verhängen, die entlang der Straßen der Stadt geparkt hatten, nachdem sie eine Reihe von Beschwerden von Anwohnern erhalten hatten.

Obdachlose Frau in New York, USA, 4. Januar 2016.

Vielfach wird den Obdachlosen vorgeworfen, selbst für ihre Situation verantwortlich zu sein. Denn warum nicht einfach das Fahrzeug beladen und an einen Ort ziehen, an dem die Lebensgewohnheiten der Ultrareichen nicht nicht die Preise verdorben haben? Doch so einfach ist es gerade für diese Menschen nicht. 

Obdachlosigkeit ist in den ganzen USA, aber vor allem in Kalifornien, ein scheinbar unlösbares Problem. In einer Studie des US-Ministeriums für Wohnungsbau und Stadtentwicklung wurden vier der Top-10-Städte in Kalifornien (Los Angeles, San Diego, San Francisco und San Jose) untersucht. Auch die Beamten etwas weiter nördlich der US-Westküste bemühen sich um Lösungen:

Ich habe ökonomisch Nullarbeitslosigkeit in meiner Stadt, und ich habe Tausende von Obdachlosen, die tatsächlich arbeiten und sich einfach keine Wohnungen leisten können",

sagte Mike O'Brien, Stadtrat von Seattle, der Washington Post. Und er ergänzt:

Diese Leute können nirgendwo hinziehen.