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Fake News anno 1814: Was Napoleon nie über die Deutschen gesagt hat

Fake News anno 1814: Was Napoleon nie über die Deutschen gesagt hat
Ein Gemälde Édouard Detailles um 1811, das Kaiser Napoleon I. von Frankreich (1769 - 1821) zeigt.
Schon seit mehr als 200 Jahren ist diese Fälschung einfach nicht totzukriegen: Selbst heute noch wird in den sozialen Medien Napoleon ein Zitat zugeschrieben, in dem er sich angeblich negativ über die Deutschen äußert. Dabei kommt das Zitat aus einer ganz anderen Ecke.

Das Zitat, um das es geht, lautet: "Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigeres Volk als das deutsche" – das soll vom damaligen französischen Kaiser überliefert sein. Und weiter: "Ich brauchte nur meine Netze auszuspannen, dann liefen sie wie ein scheues Wild hinein. Untereinander haben sie sich gewürgt, und sie meinten ihre Pflicht zu tun. Törichter ist kein anderes Volk auf Erden". 

Doch Geschichtsexperten sehen den Ursprung des angeblichen Napoleon-Zitats bei Joseph Görres, einem deutschen Publizisten. Dieser schrieb 1814 einen Text, in dem er dem Franzosen die herablassenden Äußerungen über Deutsche in den Mund legte.

Die Halbinsel Krim im Schwarzen Meer, historischer Zankapfel und willkommener Aufhänger für die westlichen Macht- und Medieneliten, um gegen Russland vorzugehen – etwa im Krimkrieg Mitte des 19. Jahrhunderts.

Die Historiker Johannes Willms und Thomas Schuler haben jeweils Biografien über den französischen Kaiser geschrieben. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigten beide: Die fraglichen Worte stammen nicht von Napoleon. Beide Experten verweisen darauf, dass das Zitat auf eine Schrift des deutschen Publizisten Joseph Görres zurückgeht.

Auch der Zitatforscher Gerald Krieghofer befasst sich mit der angeblichen Äußerung Napoleons auf seinem Blog über falsch zugeordnete Zitate. Er sieht ihren Ursprung im Text "Napoleons Proklamation an die Völker Europas vor seinem Abzug auf die Insel Elba", den Görres am 9. Mai 1814 im Rheinischen Merkur veröffentlichte. Er schrieb ihn so, als sei Napoleon der Autor.

Dort findet sich zwar nicht Wort für Wort das heute vielfach verbreitete Zitat – aber doch Passagen, die fast wortgleich sind:

"Leichtgläubiger ist kein Volk gewesen, und thöricht toller kein Anders auf Erden." Und "Nur meine Netze durft ich stellen, und sie liefen mir wie scheues Wild von selbst hinein." Sowie auch "Untereinander haben sie sich erwürgt, und glaubten redlich ihre Pflicht zu thun."

Zur möglichen Motivation Görres', Napoleon diese abfälligen Worte über die Deutschen in den Mund zu legen, sagt Napoleon-Experte Schuler: Görres sei deutscher Patriot gewesen, der eine deutsche Einigung im Sinne einer Großdeutschen Lösung anstrebte – also einen staatlichen Zusammenschluss aller deutschen Staaten, einschließlich Österreich. Das angebliche Napoleon-Zitat habe den Leser aufbringen und seine patriotische Eitelkeit anstacheln sollen. Der Text sei wenige Wochen, nachdem Napoleon besiegt wurde, erschienen.

"Heute würde man sagen: Gutes Timing – oder eben auch: Fake News anno 1814", sagt Schuler. Laut einer Fußnote in einem nach dem Tod Görres' erschienenen Sammelband seiner Schriften wurde der fiktive Napoleon-Text von fast allen Zeitgenossen für echt gehalten.

Historiker Willms gibt zu bedenken, der Franzose habe die Deutschen vermutlich gar nicht als eine Nation begriffen, sondern als Hessen, Westfalen, Bayern, Badener, Sachsen, Preußen. "Das abschätzige Urteil, das ihm mit dem Zitat unterstellt wird, konnte er in dessen Sinn gar nicht haben, eben weil er die Deutschen keineswegs in einem nationalen Zusammenhang sah", sagt Willms.

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(rt/dpa)

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