icon bookmark-bicon bookmarkicon cameraicon checkicon chevron downicon chevron lefticon chevron righticon chevron upicon closeicon v-compressicon downloadicon editicon v-expandicon fbicon fileicon filtericon flag ruicon full chevron downicon full chevron lefticon full chevron righticon full chevron upicon gpicon insicon mailicon moveicon-musicicon mutedicon nomutedicon okicon v-pauseicon v-playicon searchicon shareicon sign inicon sign upicon stepbackicon stepforicon swipe downicon tagicon tagsicon tgicon trashicon twicon vkicon yt

Zu Ehren der vielen Verletzten: Gelbwesten wollen sich auf Kundgebung als Verwundete verkleiden

Zu Ehren der vielen Verletzten: Gelbwesten wollen sich auf Kundgebung als Verwundete verkleiden
Französische Gendarmen führen einen verletzten Demonstranten ab. Paris, Frankreich, am 15. Dezember 2018.
Auf Facebook wurde ein Aufruf gestartet, um den über 1.700 Verletzten bei den Demonstrationen der Gelbwesten zu gedenken. Die Teilnehmer werden gebeten, "falsche Wunden" zu tragen, um auf die Polizeigewalt aufmerksam zu machen.

von Timo Kirez

Während das französische Innenministerium die Schuld für die Gewalt immer noch ausschließlich bei den Gelbwesten sucht, rief die Bewegung über Facebook zu einer symbolträchtigen Aktion auf. Für den "12. Akt" am Samstag, dem 2. Februar, der mit dem Motto "l'impact" (in diesem Fall als "Der Einschlag" oder "Einschuss" zu übersetzen) angekündigt wird, sollen sich die Teilnehmer als Verwundete verkleiden.

Die Aktion wurde von der Facebook-Seite "France blessée la page 100% des victimes gilets jaunes", ("Verletztes Frankreich, die Seite der hundertprozentigen Gelbwesten-Opfer") ins Leben gerufen. Die Teilnehmer sind eingeladen, ihre Körper symbolisch mit Verbänden oder roten Markierungen zu bedecken, um auf die Polizeigewalt aufmerksam zu machen.

Regierungssprecher Steffen Seibert hat kein Problem mit über 80 schwerverletzten Gelbwesten durch exzessiven Gewalteinsatz französischer Sicherheitskräfte.

"Denn Bilder von Gewalt dürfen nicht zu unserer Routine werden, zu einer Gewohnheit. Weil es inakzeptabel ist, so viele Opfer zu sehen. Weil es absolut undenkbar ist, zu vergessen, was passiert ist", steht auf der Facebook-Seite zu lesen. Die Veranstaltung wurde von Eric Drouet, einem bekannten Vertreter der Gelbwesten, in sozialen Netzwerken geteilt.

Drouet wurde Anfang Januar während einer unangemeldeten Kundgebung kurzzeitig von der Polizei festgenommen und am Folgetag ohne Anklage wieder entlassen. Nachdem er das Kommissariat verlassen hatte, sagte Drouet gegenüber Medienvertretern:

Alles, was hier passiert, ist politisch. Die Art und Weise, wie es gemacht wird, ist politisch. Selbst sie (die Polizisten, Anmerkung der Redaktion) sind es nicht gewohnt, dass es so gemacht wird, dass hochrangige Beamte an der Anhörung teilnehmen und die Fragen selbst stellen, das hat man nie zuvor gesehen.

Obwohl es unzählige Bilder und Videos von Polizeiübergriffen gegen Demonstranten gibt, sieht der französische Innenminister nach wie vor keinen Handlungsbedarf. Während einer Pressekonferenz am 14 Januar in Carcassonne sagte Christophe Castaner:

Ich kenne keine Polizisten, keine Gendarmen, die Gelbwesten angegriffen haben.

Doch nicht nur die Bilder, auch die Zahlen sprechen eine andere Sprache. Nach einer Zählung der Website Checknews der französischen Tageszeitung Libération wurden zwischen den ersten Protesten der Gelbwesten im November 2018 und der letzten Kundgebung am 12. Januar mindestens 93 Personen (darunter auch Journalisten) von der Polizei schwer verletzt. Laut Schätzungen beläuft sich die Gesamtzahl der durch die Polizei verletzten auf weit über 1.700 Menschen.

Bei den letzten landesweiten Kundgebungen am 12. Januar wurde der Feuerwehrmann Olivier Beziade, der sich in Bordeaux den Gelbwestenprotesten angeschlossen hatte, von der Polizei mit einem sogenannten Flashball (mit Gummi ummantelter Stahlkern) am Hinterkopf getroffen. Der dreifache Familienvater liegt seitdem im Koma.

Die deutsche Gewerkschaft der Polizei (GdP) lehnt den Einsatz von Gummigeschossen wegen der starken Verletzungsgefahr entschieden ab: Frank Richter, Vorsitzender der GdP Nordrhein-Westfalen, spricht sich klar gegen die gefährliche Waffe aus:

Wer Gummigeschosse einsetzen will, nimmt bewusst in Kauf, dass es zu Toten und Schwerverletzten kommt. Das ist in einer Demokratie nicht hinnehmbar.

Dass sich der Unmut der Gelbwesten nicht auf Emmanuel Macron beschränkt, musste unterdessen Bundeskanzlerin Merkel feststellen. Während des Treffens zwischen Macron und Merkel in Aix-la-Chapelle zur Unterzeichnung eines neuen deutsch-französisches Abkommens wurden die beiden am Morgen des 22. Januar von einigen Dutzend Menschen mit Buhrufen begrüßt. Zum Teil befanden sich unter den Protestlern auch Gelbwesten.

Die Demonstranten riefen "Merkel muss weg!" und "Macron Rücktritt!", wie in diesem Video im Hintergrund deutlich zu hören ist:

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen