Explosive Situation: Gewalt zwingt Pro-Migranten-Organisation, Tätigkeit in Paris einzustellen

Explosive Situation: Gewalt zwingt Pro-Migranten-Organisation, Tätigkeit in Paris einzustellen
Migranten im Norden von Paris im Sommer 2017 (Symbolbild)
Spannungen zwischen Asylsuchenden und Polizei, aggressive Drogenabhängige und eine passive Regierung – die schwierige Situation in einem Pariser Stadtteil hat eine migrantenfreundliche Volontärgruppe gezwungen, ihre für Flüchtlinge lebenswichtige Arbeit einzustellen.

"Solidarité Migrants Wilson" verteilt seit 20 Monaten Nahrungsmittel an Migranten in der Nähe des Bahnhofs Porte de la Chapelle im 18. Arrondissement von Paris. Doch die Gruppe beschloss, mit dem 1. August ihre Arbeit einzustellen, da sie mit der zunehmenden Gewalt vor Ort nicht mehr fertig werden kann.

Von Anfang an war es unsere Mission, heiße Getränke und Brot zu verteilen – und das seit 20 Monaten jeden Tag. Im letzten Monat [Juli] begannen wir unsere Mission jedoch in Frage zu stellen, da wir nicht wollen, dass unsere Volontäre in Gefahr geraten",

erklärte Philippe Caro von Solidarité Migrants Wilson gegenüber RT.

Laut Caro wird die Situation immer angespannter. Migranten bildeten unter schrecklichen Bedingungen Gruppen, einige von ihnen hätten nicht einmal Zelte und schliefen einfach auf dem Boden, erklärte er.

Manchmal werden sie am frühen Morgen von der Polizei geweckt, sie treten sie und benutzen Tränengas, um sie zum Gehen zu bewegen", sagte der Aktivist.

Französische Nationalversammlung, 1.08.2018

Noch gefährlicher werde die Situation, wenn Drogenabhängige bei der Lebensmittelverteilung auftauchten und Probleme verursachten.

Es erzeugt zusätzliche Spannungen. […] Sie sind aggressiv, auch gegenüber den Volontären. Das ist eine explosive Situation", unterstrich er.

Der Aktivist kritisierte sowohl die französische Regierung als auch die Pariser Stadtverwaltung für ihre Untätigkeit, die zu einem wachsenden Ausmaß an Gewalt im Bezirk führe.

Der Staat ist verantwortlich für die Menschen auf der Straße, für die Aufnahme von Migranten. Unterdessen schränken die Behörden in Paris im Sommer den Zugang zu Wasserhähnen ein. Das ist unverantwortlich", beklagte er.

Solidarité Migrants Wilson schrieb einen Brief an die Pariser Verwaltung und erklärte, dass ihre freiwilligen Helfer aufgrund der Spannungen zwischen Polizei und Migranten sowie der massiven Präsenz von Drogenabhängigen nicht länger in der Lage seien, in diesem Gebiet zu arbeiten. Die Gruppe forderte die Stadtverwaltung auf, die Bedingungen im Stadtteil zu verbessern und die Probleme zu lösen. Die Volontäre wollen im September zusammenkommen, um zu besprechen, was die Gruppe als nächstes tun werde.

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Frankreich befindet sich wie andere EU-Staaten derzeit in der schwersten Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Die Zahl der Asylbewerber im Land erreichte laut dem Portal asylumineurope.org im Jahr 2017 eine Zahl von 100.000.

Im Juni dieses Jahres gehörte Frankreich zu den Staaten, die sich nach einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs der EU entschlossen, keine Flüchtlingseinrichtungen auf ihrem Territorium zu eröffnen. Bei der Zusammenkunft entschloss man sich zu einer Lösung, bei der die EU-Mitglieder sogenannte kontrollierte Zentren auf freiwilliger Basis unterstützen.

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