Trump-Besuch und der "Koffer der Apokalypse" bringen die Schweizer in Wallung

Trump-Besuch und der "Koffer der Apokalypse" bringen die Schweizer in Wallung
Ist nicht bei allen Schweizern willkommen: US-Präsident Donald Trump.
Die Schweizer sind ein höfliches Volk, so jedenfalls das Klischee. Dass es in der idyllischen Alpenrepublik auch anders zugehen kann, belegen die Vorbereitungen für die Protestaktionen gegen den Besuch des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

von Timo Kirez

Die brillante Schweizer Komödiantin Hazel Brugger sagt bei ihren Auftritten zwar immer, dass die Schweizer keine Emotionen hätten, aber dafür Geld, viel Geld, doch sie muss sich irren. Wenigstens, was die Emotionen betrifft. Kaum war die Meldung, dass Trump Ende Januar zum Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos kommen wird, veröffentlicht, ließen viele Schweizer die Höflichkeit wie eine heiße Raclette-Kartoffeln fallen und äußerten ungewohnt deutlich ihren Unmut über den - aus ihrer Sicht - unwillkommenen Gast.

Mehr noch: Diverse linksalternative Gruppen kündigten massive Demonstrationen und Gegenveranstaltungen an.

Jeder hat eine Meinung zu Trump – das wird die größte Anti-WEF-Demo seit Jahren“,

so der Pressesprecher der Gegenveranstaltung "Das andere Davos", Philipp Gebhardt gegenüber der Schweizer Zeitung Tages-Anzeiger. Das Bündnis gegen den unliebsamen Besuch ist breit aufgestellt. Neben den Schweizer Jusos lehnen auch die Grünen und Teile der Sozialdemokratischen Partei (SP) den Gast ab. Auf der parteiunabhängigen Kampagnenplattform Campax werden bereits Unterschriften gegen Trumps Besuch gesammelt.

Ein Tweet des SP-Sekretärs Lukas Horrer aus Graubünden bringt die Stimmung der Kritiker auf den Punkt:

"Viele Menschen fühlen sich auch in der Schweiz persönlich berührt von Trumps Äußerungen und Handlungen. Wir geben ihnen mit der Petition die Möglichkeit, ihren Unmut zu kanalisieren", wird Campax-Präsident Andreas Freimüller in der Tages-Zeitung zitiert. Er rechne mit bis zu 30.000 Unterschriften und vergleicht die Situation mit der in Großbritannien. Dort habe der öffentliche Druck letztendlich einen Staatsbesuch Trumps verhindert.  

Die Plattform Campax hatte bereits vor einem Jahr gegen Trumps Präsidentschaft mobilisiert. Damals habe sich gezeigt, wie verbreitet die Ablehnung auch in der Schweizer Bevölkerung ist. "Pensionäre aus dem Appenzellerland haben unseren Aufruf genauso unterzeichnet wie Lehrer aus Luzern", so Freimüller im Tages-Anzeiger. Neben der Petition soll auch ein "Nicht-Willkommenskomitee" an den Flughafen Zürich geschickt werden.

Ganz vorne dabei sind die Schweizer Jusos. Die Juso-Präsidentin Tamara Funiciello twitterte schon einmal deutliche Worte in Richtung Trump:

Auch ein weiteres, buchstäblich explosives Detail, beschäftigt die Schweizer im Zusammenhang mit dem anstehen Trump-Besuch: Der sogenannte Atomkoffer des US-Präsidenten. So betitelte der Tages-Anzeiger einen Beitrag von Dienstag mit:

Der Koffer der Apokalypse"

Vermutlich der einzige Koffer der Welt, der nie bei einem Flug verloren gehen wird.

In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass der Koffer, mit dem Sitznamen "Nuclear Football" zusammen mit dem Präsidenten in die Schweiz kommen werde. Zudem wird mit dem Mythos des "roten Knopfes" aufgeräumt. Der Koffer stelle lediglich im Ernstfall die Kommunikation mit der Militärführung im Verteidigungsministerium sicher und bestätige die Identität des mächtigsten Mannes der Welt. Dazu trage der Präsident die Codes zur Identifizierung auf einer Plastikkarte bei sich, die im Volksmund auch "Biscuit" genannt werde.