"Nächster Terrorist geboren" – Wirbel um Hasskommentare zu Wiener Neujahrsbaby

"Nächster Terrorist geboren" – Wirbel um Hasskommentare zu Wiener Neujahrsbaby
Ein harmloses Bild wie dieses reicht offenbar schon aus, um bei einigen die schlimmsten Befürchtungen für das Abendland zu wecken. Zu sehen sind die stolzen Eltern des Wiener Neujahrsbabys Asel.
Es ist Tradition in Österreich: Die ersten Kinder des Jahres werden stolz den Medien präsentiert. Wie vergiftet das politische Klima derzeit in der Alpenrepublik ist, belegt die Aufregung um Asel. Das türkische Mädchen kam in Wien in der Silvesternacht zur Welt.

Zufrieden blicken die frischgebackenen Eltern von Wiens erstem Baby des Jahres 2018 in die Kamera. Das Mädchen Asel schlummert friedlich in den Armen seiner Mutter, die ein rosa Kopftuch trägt. Die seit Jahren gewohnte Sitte, die ersten Kinder des Jahres in den Bundesländern zu dokumentieren und in den Medien zu präsentieren, führte diesmal in Österreich zu großer Aufregung.

Zahlreiche hasserfüllte Kommentare gab es unter den Berichten über das Wiener Neujahrsbaby in den Online-Portalen der Zeitungen. Die zum Teil hasserfüllten Kommentare bezogen sich vor allem auf den türkischen Hintergrund der Familie und das Kopftuch. Darunter so geistreiche Posts wie "Nächster Terrorist ist geboren" oder "Wieder Inzucht".

Der Wiener Caritas-Generalsekretär Klaus Schwertner startete daraufhin eine Initiative, die Eltern auf sozialen Plattformen mit Glückwünschen zu überhäufen. Auf Facebook kamen so innerhalb kurzer Zeit Tausende positive Meldungen zusammen.

"Es ist eine völlig neue Dimension von Hass im Netz gegen ein unschuldiges Neugeborenes", schrieb Schwertner zu Beginn seiner Initiative #flowerrain (Blumenregen). Er wolle den Eltern später alle Glückwünsche in Buchform schenken. Hass und Gewalt sollen nach seiner Auffassung in Österreich keinen Platz haben. Kurzzeitig Verwirrung herrschte am Freitag: Ohne Grund hatte Facebook laut Schwertner vorübergehend alle netten Kommentare gelöscht. Am späten Vormittag waren die Glückwünsche aber wieder da. 

Laut der österreichischen Zeitung Standard soll das Posting versehentlich gelöscht worden sein, wie eine Facebook-Sprecherin der Zeitung auf Nachfrage mitteilte. Der Konzern entschuldigte sich laut Standard bei Klaus Schwertner und stellte das Posting wieder online.

Auch der österreichische Bundespräsident Alexander van der Bellen ließ für das Wiener Neujahrsbaby virtuelle Blumen regnen.

"Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren", postete der Bundespräsident dazu am Dreikönigstag. "Zuversicht und Zusammenhalt sind größer als Hass und Hetze. Herzlich willkommen, liebe Asel! Und: Danke, Klaus Schwertner, für diese wichtige Initiative."

Übrigens: Die stolzen Eltern des niederösterreichischen Neujahrsbabys kommen ursprünglich aus der Mongolei. Das Kind heißt Sophie und wurde im Krankenhaus Hollabrunn um 1:31 Uhr auf die Welt gebracht.

(rt deutsch/dpa)

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