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Die Niederlande spionierten Auschwitz-Überlebende aus

Die niederländische Regierung hielt das Auschwitz-Komitee für eine extremistische Gruppe und kommunistische Tarnorganisation. Sie schickte sogar einen Agenten in die Organisation. Die heutigen Mitglieder halten das für einen Skandal.
Die Niederlande spionierten Auschwitz-Überlebende ausQuelle: www.globallookpress.com © via www.imago-images.de

Der niederländische Inlandssicherheitsdienst (BVD) hat jüdische Bürger nach ihrer Rückkehr aus Auschwitz und anderen Nazi-Konzentrationslagern jahrzehntelang überwacht, berichtete das niederländische Portal Het Parool am Samstag. Die Überlebenden galten, nach den Dokumenten, die das Nationalarchiv letztes Jahr freigegeben und die das Portal analysiert hat, als Bedrohung für die Demokratie.

Der BVD betrachtete das niederländische Auschwitz-Komitee, das 1956 von Überlebenden des berüchtigten Nazilagers gegründet wurde, als extremistische Organisation, und stützte dies auf die Tatsache, dass seine Vorstandsmitglieder auch Mitglieder der Kommunistischen Partei der Niederlande (KPN) waren. Einzelne Vorstandsmitglieder wurden ausspioniert, und der BVD brachte sogar einen Informanten in der Organisation unter, dessen Berichte – die sich unter den Archivmaterialien fanden – die Treffen der Gruppe und Fahrten ins Ausland zum Gedächtnis an die Befreiung der Lager beschreiben.

Der jetzige Nachfolger des BVD, der Allgemeine Nachrichten- und Sicherheitsdienst (AIVD), bestand in einer Stellungnahme am Samstag darauf, dass die Holocaust-Überlebenden "nicht als Bedrohung gesehen wurden", sondern dass es insbesondere das niederländische Auschwitz-Komitee gewesen sei, das als "kommunistische Tarnorganisation" gesehen wurde, die eine Überwachung erfordere.

Mehrere historische Studien hätten belegt, dass die Organisation "von Kommunisten dominiert" worden sei, sagte der AIVD und drängte Kritiker, sich daran zu erinnern, dass zur Zeit der Überwachung der Kommunismus für "die große Bedrohung der nationalen Sicherheit" gehalten worden sei.

Der Dienst sagte, während er individuelle Akten nicht kommentieren würde, sollten alle "möglichen Untersuchungen von Personen" in einem Kontext der nationalen Sicherheit gesehen werden. In einem Schreiben des BVD an den Innenminister, das sich im Archiv fand, argumentierte der Vertreter des Dienstes, dass das niederländische Auschwitz-Komitee tatsächlich durch den prominenten Kommunisten Gerrit Blom geleitet werde, während sein nomineller Vorsitzender, Jos Slagter, nur als "sein Strohmann" diene. Die KPN stand in dieser Zeit ebenfalls unter Beobachtung.

Die Details der Treffen des niederländischen Auschwitz-Komitees, die der BVD für bedeutend hielt, sorgten jedoch bei seinen gegenwärtigen Mitgliedern und den Nachfahren der Überwachten für Stirnrunzeln. Eine Notiz, die eine Gedenkveranstaltung für Auschwitz in der Diligentia-Halle in Den Haag beschrieb, listete die Namen jüdischer Teilnehmer auf, zusammen mit dem Kommentar "viele Israeliten unter den Anwesenden", ein Detail, das der heutige Vorsitzende des niederländischen Auschwitz-Komitees, Jacques Grishaver, gegenüber Het Parool als "skandalös" bezeichnete.

"Was ist an einem Haufen alter Juden, die aus den Lagern kamen, extremistisch? Diese Leute haben Gutes getan, indem sie die Aufmerksamkeit auf die Opfer lenkten", merkte er an und bezeichnete die Enthüllungen als Beleg dafür, dass die niederländische Regierung weder erwartete noch wollte, dass ihre jüdischen Bürger aus der Internierung in Osteuropa zurückkehrten. Auch wenn er anerkannte, dass Blom tatsächlich versucht habe, das niederländische Auschwitz-Komitee durch Slagter zu beeinflussen, bestand er darauf, dass nur einige Mitglieder der Organisation je der KPN beigetreten waren, und nannte die Einordnung als kommunistische Tarnorganisation "unfair".

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