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Söldner für Kiew verliert Illusionen: "Tonnen toter Briten, Pässe zerschnitten, alles im Arsch"

Ein ausländischer Freiwilliger schildert in einem Video sein missglücktes Abenteuer als Glücksritter für das Kiewer Regime: Eine unmenschliche Einstellung ukrainischer Gastgeber zu den Ausländern und das russische Bombardement seines Stützpunktes gehörten dazu. Der Mann rät allen Ausländern dringend davon ab, sich als Kämpfer für Kiew zu melden.
Söldner für Kiew verliert Illusionen: "Tonnen toter Briten, Pässe zerschnitten, alles im Arsch"Quelle: AP © Stephen B. Morton

Die Teilnahme ausländischer Freiwilliger an Kampfhandlungen in der Ukraine gibt es seit deren Entbrennen im Jahr 2014 auf beiden Seiten. Nach Beginn des russischen militärischen Sondereinsatzes bekam vor allem die ukrainische Seite nun einen regen Zulauf von Kämpfern aus dem Ausland. Das Übungsgelände Jaworow bei Lwow diente als Sammelstelle, von wo aus sie nach kurzem Training zu ihren Zieleinheiten beordert werden sollten. Dieser wurde jedoch von einem russischen Raketenangriff verwüstet.  

Diesen Angriff (oder einen ähnlichen auf einen anderen Stützpunkt) erlebte ein Freiwilliger, allem Anschein nach Englisch-Muttersprachler, hautnah mit – und berichtet von "tonnenweise toten Briten". Doch nicht nur in dieser Hinsicht sei für ausländische Freiwillige im Dienst des Kiewer Regimes "alles im Arsch" – zumindest für die in der "Georgischen Legion" innerhalb der 102. Landwehrbrigade der Ukraine.

Der namentlich nicht bekannte Mann, der allerdings sein Gesicht nicht verbarg, schildert die Materialknappheit oder vielleicht eher die Knauserigkeit seitens der ukrainischen Gastgeber, die die Freiwilligen oft gänzlich ohne Waffen und Ausrüstung zu Einsatzorten ausrücken ließen. Mit dieser Rolle als sprichwörtliches Kanonenfutter nicht einverstanden und mit der Gesamtsituation unzufrieden, floh er mit zwei weiteren Unglückskameraden unter Einsatz einer List vom Stützpunkt. Doch an der Grenze erwartete sie eine weitere Unannehmlichkeit: Wer auch nur den Verdacht erregt, Ausländer zu sein und dabei etwas mit Krieg zu tun zu haben, dessen Reisepass werde von ukrainischen Sicherheitskräften zerschnitten und er selbst wieder an die Front geschickt, schildert er. Auch hier konnten sich die drei mit einer List aus der Not helfen. Jedenfalls rät der Mann allen Ausländern dringend davon ab, sich für das Kiewer Regime freiwillig zu melden.

"Für alle, die sich fragen, was hier vor sich geht: Wir waren in der 'Georgischen Nationallegion' in der 102. Landwehr der Ukraine. Unser Stützpunkt wurde verwüstet, und der Stützpunkt ganz in unserer Nähe wurde verwüstet. US-Amerikaner, Briten ... Tonnenweise tote Briten. Sie erzählen nichts ... Sie zählen unsere Toten zu ihren eigenen.

Sie versuchen, uns nach Kiew zu schicken – ohne verdammte Waffen und Ausrüstung, ohne Körperschutzplatten für die Flakwesten. Und wer das Glück hatte, Waffen zu bekommen, bekam nur zehn verdammte Patronen im Magazin.

Als sie uns nach Kiew schicken wollten, sagten wir nein. Unsere ganze Gruppe – ein paar US-Amerikaner, Kanadier, Briten – sagte nein. Sie sagten uns, wir sollen gottverdammt nochmal dorthin ausrücken, sonst würden sie uns in den Rücken schießen. Jedenfalls versteckten wir uns – ich, dieser eine Brite und noch ein US-Amerikaner – in einem Krankenwagen hinten, um rauszukommen.

Wir sind an der Grenze angekommen, und da ist auch alles im Arsch: An der Grenze wird jeder, der irgendwelche Ausrüstung, irgendwas Militärisches dabeihat, aus der Schlange gezogen und zurück an die Front geschickt.

Wir wurden etwa fünf Klicks (Kilometer, NATO-Militärjargon) von der Grenze abgesetzt, also gingen wir zu Fuß. Wir kommen also an der Grenze an, und da ist eine Gruppe humanitärer Helfer mit Ehemaligen aus Sondereinheiten aus England. Sie zogen uns beiseite – zerrten uns da raus und versteckten uns.

Sie so: 'Ihr müsst eure gesamte Ausrüstung ablegen – sie picken Leute raus, zerschneiden deren Pässe und schicken sie zurück.' Wir ließen unseren ganzen Kram fallen, zogen Rotkreuz-Westen an – und sie hatten humanitäre Pässe, mit deren Hilfe sie uns über die ukrainische Grenze brachten.

Die Leute dürfen nicht mehr hierherkommen: Das hier ist eine Falle, und sie lassen einen verdammt noch mal nicht gehen.

Am besten fährt man mit dem Auto raus – Leute mit einem Fahrzeug haben bessere Chancen, ihre ganze Ausrüstung irgendwo hinten zu verstecken, also was auch immer sie noch mitnehmen wollen. Aber versucht ja nicht, die Ukraine zu Fuß zu verlassen, wenn ihr euch freiwillig gemeldet habt.

Da ist alles im Arsch, es ist eine Falle. Und ich kenne mehrere Leute, die meinen Bericht bestätigen können."

Ein Wort zur Glaubwürdigkeit der Angaben 

Die "Georgische Legion", eine freiwillige bewaffnete Formierung ursprünglich etwa in Kompaniegröße, schloss sich nach ihrem Austritt aus der 54. separaten mechanisierten Brigade der ukrainischen Streitkräfte "einer anderen Brigade mit einem kompetenteren Befehlshaber" an.

Dies teilte der Kommandeur der Legion Mamuka Mamulaschwili Journalisten des russischen Online-Nachrichtenportals RBK im Januar 2018 mit. Ob das damals bereits die 102. Landwehrbrigade der Region Iwano-Frankowsk gewesen ist oder zunächst eine andere Einheit, ist nicht bekannt. Es ist zumindest nicht auszuschließen –und zwar aus persönlichen Sympathien unter Landsleuten: Der Befehlshaber der 102ten Landwehrbrigade Oberstleutnant Juri Kopadse ist dem Familiennamen nach zumindest teilweise georgischer Abstammung. Bekannt ist hingegen, dass die "Georgische Legion" unter anderem britische "Freiwillige" aufnehmen sollte, so eine Facebook-Meldung der Legion vom 15. März 2022. Auch wurde ein Interview einiger dieser "Freiwilligen" veröffentlicht.

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Der Zulauf ausländischer Freiwilliger in die Legion wird auch durch folgende Einreiseverweigerung der Bundespolizei Flughafen Frankfurt/Main dokumentiert, die als Beispiel für das Verhalten deutscher Behörden gegenüber potenziellen Rekruten dieser Formierung auf deren Facebook-Präsenz geteilt wurde, welches von Mamulaschwili bemängelt wird: Ein gewisser Fabio Emir Lopez Gallego wollte wohl über Deutschland in die Ukraine weiterreisen und war dazu mit einem Flug nach Frankfurt angereist. 

Zuvor, am 13. März, wurden auf derselben Facebook-Präsenz Herkunftsländer einiger neuer Rekruten der Legion aufgezählt: Kanada, Großbritannien, USA, Lettland, Litauen, Italien, Norwegen, Deutschland, Georgien. Am 12. März wurde der Beitritt von 150 britischen Freiwilligen zur Legion verkündet.  

Die Teilnahme des mutmaßlichen Söldners im Video und seiner Konsorten an Kampfhandlungen um Kiew als Teil der 102. Landwehrbrigade der Ukraine, die ihm nach seiner Angabe nahegelegt wurde, mag zunächst verwundern: Die Gesetzeslage in der Ukraine sieht die proaktive Teilnahme von Landwehren an Kampfhandlungen ebenso wie deren Einsatz außerhalb des Aufstellungsgebietes – und das wäre im Falle der 102. die Region Iwano-Frankowsk – eigentlich nicht vor. Jedoch gab am 15. Februar 2022 das ukrainische Parlament einen Gesetzentwurf zumindest schon "als Grundlage" statt, mit dem das Gesetz "Über die Grundlagen des nationalen Widerstands", dem die ukrainischen Landwehren unterstehen, bedeutend geändert werden soll: 

Es sollen Punkte gestrichen werden, die den proaktiven Einsatz der Landwehren nur außerhalb aktiver Kampfhandlungen vorsehen und ihren reaktiven Einsatz zur Landesverteidigung und zum Grenzschutz lediglich bis zum Eintreffen des regulären Militärs, der Nationalgarde oder der Grenzschutztruppen der Ukraine vorsehen, woraufhin Landwehren von Kampfhandlungen abzuziehen sind.

Es sollen außerdem Punkte gestrichen werden, die den Einsatz von Landwehren ausschließlich in deren Aufstellungs- und Verantwortungsgebieten vorsehen.

Somit könnte die vom mutmaßlichen "Freiwilligen" in der Videoaufnahme angegebene 102. separate Brigade der Landwehren der Ukraine, anders als zuvor, sowohl außerhalb ihres eigentlichen Verantwortungsgebietes Region Iwano-Frankowsk als auch zur Teilnahme an unmittelbaren Kampfhandlungen eingesetzt werden.

Doch auch schon nach aktuellem Stand sind bereits Einsätze außerhalb des Verantwortungsgebietes möglich, falls dieses zum Kampfgebiet wird – und es ist möglich, dass das ukrainische Militär die Heimatregion der 102. Landwehrbrigade, Iwano-Frankowsk, bereits als solches Gebiet betrachtet: Ukrainische Medien hatten dort in jüngster Vergangenheit Beschuss beziehungsweise Bombardements vermeldet. Auch wenn dies als Verlegung aus einem Kampfgebiet in ein anderes Kampfgebiet dem Geiste des Gesetzes (noch) widersprechen würde, würde eine Verlegung in die Region Kiew, wie der mutmaßliche angelsächsische Söldner sie expliziert, zumindest dem Laut dieses Gesetzes entsprechen. Auch sieht das Gesetz bereits jetzt den Einsatz der Territorialverteidigung zur Abschirmung von Kampfgebieten gegen zivilen Fahrzeug- und Fußverkehr vor – sowie nicht zuletzt zur Bekämpfung von (innerukrainischen) militarisierten oder militärischen Formierungen, die nach ukrainischem Gesetz nicht vorgesehen sind (die Volksmilizen der Republiken Donezk und Lugansk könnten von Kiew als solche gewertet werden), und von Aufklärungs- und Sabotagekräften und weiteren militärischen Formierungen des "Gegners" beziehungsweise des "Aggressors".

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