Macht Netanjahu ernst? Dutzende regierungsnahe Schiiten-Kämpfer in Ostsyrien bombardiert

Macht Netanjahu ernst? Dutzende regierungsnahe Schiiten-Kämpfer in Ostsyrien bombardiert
Syrische Staatsmedien haben am Montag gemeldet, dass Kampfflugzeuge der US-geführten Koalition einen Armeeposten im Osten des Landes bombardierten. Jüngste Warnungen von Premierminister Netanjahu werfen ein Licht auf eine mögliche israelische Rolle.

Der Angriff fand in al-Harra südöstlich der Stadt Abu Kamal statt, schreibt Syriens staatliche Nachrichtenagentur SANA unter Berufung auf eine militärische Quelle. Es gab keine unmittelbaren Angaben zu den Verletzten.

Ein Kommandant aus der Region erzählte der Nachrichtenagentur Reuters, dass "wahrscheinlich US-amerikanische" Drohnen die Positionen irakischer Schiiten-Milizen zwischen Abu Kamal und al-Tanf bombardiert hätten. Außerdem seien syrische Militärpositionen ins Visier genommen worden. Laut Informationen lokaler Medien aus dem ostsyrischen Deir ez-Zor wurden regierungsnahe Milizionäre, Einheiten der libanesischen Hisbollah und der Schiiten-Miliz Harakat al-Nudschaba angegriffen. Harakat al-Nudschaba steht im Verruf, eine Ablegerorganisation der iranischen Revolutionsgarden im Irak zu sein.

Macht Netanjahu ernst? Dutzende regierungsnahe Schiiten-Kämpfer in Ostsyrien bombardiert

Die USA distanzierten sich rasch vom Luftangriff. "Kein Mitglied der US-geführten Koalition führte die Angriffe in der Nähe von Abu Kamal durch", sagte Major Josh Jacques, ein Sprecher des US-Zentralkommandos, gegenüber Reuters.

Später sagte das Pressebüro der Koalition, dass die USA über "Berichte eines Angriffs in der Nähe von al-Bukamal, Syrien, im Bilde sind, der mehrere Katai'b-Hezbollah-Mitglieder tötete und verwundete".

Genau wie Harakat al-Nudschaba ist Kata'ib Hezbollah eine irakische paramilitärische Gruppe. Ihr Anführer Abu Mahdi al-Muhandis diente in den 1980er-Jahren an der Seite des iranischen Revolutionsgardenkorps und steht dem berüchtigten Kommandanten der al-Quds-Einheiten, Qassem Soleimani, nahe.

Reuters bestätigte, eine militärische Quelle zitierend, dass mehrere irakische Kämpfer getötet wurden. Genaue Angaben oder eine offizielle Bestätigung darüber aus Damaskus gibt es nicht. Die in Großbritannien ansässige und rebellennahe sogenannte Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, kurz SOHR, behauptet, dass beim Angriff rund 40 Menschen getötet worden seien. Anderen Quellen zufolge seien 22 schiitische Kämpfer aus dem Irak getötet worden.

Die israelische Luftwaffe hat Ziele im Gazastreifen angegriffen. (Symbolbild)

Die von den USA geführte Koalition unterstützt mit ihrer Luftüberlegenheit und Spezialeinheiten ein Bündnis syrisch-arabischer und kurdischer Milizen, angeführt von der YPG-Miliz, in Ostsyrien. Die Milizen sind wenige Kilometer nordöstlich von Abu Kamal stationiert. Außerdem sind US-Streitkräfte rund um al-Tanf unweit der jordanischen Grenze stationiert, um den Landweg zwischen Syrien und dem Irak im Auge zu behalten.

Die Armee von Präsident Baschar al-Assad befreite mit Hilfe Russlands und des Irans vergangenes Jahr die Stadt Abu Kamal, die quasi von US-Truppen und den USA nahestehenden Milizen eingerahmt wird, von der Terrormiliz "Islamischer Staat". Die Stadt gilt als strategisch besonders wichtig, da sie als Grenzübergang von Syrien in den Irak genutzt wird und auch pro-iranische Milizen in Syrien Logistikrouten auf diesem Weg organisieren sollen.

Steckt Israel hinter dem Luftangriff?

Eine israelische Militärsprecherin antwortete am Montag auf die Anfrage, ob Israel hinter dem Luftangriff steht:

Wir kommentieren keine ausländischen Berichte.

Im Zuge des inzwischen siebenjährigen Krieges in Syrien hat Israel allerdings zahlreiche Luftangriffe im Nachbarland gegen das, was es für iranische oder Ziele der Hisbollah hält, durchgeführt.

Israel, das offenbar wegen des Einflusses seiner Erzfeinde Iran und Hisbollah alarmiert ist, hat Russland, Assads anderen Schlüsselverbündeten, wiederholt gedrängt, sicherzustellen, dass Teheran seinen militärischen Einfluss in Syrien nicht zementieren kann.

Bemerkenswert im Zusammenhang der Luftangriffe in Syrien ist, dass Premierminister Benjamin Netanjahu seinem Kabinett mitteilte, er habe seine Syrien-Politik in Telefonaten am Wochenende mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem US-Außenminister Mike Pompeo "wiederholt und geklärt".

"Zuerst muss der Iran ganz Syrien verlassen", forderte Netanjahu am Sonntag nach einer Erklärung seines Büros.

Zweitens werden wir gegen die versuchte militärische Verankerung des Iran und seiner Stellvertreter, sowohl in der Nähe der Grenze als auch tief in Syrien, vorgehen und bereits Maßnahmen ergreifen.

Mit diesen Worten kündigte der Premierminister geradezu ein militärisches Vorgehen der israelischen Streitkräfte (IDF) tief in Syrien an.

In einem Interview vergangene Woche verteidigte Assad seine schiitischen Verbündeten und zeigte sich von der drohenden Eskalation mit Israel unbeeindruckt. Er nannte die Hisbollah "ein Grundelement" des Krieges und sagte:

Der Bedarf an diesen Streitkräften wird noch lange anhalten.

Er kritisierte, dass die USA eine Besatzungsmacht in Syrien seien. Sein Staat unterstütze "jeden Akt des Widerstands, ob gegen Terroristen oder gegen Besatzungstruppen, unabhängig von ihrer Nationalität". Die syrische Armee verlegt derweil verstärkt schwere Artillerie nach Südsyrien. Damaskus plant eine Offensive gegen verbliebene Rebellen-Verbände in der Provinz Daraa. Nur wenige Kilometer weiter westlich unterstützt Israel auf den Golanhöhen sogenannte FSA-Rebellen. Sie dienen der Militärpräsenz der IDF auf den Höhen als physische Pufferzone gegenüber syrischen Regierungstruppen und pro-iranischen Elementen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Klicken Sie hier, um mehr zu erfahren

Cookies zulassen