Reportage: Was wirklich in den kurdischen Gebieten Syriens vor sich geht

Reportage: Was wirklich in den kurdischen Gebieten Syriens vor sich geht
Afrin im Januar 2018: Fahne der Partei der demokratischen Union PVD in kurdischen Farben.
Aleppo, Januar 2018. Die syrischen Verantwortlichen haben die Fahrt in die von Kurden kontrollierten Gebiete östlich von Aleppo genehmigt. Manbij, Ain Al Arab/Kobani, Ain Issa und Rakka stehen auf der Reiseroute. Eine Reportage von Karin Leukefeld.

von Karin Leukefeld, Aleppo/Afrin

Nachdem trotz tagelangen Wartens von der kurdischen Seite keine Zustimmung erfolgt, geht die Fahrt schließlich nach Afrin. Dort erläutert die Ministerpräsidentin des Kantons Afrin, Hevi Mustefa, das Programm von Selbstbestimmung und Gleichberechtigung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die martialischen Drohungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan werden derweil von einem massiven Truppenaufmarsch begleitet.

Rückblick, April 2017. Im Frühjahr 2017 war es auch für eine ausländische Journalistin möglich geworden, aus Aleppo in die von Kurden kontrollierten Gebiete im Nordosten Syriens zu gelangen. Auch die Syrer machten sich mit Bussen, Minibussen und Taxen auf den Weg, wenn sie die vielen Kontrollpunkte und die holprigen Wege nicht scheuten. Von Aleppo aus fuhr man durch verlassene, vom Krieg gezeichnete Dörfer, über Sandpisten, Felder und entlang von Bewässerungskanälen.

Die direkte Strecke von Aleppo über Al Bab nach Manbij war seit Sommer 2016 gesperrt. Damals hatten türkische Truppen und mit diesen verbündete bewaffnete Gruppen nach dem syrischen Grenzort Jarabulus auch Al Bab besetzt. Ankara wollte verhindern, dass die von den Kurden kontrollierten Gebiete im Nordosten Syriens sich mit Afrin, westlich von Aleppo verbinden konnten.

Die Syrer, die Familienangehörige in Manbij und im Nordosten des Landes hatten, ließen sich von der türkischen Präsenz nicht abschrecken. Ob aus Sfireh, Khanasir, Aleppo oder Afrin machten sie sich auf den Weg, ihre Familien in Manbij und östlich des Euphrat zu besuchen. Allerdings, so berichtet Abu Nard (Name geändert), ein Tscherkesse aus Khanasir, hätten die Kurden zum Ende des Jahres 2017 ohne Angabe von Gründen den Zugang gesperrt. Er habe seine Familie in Manbij zuletzt im Oktober gesehen.

Und tatsächlich, im Januar 2018 gibt es für die Autorin keine Antwort aus Manbij. Die Fahrt über den Euphrat in den Nordosten Syriens muss verschoben werden. Über die Gründe des kurdischen Schweigens kann nur spekuliert werden. Klar ist, dass die kurdische Seite es bevorzugt, westliche Journalisten direkt, wenn auch illegal, über die Grenze aus der Türkei oder dem Nordirak einzuschmuggeln. Das hatte man der Autorin im April 2017 angeboten, die – als offiziell in Syrien akkreditierte Korrespondentin - ablehnte. Vielleicht ist die Lage nach Anschlägen und Schusswechseln zwischen der türkischen und kurdischen Seite in Manbij und Umgebung unsicher geworden? Möglich ist auch, dass die Sponsoren und „Berater“ der syrischen Kurden im Nordosten des Landes – USA und Staaten der „Anti-IS-Koalition“ - der Einreise nicht zustimmten, aus welchem Grund auch immer.

Reisende aus den kurdisch-amerikanisch kontrollierten Provinzen Hasakeh und Rakka gehen kritisch mit der dortigen Verwaltung ins Gericht. Familien aus Hasakeh haben das Gebiet wieder verlassen, weil an manchen Schulen nur noch auf Kurdisch, nicht aber auf Arabisch unterrichtet wird. Auch wegen der reglementierten Einreise herrscht bei vielen Syrern Unmut. Eine armenische Ordensschwester in Aleppo berichtete, dass nur noch Personen nach Qamischly fahren könnten, die dort auch geboren seien. Und eine Anwältin aus Damaskus sagt, sie könne in Qamischly niemanden mehr anwaltlich vertreten, weil die Kurden eine eigene Anwaltskammer gegründet hätten, der sie nicht angehöre.

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Checkpoint an der Grenze Aleppo-Afrin.

Es gehe "streng" dort zu, sagt der Geschäftsmann Nwiran A., der selber einer angesehenen Familie in Ain Al Arab/Kobani entstammt. "Andere Meinungen haben es dort nicht leicht", fügt er diplomatisch hinzu. Nwiran A. zählt zu den syrischen Kurden, die eine Einigung mit der syrischen Regierung anstreben, und hat mit anderen die "Gesellschaft der syrischen Heimat" gegründet. Im Dezember fand anlässlich der Gründung eine Konferenz von Kurden in Aleppo statt, wo man über Ziele und Vorgehen gesprochen habe, berichtet er der Autorin in Aleppo. Sein Büro liegt in einem Gebäude, das jahrelang an der Frontlinie lag, die sich mitten durch die Stadt zog.

Nun hat er es ist wieder bezogen, renoviert und will weiter arbeiten. Es ist Abend, der Strom ist ausgefallen. Ein Kaffee wird bei Kerzenlicht serviert. Ziel seiner Gesellschaft ist eine Verständigung mit der Regierung in Damaskus. "Uns Kurden stehen als Minderheit kulturelle Rechte zu", sagt er. Kurdischer Unterricht an den Schulen, wie auch Englisch oder Französisch unterrichtet wird. Kurdische Kulturzentren, wie sie den Armeniern und Tscherkessen zustehen und Medien in kurdischer Sprache fordert seine Gesellschaft. Das Gesetz über die lokale Selbstverwaltung, das die syrische Verfassung vorsieht, müsse umgesetzt werden. Zu der "Konferenz für den nationalen Dialog" in Sotschi ist er eingeladen und, sofern es keine Hindernisse gibt, wird er dort auch hinfahren.

Die Partei der demokratischen Union (PYD) verfolgt ein weitergehendes Ziel: Sie will eine "Demokratische Föderation Nordsyrien" errichten. Hilfe erhalten PYD, YPG/YPJ dabei von den USA und der US-geführten "Anti-IS-Koalition". Diese bildet inzwischen SDF-Kämpfer, einschließlich der Kurden, für Grenzschutzaufgaben aus. 30.000 Kämpfer sollen in den kommenden Jahren ausgebildet werden, um die Grenzen der "Demokratischen Föderation Nordsyriens" gegen die Türkei, gegen den Irak und entlang des Euphrat gegen die Syrische Regierungsarmee abzuschirmen. Offiziell heißt es, die Grenzschutzarmee solle "verhindern, dass der IS sich frei bewegen kann". Das "syrische Volk" solle eine "effektive, lokale repräsentative Regierung  bilden und sein Land zurückgewinnen" können.

Für die Türkei ist der kurdische Plan eine „Bedrohung der nationalen Sicherheit“. Innerhalb von nur 24 Stunden wurde im Januar 2018 gleich zwei Mal der US-Geschäftsträger in Ankara einbestellt, um Washington den Unmut des türkischen NATO-Partners deutlich zu machen. Man werde die neue "Terror-Armee noch vor der Geburt ersticken", drohte Präsident Erdogan. Aus dem Außenministerium in Damaskus hieß es, jeder Syrer, der für eine von den USA gesponserte Miliz kämpfe, sei "ein Verräter am eigenen Volk und an der Nation". Der russische Außenminister Sergej Lawrow warnte davor, dass die Pläne der USA zu der "Abspaltung eines großen Territoriums entlang der Grenzen zur Türkei und zum Irak" führen könnten. Die USA habe offenbar "den Weg hin zu einer Aufteilung Syriens eingeschlagen".

Seit dem ersten Einmarsch nach Syrien im August 2016 ist immer mehr türkisches Militär in den Norden Syriens eingedrungen. Dass es außer zu gelegentlichen Schusswechseln nicht zu größeren militärischen Konfrontationen kam, ist der russischen Ordnungsmacht in dem Gebiet geschuldet. Diese wirkt zwischen der syrischen Armee und den Kurden als Vermittler, zwischen der Türkei und den Kurden als Puffer.

Manbij selber ist ein unscheinbarer Ort östlich von Aleppo. Als wichtiger Knotenpunkt zwischen Ost und West, Nord und Süd und als agrarwirtschaftliches Zentrum wird das Gebiet um Manbij von einem Militärrat gesichert. Dem gehören aus Manbij stammende arabische Syrer der "Syrischen Demokratischen Kräfte" (SDF) an. Und obwohl beim Besuch der Autorin im April 2017 ein überdimensionales Bild von Abdullah Öcalan im Büro des Kommandeurs des Militärrates, Adnan Abu Amjad, an der Wand lehnte, erklärte dieser auf eine entsprechende Frage, Kurden gebe es nicht mehr im Militärrat. Sie hätten sich über den Euphrat nach Osten zurückgezogen, das Bild sei ein "Geschenk der Kurden" gewesen, das sie dagelassen hätten. "Wir respektieren Abdullah Öcalan", so Abu Amjad damals.

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Aleppo im Januar 2018: Blick von der Castellostraße auf das zerstörte Appartementviertel Masaken Schababi.

Doch in Manbij lebten vor allem Araber, Tscherkessen, Beduinen und dann erst Kurden. Manbij sei "Teil Syriens" und man arbeite dafür, dass die staatliche Integrität Syriens wiederhergestellt werden könne. Allerdings wolle man mehr lokale Rechte, darüber müsse mit der Regierung in Damaskus verhandelt werden. Vier Monate nach der Begegnung, im August 2017, wurde Abu Amjad in Rakka erschossen. Warum er dort war, obwohl seine Aufgabe nach eigener Aussage in Manbij war, ist unklar. 

Im Nordosten Syriens sind seit dem Jahr 2014 völkerrechtswidrig mindestens 13 Militärbasen der US-Besatzungsmächte entstanden. Weitere Basen sind im Bau, die US-Armee bereitet offensichtlich die Besatzung des Gebietes vor. Die kurdische PYD und ihre Schwesterorganisation, die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) bauen ihren Einfluss de facto unter dem Schutz der USA weiter aus. Mit den Provinzen Hasakeh und Rakka kontrollieren sie nicht nur die Kornkammer Syriens, sondern auch große Teile der syrischen nationalen Ölressourcen. Zudem kontrollieren sie die Wasserversorgung  in dem Gebiet. Insgesamt 14 Dämme entlang der Flüsse Euphrat, Khabur und Nebenflüssen stehen unter kurdischer Kontrolle.

Afrin

Der Weg von Aleppo nach Afrin führt nördlich durch die Trümmer der früheren Aleppiner Industrieviertel Bani Zeid und Lairamun. Bei Scheich Maksud ist die gelb-rot-grüne Fahne der Partei der demokratischen Union (PYD) gehisst, vor den zerstörten Appartementblocks von Masaken Schababi halten Männer und Frauen der kurdischen YPG/YPJ Wacht. Erkennbar sind sie an ihren jeweiligen Fahnen.

Der letzte Kontrollpunkt am Rande von Aleppo weist sowohl eine syrische als auch eine kurdische Fahne auf, ein Zeichen für die kurdisch-syrische Kooperation in Aleppo Stadt. Dann geht es auf die Castello Straße, die vor dem Krieg auf die Höhen eines Naherholungsgebietes von Aleppo führte. Heute ist die Straße eine Sandpiste mit unzähligen Schlaglöchern. Nach Westen hin ist ein hoher Schutzwall aufgeworfen, um vor den Scharfschützen der nur wenige Kilometer weiter westlich operierenden Kampfverbände der Nusra Front und vor Uiguren zu schützen. Zu beiden Seiten der Castello Straße wird Müll abgelagert, Leute angeln aus den Haufen Metallreste, um sie bei Schrotthändlern zu verkaufen.

Afrin ist eine Kleinstadt im Norden Syriens und liegt etwa 40 km nordwestlich von Aleppo. Zu Afrin gehören 360 Dörfer, von denen einige aus nur wenigen Häusern und Höfen bestehen. Die Leute aus Afrin sind Kurden, Araber, Jesiden. Es gibt Tscherkessen, früher lebten auch Christen hier. Afrin ist berühmt für sein Olivenöl, das als das beste Öl in ganz Syrien gilt. Hier gibt es Obst und Gemüse, Wasser, in den Kieferwäldern werden Pilze gesammelt. Antike Stätten wie das Simeon Kloster und der hethitische Siedlungshügel Tell Ain Dara zogen Tausende von Touristen und Archäologen an.

Heute ist Afrin ein von der kurdischen PYD selbstverwalteter Kanton, der sich als Teil der "Demokratischen Föderation Nordsyrien" sieht, von Anhängern auch "Rojava" genannt. Der starke PKK-Einfluss ist nicht zu übersehen. Schon am Kontrollpunkt nördlich von Aleppo bei Nubul blickt der in der Türkei inhaftierte PKK-Vorsitzende Abdullah Öcalan den Reisenden entgegen. Abdullah "Apo" Öcalan ist allgegenwärtig. Entlang der Landstraße sind YPG/YPJ-Fahnen und Bilder von Märtyrern aufgestellt.

Der Kontrollpunkt zur Einreise nach Afrin wirkt wie eine Grenze. Busse dürfen nur leer passieren, die Fahrgäste müssen aussteigen und zu Fuß mehrere Hundert Meter durch einen mit Draht abgetrennten Korridor laufen. Die Farben der Grenzgebäude und Absperrungen aus Beton sind unerwarteter Weise nicht in den kurdischen Farben gelb-rot-grün sondern in schlichtem, eher an Bayern oder israelische Grenzposten erinnerndem Blau-Weiß angestrichen. Hinter der Grenze halten Kleinlaster mit Gaszylindern, die aus Aleppo nach Afrin geliefert werden und auf Fahrzeuge aus Afrin – mit eigenem Nummernschild - umgeladen werden.

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Afrin hat Nummernschilder. Für die Fahrt nach Aleppo werden sie gegen syrische Schilder ausgetauscht.

Rund eine Millionen Menschen lebten heute in Afrin, viele seien Inlandsvertriebene sagt die Ministerpräsidentin des Kantons, Hevi Mustefa im Gespräch mit der Autorin. Internationale humanitäre Hilfe erreiche das Gebiet kaum, nur wenige ausländische, zumeist private Organisationen hülfen. Nahezu jedes der 360 Dörfer in Afrin verfüge über eine Grundschule, in der Stadt Afrin könnten Schüler an Gymnasien auch das Abitur machen. Hevi Mustefa war früher Lehrerin, Bildung und Ausbildung ist für sie besonders wichtig. Stolz spricht sie über die Fortschritte, die es in Afrin in Sachen Frauengleichberechtigung gebe. In Revolutionen würden Frauen immer eine wichtige Rolle spielen, ihre Regierung werde dafür sorgen, dass es dabei auch bleibe.

Als der Krieg in Syrien 2012 auch Aleppo erreichte, zogen Textilunternehmen aus Aleppo fort und ließen sich in Afrin nieder. Hosen, Röcke, Jacken, viele Produkte aus Afrin werden auf den Märkten Syriens verkauft. In Afrin selber findet man allerdings auch türkische Produkte, Textilien und Schuhe. Vor dem Krieg wurden die Waren direkt aus der Türkei nach Syrien geliefert, die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern waren gut. Heute nehmen die türkischen Waren den gleichen Weg wie Kämpfer, Waffen und humanitäre Hilfe, die aus der Türkei in die von Kämpfern kontrollierte Provinz Idlib gelangen.

Von Idlib aus erreichen die Waren Afrin auf Wegen, die von den offiziellen in der Region operierenden kämpfenden Akteuren ausgehandelt werden. Geld wechselt die Besitzer, der Handel blüht. Seine Geschäfte laufen gut, er könne sich nicht beklagen, sagt Ahmed Mohamed, Inhaber eines Schuhgeschäftes im Zentrum der Stadt. Seinen richtigen Namen möchte er nicht nennen, auch einem Foto stimmt der 35-Jährige nicht zu.

Ganz anders reagiert der Angestellte Mahmud Abdo, der sein altes Suzuki-Motorrad durch die Fußgängerzone schiebt. Er stammt aus Jenderes, im Süden von Afrin. Der Ort liegt heute in Reichweite türkischer Geschütze, viele seien sich unsicher, wie es mit den Drohungen der Türkei weitergehen werde. Für das neue Jahr 2018 hoffe er, dass es Frieden für ganz Syrien geben werde. Sicherheit für alle und dass nicht die Religionen die politische Zukunft Syriens bestimmten.

Wenige Schritte weiter liegt ein kleiner Park, in dem die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG/YPJ eine große Gedenktafel für ihre  gefallenen Kämpfer aus dem Jahr 2016 errichtet haben. Mitten unter ihnen ist wieder der Mann, den viele Kurden als ihren Präsidenten ansehen, Abdullah Öcalan. Er allerdings sitzt in Totalisolation in der Türkei und weiß nicht, was in seinem Namen im Norden Syriens geschieht.

Hevi Mustefa, die Ministerpräsidentin der Regierung von Afrin ist sich derweil sicher, dass sie in Öcalans Namen und richtig handeln.

Wir haben in Rojava eine Frauenorganisation, die vor 30 Jahren von Abdullah Öcalan gegründet wurde und wir setzen diese Arbeit fort. Es ist ein Glück für die kurdischen Frauen, dass es diese erfahrene Organisation gibt. Sie haben eine Akademie und bilden die Frauen aus, um Verantwortung zu übernehmen. Diese Arbeit wird auch mit den Vertriebenen durchgeführt, die in unsere Gebiete kommen, mit den Arabern oder den Turkmenen."

Die Drohungen aus der Türkei seien nicht neu, sagt Hevi Mustefa. 75 Prozent von Afrin grenze direkt an die Türkei. Die baue nicht nur eine Mauer, sie besetze Land von Afrin und zerstöre privates Eigentum. "Entlang der Grenze zur Türkei haben wir viele Olivenbäume, die von unseren Bauern bearbeitet werden, die abgeerntet werden müssen. Die Türkei greift die Bauern an und beschießt sie. Wir haben viele Märtyrer zu beklagen. Immer wieder haben wir uns an die internationalen Menschenrechtsorganisationen gewandt, um darauf aufmerksam zu machen, was an der Grenze geschieht. Ohne Erfolg." Man habe Anwälte beauftragt, gegen den klaren Bruch internationalen Rechts Anzeige zu erstatten. "Wir haben alles dokumentiert: jeden zerstörten Baum, jeden besetzten Kilometer Land, jeden getöteten Anwohner."

Seit Oktober 2014 gibt es wie in den Provinzen Hasakeh und Rakka auch in Afrin die offizielle kurdische Armee für Selbstverteidigung (kurdisch: Hêzên Xweparastinê‎, HXP). Junge Leute müssen dort Wehrdienst leisten, nicht alle sind damit einverstanden. "Für uns ist wichtig, dass wir unser Gebiet verteidigen können", sagt Hevi Mustefa. "Die Zivilisten müssen vor allen Angriffen geschützt werden. Wir schießen auf niemanden. Aber wenn uns jemand angreift, schießen wir zurück."