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Exklusiv-Interview: Kurdistan als Kollateralschaden bei türkischer Offensive auf Syriens Afrin

Exklusiv-Interview: Kurdistan als Kollateralschaden bei türkischer Offensive auf Syriens Afrin
Die Türkei schickt sich an, eine Militäroperation gegen die Kurden-Miliz YPG im syrischen Afrin-Kanton zu starten. Für Russland ist die Wahrung der Türkei als Partner wichtiger als der Erhalt der Kurden, um die USA in Syrien auszubooten. Das behauptet der ehemalige türkische Stabsoffizier und Sicherheitsanalyst Erol Bural im Exklusiv-Interview mit RT Deutsch.

von Ali Özkök

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat kürzlich seine Rhetorik verschärft, um eine Offensive gegen die YPG-Miliz in Afrin zu rechtfertigen. Wie realistisch ist die Umsetzung der Offensive angesichts der vielen Herausforderungen?

Die türkischen Pläne für eine Afrin-Operation sind kein neues Thema. Wir fordern seit etwa anderthalb Jahren entsprechende Schritte. Aber zum ersten Mal zeigt sich unser Präsident Erdoğan bereit,  die Operation mit rigoroser Entschlossenheit zu organisieren. Die Gründe für diese Härte der Regierung sind die jüngsten Entwicklungen in Syrien.

Die nicht enden wollende US-Militärinvasion und der Ausbau der PKK-nahen kurdischen YPG-Miliz zu einer Grenzarmee spielten eine wichtige Rolle bei der Verhärtung der Position von Präsident Erdoğan. In den letzten anderthalb Jahren, während die Afrin-Operation besprochen wurde, haben die türkischen Streitkräfte umfassend Kriegsgüter an die Grenze verlegt.

Wenn man alle Entwicklungen berücksichtigt, kann ich sagen, dass die Möglichkeit der Operation von Tag zu Tag steigt. Dass die Operation schon bald in die aktive Phase übergeht, ist sehr wahrscheinlich, auch weil gegenwärtig die Kräfte der Freien Syrischen Armee in der angrenzenden Azas-Region mobil machen.

Russland hat noch keine klare Aussage zum türkischen Wunsch nach einer Offensive getroffen. Laut  einiger Quellen darf die türkische Luftwaffe nicht in den Luftraum Syriens eindringen, der von Russland abgeschirmt wird. Was sind Ihre Argumente dafür, warum Russland einer türkischen Offensive zustimmen sollte?

Russland kontrolliert westlich des Euphrat-Flusses den syrischen Luftraum und wir wissen, dass die USA die Region östlich des Flusses kontrollieren. Beide Länder koordinieren ihre Luftoperationen, um gegenseitigen Verletzungen des Luftraums aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig ist bekannt, dass der syrische Luftraum für die Flüge der türkischen Luftstreitkräfte gesperrt ist. Deshalb bombardiert die Türkei gegenwärtig Ziele in Afrin nur mit Panzerhaubitzen.

Ich glaube nicht, dass sich die Operation der Türkei verlangsamen wird, wenn der Luftraum geschlossen bleibt. Meine Prognose ist, dass Russland die Nutzung des Luftraums für die Türkei in Afrin in begrenztem Umfang erlauben wird. Diese Erlaubnis kann sowohl regional als auch zeitlich begrenzt sein.

Moskau möchte die Türkei vor allem bei der Gewährleistung einer Lösung des Syrien-Konfliktes an seiner Seite sehen. Russland braucht die Türkei auch, um seinen Erzrivalen USA in Syrien auszubooten. Deshalb wird Moskau unter Berücksichtigung der türkischen Empfindlichkeiten den Luftraum innerhalb der genannten Limitierung öffnen, denke ich.

Russland will den bewaffneten Krieg in Syrien so schnell wie möglich beenden und alle beteiligten Parteien einschließlich der YPG an den Verhandlungstisch bringen. Warum ist das ein Problem für Ankara?

Ankara ist der Meinung, dass die YPG ein Arm der PKK-Terrororganisation ist, und beharrt auf diesem Standpunkt. Auch wenn das einige westliche Länder so nicht wahrhaben wollen, ist die YPG und ihre politische Vertretung PYD ideologisch und inhaltlich mit der PKK verbandelt. In der Türkei nehmen Kurden hohe Positionen im Staat, in der Wirtschaft und im Militär ein, dennoch erhebt die PKK seit Jahrzehnten die Waffen gegen den türkischen Staat, besetzt ganze Gebiete. Beim Krieg mit der PKK kamen über 40.000 Menschen ums Leben. Aus diesem Grund möchte die Türkei nicht gemeinsamen mit der YPG an einem Tisch sitzen.

Afrin ist ein Gebiet, in dem 750.000 Menschen leben. Es könnte schwierig sein, Afrin in seiner Gesamtheit zu erobern. Ist es möglich, dass Ankara nur die arabischen Territorien um Tal Rifaat herum besetzt, die von der YPG gehalten werden, um das Gebiet einfach zu umschließen?

Obwohl das eine Möglichkeit ist, scheint es das türkische Militär auf das gesamte Gebiet von Afrin abgesehen zu haben. Ankara möchte die Existenz der YPG in der Region komplett beenden. Deshalb wird es nicht nur danach streben, die Gruppe zu isolieren. Aus diesem Grund hat Ankara auch Luftabwehrsysteme vom Typ Hawk im Grenzgebiet aufgestellt.

Die USA scheinen der Türkei grünes Licht für eine Offensive in Afrin gegeben zu haben. Erdoğan spricht aber auch von Manbidsch, wo die USA präsent sind. Wie ernst ist es dem Präsidenten mit einer Offensive gegen die Positionen der USA?

Ein türkischer Militärpanzer erreicht eine Militärbasis in der Grenzstadt Reyhanli nahe der türkisch-syrischen Grenze in der Provinz Hatay, Türkei, am 17. Januar 2018.

In der Stadt gibt es seit Wochen Konflikte zwischen der kurdischen YPG und der arabischen Lokalbevölkerung. In der Stadt geht die YPG mit Erlaubnis der USA radikal gegen Andersdenkende vor. Zuletzt wurden von den YPG-Sicherheitskräften zwei arabische Jugendliche zu Tode gefoltert. Das löste eine Welle des Protests aus, bei dem die Lokalbevölkerung auf die Straße ging. Sie schloss auch für Tage ihre Läden. Das ist eine vollkommene neue Dimension für die Herrschaft der YPG.

Eine andere Sache sind die Aussagen der USA. Am 16. Januar sagte der Pressesprecher der US-geführten Anti-IS-Koalition Ryan Dillon: „Afrin ist nicht in das Operationsfeld der Koalition involviert.“

Der Grund ist, dass die USA lediglich die Region östlich des Euphrats als eigenes Betätigungsfeld ansehen. Deshalb scheint es nicht unmöglich, dass die Türkei nach Afrin auch die Manbidsch-Region mit einer Operation unter ihre Kontrolle bringt. Das wäre eine bilaterale Angelegenheit, die mit einem Abkommen gelöst werden muss.

 

 

 

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