Getöteter Su-24-Pilot von Ankara nach Moskau überführt

Getöteter Su-24-Pilot von Ankara nach Moskau überführt
Die Türkei hat offenbar ihren Einfluss auf die syrisch-turkmenischen Milizen geltend gemacht und die Übergabe des Leichnams des getöteten russischen Su-24-Kampfpiloten, der am vergangenen Dienstag von der türkischen Luftwaffe abgeschossen wurde, organisiert. Am Montag Nachmittag landete die türkische Militärmaschine mit den sterblichen Überresten von Oleg Peschkow auf dem Militärflughafen Chkalowsky in der Nähe von Moskau.

Die Leiche wurde in Übereinstimmung mit den Ritualen der in Russland vorherrschenden christlichen Orthodoxie behandelt, informierte Davutoğlu Journalisten in Ankara. Orthodoxe Priester hätten sich in der südtürkischen Stadt Hatay bereits um den Leichnam gekümmert.

Die russische Botschaft in der Türkei gab am Sonntag an, dass der genaue Überführungszeitpunkt erst noch festgelegt werde:

„In Bezug auf den Transfer des Leichnams des Su-24-Piloten nach Russland haben wir kein genaues Datum. Heute wird der Tote nach Ankara gebracht. Dann wird entschieden, wann dieser weiter nach Russland geschickt wird.“

Die Su-24 wurde nach Vollendung ihrer Bombenmission im syrisch-türkischen Grenzgebiet von einer Luft-Luft-Rakete eines türkischen Kampfjets vom Typ F-16 abgeschossen.

Beide Piloten konnten sich zunächst mit Fallschirmen aus dem abstürzenden Flugzeug retten. Einer der Piloten wurde von einer syrisch-turkmenischen Rebellenmiliz gefasst und getötet. Der zweite Pilot konnte in einer Kommando-Aktion geborgen werden und kehrte zur russischen Luftwaffenbasis Khmeimim in Latakia zurück.

Die türkische Seite indes erklärt, dass sich der russische Bomber im türkischen Luftraum aufgehalten hätte und daraufhin abgeschossen wurde. Russische Kommandeure hingegen widersprechen diesen Positionen vehement und argumentieren, dass Radardaten deutlich zeigen, dass der türkische Jet vom syrischem Territorium heraus das russische Flugzeug abschoss.

Zudem ist bislang unklar, wie die Türkei es vermochte, den Leichnam des russischen Piloten von den syrisch-turkmenischen Milizen zu erhalten. Eines jedoch gilt als erwiesen: Die Türkei gehört zu den wichtigsten Unterstützern der sogenannten syrischen Rebellen, darunter der Freien Syrischen Armee, aber auch der Islamischen Front, zu der die bedeutenden, weithin salafistisch geprägten, Organisationen Ahrar al-Scham und Dschaisch il-Islam gehören. Dies bestätigt auch die deutsche Bundesregierung in einer parlamentarischen Anfrage:

Immer wieder erklärte sich die Türkei im landesweiten Diskurs der regierenden religiös-konservativen AKP des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan im syrischen Bürgerkrieg zur Schutzmacht der türkischen Minderheit und sunnitischen Araber, die laut Ankara von der alawitisch geprägten Regierung in Damaskus unterdrückt würden.

Vor einigen Tagen tauchte ein Video eines syrischen Rebellenkommandeurs auf, der über den Tod des russischen Piloten berichtete. Informationen zufolge solle dieser jedoch kein Turkmene, sondern ein türkischer Nationalist der Bozkurt-Bewegung sein. Überdies war sein Vater nach bisherigen Erkenntnissen Bürgermeister der rechtsextremistischen MHP (Milliyetçi Hareket Partisi).

Die Turkmenen in den sogenannten Turkmenen-Bergen in Nordost-Latakia, oder auch Bayir Bucak genannt, gehören zum Karamanoglari-Stamm aus Anatolien, welche in der osmanischen Ära teilweise nach Latakia auswanderten. Noch heute gibt es rege Beziehungen zwischen den Turkmenen/Türken-Stämmen Anatoliens und denen Latakias.

Analysten zufolge holte die türkische Luftwaffe den russischen Bomber aus der Luft, um eine fragwürdige, allerdings de-facto-Flugverbotszone über den Turkmenen-Bergen wiedereinzuführen. Ankara fürchtet, dass bei einem Fall der Turkmenen-Berge die Front der von der Türkei und Katar finanzierten Rebellen sowie Islamisten in Idlib und Aleppo weit schwerer zu verteidigen sein werde. Vor allem dürfte der Verlust von Positionen in den Bergen von Latakia die Belagerung der ehemaligen Metropolstadt Aleppo aus türkischer Perspektive negativ beeinflussen.

Die syrische Armee und verbündete Schiiten-Milizen aus dem Libanon, Irak und Iran bräuchten ihre Kräfte nicht mehr auf umfassende Frontverläufe im Westen aufzuteilen. Die Regierung Assad sieht die Einnahme der Turkmenen-Berge als wichtigen Baustein zur politischen und militärischen Konsolidierung.

Trends: # Abschuss der Su24 über Syrien