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Allierter oder Schutzgelderpressser? USA fordern horrende Geldsummen für Truppenpräsenz in Südkorea

Allierter oder Schutzgelderpressser? USA fordern horrende Geldsummen für Truppenpräsenz in Südkorea
Im Streit um die Verteidigungskosten für die in Japan und Südkorea stationierten US-Truppen intensivieren die USA den Druck auf ihre asiatischen Partner. Südkorea wertet die immensen Forderungen als inakzeptabel und zieht indes andere Alternativen in Erwägung.

von Marko Klaić

Hierzulande ist die Diskussion bereits bekannt: Die US-Administration betrachtet die Beiträge Deutschlands zum Nordatlantikpakt als unzureichend und fordert von der Bundesregierung eine Erhöhung der zu leistenden Verteidigungsausgaben. In Asien schlagen die Amerikaner einen ähnlichen Ton an, bisher jedoch ohne Erfolg. Die US-Regierung fordert von Südkorea und Japan, für die dort stationierten US-Truppen (rund 28.500 in Südkorea und 50.000 in Japan) einen erhöhten Lastenanteil zu zahlen. Präsident Trump drohte bereits mehrmals, einen Truppenabzug zu veranlassen, sollte sich kein Konsens finden lassen.

Die südkoreanische Außenministerin Kang Kyung-wha und der US-Botschafter in Südkorea Harry Harris, Außenministerium, Seoul, Südkorea, 8. März 2019.

Am vergangenen Freitag traf US-Verteidigungsminister Mark Esper in Südkorea ein, um mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Jeong Kyeong-doo Bewegung in die stockenden Verhandlungen zu bringen. Südkorea – so Esper – "ist ein wohlhabendes Land und kann und soll mehr bezahlen" für die Truppenpräsenz der Amerikaner in Südkorea. Zuvor wurden die Gespräche auf Wunsch des US-Chefunterhändlers James DeHart abgebrochen, da von südkoreanischer Seite keine "faire und gerechte Lastenaufteilung" in Aussicht gestellt wurde.

Die südkoreanische Regierung wertet die von den USA vorgeschlagene Erhöhung des Lastenanteils als horrend und inakzeptabel. So erwarte die US-Administration unter Trump, dass Südkorea das Fünffache – fünf Milliarden US-Dollar statt wie bisher 923 Millionen – entrichten soll. Ein Leitartikel in der Chosun Ilbo, Südkoreas auflagenstärkster Zeitung, verglich den Sachverhalt des Disputs mit den USA mit dem Verrat Trumps an den Kurden. Trump habe, so der Leitartikel, lediglich den finanziellen Aspekt einer solchen Zusammenarbeit im Auge und könnte Südkorea einer noch nie dagewesenen Bedrohung aussetzen.

Die Kurden haben 150.000 Truppen im Kampf gegen den Islamischen Staat für die USA mobilisiert, und mehr als 10.000 ihrer Soldaten fanden den Tod. Die Belohnung für dieses Opfer war der Verrat durch Präsident Trump. Der Hauptgrund für den Verrat war Geld.

In Südkorea ist die Angst vor einem Truppenabzug der Amerikaner durchaus real. Trotz einem rechtlich bindenden bilateralen Verteidigungspakt fürchtet man sich vor der impulsiven Ader des US-Präsidenten. Dieser hatte während seiner bisherigen Amtszeit eher Auseinandersetzungen mit traditionellen Partnern gesucht, als langjährige Kooperationen beidseitig produktiv zu fördern. Es ist daher unklar, ob die bisherigen Drohungen Trumps, angesichts gescheiterter Verhandlungen über erhöhte Lastenanteile einen Truppenabzug zu veranlassen, lediglich als Druckmittel verstanden werden kann.

Weniger überraschend im Kontext der aktuellen Spannungen zwischen den USA und Südkorea war ein Treffen des südkoreanischen Verteidigungsministers Jeong mit seinem chinesischen Amtskollegen Wei Fenghe am Rande eines in Bangkok stattgefundenen regionalen Sicherheitsgipfels. Medienberichten zufolge sollen die Verteidigungsminister über einen Ausbau der Sicherheitsbeziehungen gesprochen haben, um die Stabilität Nordostasiens zu gewährleisten. Über eine erweiterte Kooperation auf militärischer Ebene soll auch gesprochen worden sein. Verteidigungsminister Jeong soll im kommenden Jahr nach Peking reisen, um mit Wei den bilateralen Austausch und die Kooperation in Verteidigungsangelegenheiten zu besprechen.

US-Verteidigungsminister Mark Esper

Trotz Sorgen über einen potenziellen Truppenabzug der USA ist die überwiegende Mehrheit der koreanischen Bevölkerung gegen einen Kotau vor den amerikanischen Forderungen. In einer Umfrage des regierungsnahen koreanischen Instituts für Nationale Wiedervereinigung sprachen sich 96 Prozent der Befragten gegen ein Nachgeben in der Frage der Erhöhung der Lastenanteile aus. Die Zusammenarbeit mit den USA wird von den Koreanern als vorteilhaft für die Sicherheit beider Staaten verstanden, sodass die jetzigen Forderungen der US-Administration eher als Schutzgelderpressung verstanden werden denn als reelle Notwendigkeit für den Erhalt der in Südkorea stationierten Truppen.

Ohne beiderseitige Zugeständnisse ist eine Einigung Südkoreas und der USA höchst unwahrscheinlich. Der Disput beider Staaten hat ungeachtet der bisher ausgebliebenen Resultate der Verhandlungen das Vertrauen Südkoreas in die USA beschädigt. Ob sich Südkorea zukünftig in nationalen Sicherheitsfragen an den chinesischen Nachbarn wenden wird, ist momentan noch fraglich. Die südkoreanische Regierung hat jedoch bewiesen, dass sie nicht davor zurückscheut, angesichts des Konflikts mit den USA nach anderen Alternativen Ausschau zu halten.

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